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Amerikanische Theaterpreise : Zehn Tonys für „Billy Elliot“

  • Aktualisiert am

Gruppenbild mit Elton bei der 63. Verleihung der Tonys Bild: AP

Seit 1947 werden die Tony Awards von der amerikanischen Theatervereinigung verliehen. Doch diesmal war alles anders. Nicht nur, dass die vergangene Saison für den Broadway die einträglichste Spielzeit der Geschichte war, auch dominierten diesmal die britischen Importe.

          Tony Top Ten: Das anrührende Broadway-Musical „Billy Elliot“ mit der Musik von Popstar Elton John hat bei den wichtigsten amerikanischen Theaterpreisen abgeräumt wie selten ein Stück zuvor. Bei der Vergabe der Tony Awards in der Nacht zum Montag in New York konnte die Inszenierung des britischen Regisseurs Stephen Daldry gleich zehn Trophäen einheimsen - allen voran den begehrten Preis als bestes Musical.

          Die Auszeichnung als bestes Theaterstück holte sich die bitter-komische Sozialsatire „Der Gott des Gemetzels“ der französischen Dramatikerin Yasmina Reza. Oscar-Preisträgerin Liza Minnelli („Cabaret“) erhielt für ihre triumphale Rückkehr auf den Broadway mit einer Soloshow die Sonderehrung für das beste Theater-Ereignis.

          Erstmals ein geteilter Preis

          Bei der aufwendig inszenierten Tony-Gala in der traditionsreichen Radio Music City Hall eroberten die drei jungen Hauptdarsteller von „Billy Elliot“ die Herzen der Zuschauer buchstäblich im Flug. Nach einer atemberaubenden Tanzeinlage dankten David Alvarez (15), Trent Kowalik (14) und Kiril Kulish (15) wie gestandene Hollywoodstars ihren Eltern, Geschwistern und Kollegen für alle Unterstützung. „Und allen Kindern, die Lust zum Tanzen haben, wollen wir sagen: Gebt nie auf!“, fügte Kulish hinzu.

          Gewann gleich zehn Tonys: Stephen Daldry
          Gewann gleich zehn Tonys: Stephen Daldry : Bild: REUTERS

          In der Geschichte um einen Jungen aus einer armen nordenglischen Kohlearbeiterstadt, dessen Leidenschaft das Ballett ist, spielen die drei Jungen abwechselnd die Hauptrolle und bekamen dafür - erstmals in der Geschichte des Broadway - einen geteilten Preis. Auch Regisseur Daldry, der schon für den oscarnominierten Film „Billy Elliot“ (2000) verantwortlich zeichnete, Autor Lee Hall und Choreograph Peter Darling wurden geehrt.

          Hauptpreise an britische Importe

          Elton John musste für seine Musik zwar auf eine eigene Auszeichnung verzichten, nahm aber gemeinsam mit den Produzenten eine Trophäe in Empfang. „Wir sind zu einer schwierigen wirtschaftlichen Zeit hierher gekommen. Sie haben Ihren Geldbeutel und Ihre Herzen für uns geöffnet, und dafür lieben wir Sie“, rief er dem Publikum zu.

          Für den Broadway, die größte Theatermeile der Welt, war die vergangene Saison trotz Wirtschaftskrise die beste Spielzeit der Geschichte. Die insgesamt 43 Shows spülten einen Rekordumsatz von fast 950 Millionen Dollar (680 Millionen Euro) in die Kassen.

          Mit der Auszeichnung von „Billy Elliot“ und „Der Gott des Gemetzels“ gingen die beiden Hauptpreise erstmals seit Gründung der Tonys 1947 an britische Importe - die zwei Stücke hatten auch schon in London für Aufsehen gesorgt. Als bestes Revival eines Musicals wurde die Neuinszenierung der Hippie-Legende „Hair“ geehrt, beste Neuauflage eines Theaterstücks wurde Alan Ayckbourns Komödie „Normans Eroberungen“.

          Die Oscars für den Film

          Bei den Schauspielpreisen setzte die Jury auf Erfahrung. Die 83 Jahre alte Britin Angela Lansbury gewann für „Blithe Spirit“ ihren fünften Tony, Oscar-Preisträger Geoffrey Rush wurde für seine Rolle als sterbender König in Ionescos Farce „Exit the King“ ausgezeichnet. Und der 69 Jahre alte amerikanische Schauspieler Roger Robinson bekam den Preis für die Rassengeschichte „Joe Turner's Come and Gone“, die kürzlich auch Präsident Barack Obama und seine Frau von Washington nach New York gelockt hatte. „Ich habe 46 Jahre gebraucht, um von dem Sitz da unten hier auf diese Bühne zu kommen“, flachste Robinson.

          Die Tonys Awards werden seit 1947 von der amerikanischen Theatervereinigung in mehr als zwei Dutzend Kategorien für Musicals und Bühnenwerke vergeben. Sie bedeuten für das amerikanische Theater so viel wie die Oscars für den Film. Die bisher meisten Tonys hatte 2001 mit zwölf Trophäen das Musical „Frühling für Hitler“ von Mel Brooks.

          Quelle: FAZ.NET mit dpa

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