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Zum Tode von Tereska Torrès Kameradin Freiheit

 ·  Ihre eigene Kriegserfahrung brachte Tereska Torrès auf Distanz zu überlieferten Frauenrollen. Jetzt ist die Autorin von „Women’s Barracks“ im Alter von 92 Jahren gestorben.

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© Gamma-Rapho via Getty Images Vergrößern Tereska Torrès (1920 -2012)

Die Gewaltgeschichte des zwanzigsten Jahrhunderts wird häufig als überdimensionaler Wandteppich aus grausigen Haupt- und Staatsaktionen wahrgenommen: Schoah, Vernichtungsfeldzüge, Welt- und Bürgerkriege, Revolutionen, Klassenkämpfe, Massenflucht.

Die literarischen Fransen dieses einschüchternden Riesengewebes knüpfen meist Männer, und ihr Zugriff aufs Entsetzliche müht sich dabei wacker, stets einen Ton zu finden, in dem Zeitzeugenschaft und fiktionale Gestaltung einander zum Beweis viriler Geistesgegenwart ergänzen - von Orwell bis Malaparte, Jünger bis Glaser, Peter Weiss bis Günter Grass, also auf allen ästhetischen Rangstufen, schmeckt das Ergebnis dann immer wieder nach alertem Jungsduktus, ob freiwillig oder zwangsrekrutiert - und selbst Anna Seghers verfällt, wenn sie von den Katastrophen der finsteren Zeit erzählen soll, absatzweise in den züchtig-markigen Spartanerstil des berichtswilligen Dabeigewesenseins.

Bestaunt, gepriesen und beschimpft

Gar keine Lust auf derlei hatte Tereska Torrès, deren Vater, ein polnischer Bildhauer und Pariser Weltbürger, wider die Nazis in die polnische Westarmee eintrat und von den Engländern evakuiert wurde, während seine achtzehnjährige Tochter sich 1938 zu De Gaulle schlug, dort dem Frauenfreiwilligencorps beitrat, aus dessen Reihen nur wenige den Krieg überlebten, und dabei Fronterfahrungen machte, die sie 1950 unter dem Titel „Women’s Barracks“ in den Vereinigten Staaten veröffentlichte - freilich nicht als weiteres Exempel nüchterner oder pathetischer Flakhelferprosa, sondern in einem griffigen, sogar aufreizenden Stil, der nicht davor zurückschreckte, das alte Männerprivileg für sich zu kapern, erotische Regungen zu schildern, die der Kampf gegen politische Bestien so gut wie jede andere lebensbedrohliche Situation wecken kann.

Als Schund, Pulp-Pionierwerk, lesbischer Kontergesang zu Ernest Hemingways priapischem Geprotze in „For Whom the Bell Tolls“, als Skandalreißer und wichtiger Emanzipationsschritt weg vom bis dahin frauenverbindlichen Gestus der am Krieg immer nur schwindsüchtig leidenden Mütter, Töchter, Geliebten, Schwestern oder Witwen ist das Buch bestaunt, gepriesen und beschimpft worden. Auch juristische und politische Verfolgung vonseiten erboster Nachkriegspornojäger hat der Bestseller erfahren.

Breite literarische Produktion

Seine Autorin ließ ihn in Frankreich vorsichtshalber zunächst nicht erscheinen - dort durfte man dafür ihr unbearbeitetes Kriegstagebuch „Ein freies Frankreich“ lesen. Mit dem Amerikaner Meyer Levin hatte sie zuvor eine die historiographische Bildpolitik des zeitgeschichtlichen Nachkriegsfilms prägende Dokumentation über Juden gedreht, die aus Polen mit dem Ziel Palästina geflohen waren.

Objektive und subjektive Erinnerungsleistungen bestimmten auch danach sowohl weitere Kollaborationen mit Meyer Levin, den sie heiratete, wie ihre umfangreiche literarische Produktion - von Kindheitsschilderungen über Elternspurenlesen bis zu einer Studie über die Schwierigkeiten ihres Mannes bei seiner eigenen objektivierenden Auseinandersetzung mit dem Vergangenen. Wie ihre Familie jetzt bekanntgegeben hat, ist Tereska Torrès am vergangenen Donnerstag in Paris zweiundneunzigjährig gestorben.

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