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Zur Lage des Buchmarkts : Such das Buch

In Buchläden gibt es jetzt Badekonfetti, Haarbürsten, Figuren aus Lego und Bestecksets - nur Bücher gibt es immer weniger Bild: Helmut Fricke, Bearbeitung F.A.Z.

Die Digitalisierung des Buchmarktes betrifft alle - die Händler, die Verlage, die Autoren. Einige merken es schon. Andere glauben es noch nicht.

          Am Steinweg in Frankfurt, einer kurzen Straße mitten in der Stadt, liegt eine Filiale der Buchhandelskette Hugendubel. Sie gilt als Flagship-Store, als Vorzeigegeschäft der Firma, und wirklich ist sie mit ihrem von zwei Seiten begehbaren Erdgeschoss und der luftigen Innenarchitektur, die dem Besucher immer wieder erlaubt, Blicke in alle möglichen Winkel und Stockwerke des Ladens zu werfen, ein besonders schönes Geschäft. Nicht selten geschah es, dass man es auf der einen Seite mit dem Wunsch nach einem bestimmten Buch betrat und es auf der anderen mit mehr als einem Buch in der Hand wieder verließ. Dieser Hugendubel war ein Tempel, er bediente Begierden, von denen man nicht wusste, dass man sie hat. Aber das ist eine Weile her.

          Lena Bopp

          Redakteurin im Feuilleton.

          Sandra  Kegel

          Redakteurin im Feuilleton.

          Wer heute den Laden betritt, sieht gar keine Bücher mehr. Stattdessen stößt man auf all die Dinge, die im vergangenen Jahr schon die Hallen der Frankfurter Buchmesse geflutet und dort noch für Belustigung gesorgt hatten. All die Eierbecher, Plüschtiere, Aufziehfiguren, Postkarten, Kalender, Notizbücher, Handtaschen und Spardosen haben mittlerweile aber ihren Weg in die Buchläden gefunden - nicht nur in Frankfurt, sondern auch in allen anderen Städten, in denen die großen Buchhandelsketten, heißen sie nun Hugendubel, Thalia oder Mayersche, Filialen unterhalten.

          Jede fünfte Buchhandlung wird zumachen

          Dass die Ketten in ihren Läden nicht mehr nur Bücher verkaufen, sondern bis zu dreißig Prozent ihres Sortiments mit sogenannten Non-Books bestücken wollen, hatten sie angekündigt. Aber die Art, in der die Pläne nun Wirklichkeit geworden sind, ist nicht nur für Leser eine Zumutung. Im Erdgeschoss des Frankfurter Hugendubel, in dem zwar schon früher Bestseller und Sonderangebote auslagen, auf großen Tischen aber auch die aktuellen Neuerscheinungen aus der Belletristik, finden sich jetzt kaum noch halb so viele Bücher wie zuvor. Die gesamte aktuelle Literatur ist in den ersten Stock gewandert. Zurückgeblieben sind Ausschussware, Bestseller und quietschbunter Krimskrams. Das Buchgeschäft sieht aus wie ein Spielwarenladen. Als hoffe man, indem man keine Bücher anbietet, die Umsätze wieder hereinzuholen, die in den vergangenen Monaten verlorengegangen sind.

          Die Buchbranche erlebt schwere Zeiten. Nachdem sie lange als eine Art Krisengewinnlerin dem rundum zu beobachtenden Niedergang des Einzelhandels trotzte, musste sie schon 2011 erstmals nach sieben Jahren einen Umsatzrückgang von 1,8 Prozent verkraften. Auch 2012 ging schlecht los: Von Januar bis Juli sank der Umsatz der Branche im Vergleich zum Vorjahr um 2,6 Prozent. Am härtesten traf es den Sortimentsbuchhandel, also die meist von einem Inhaber geführten kleinen Buchhandlungen, von denen in der jüngeren Vergangenheit ohnehin schon viele schließen mussten: Ihr Umsatzminus lag in der ersten Jahreshälfte bei 5,4 Prozent - das war mehr als das Doppelte der gesamten Branche. „Jede Vertretersitzung beginnt bei uns mit der Aufzählung, welche Buchhandlung wieder geschlossen wurde“, erzählt der Dumont-Verleger Jo Lendle. Die Prognosen sehen noch viel schlechter aus: Bis zum Jahr 2013, so befüchtet der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, müsse jede fünfte Buchhandlung im Land zumachen.

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