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Montag, 13. Februar 2012
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Zum Tod von Peter Rühmkorf Schwebekunst

10.06.2008 ·  Peter Rühmkorf verstand es, mit der Schwere zu spielen, mutig und zart zugleich. Er brauchte keine großen Themen, um große Gedichte zu schreiben. „Graziös in Lebensgefahr“ bewegte er sich auf dem Drahtseil des Dichtens, meint die Schriftstellerin Ulla Hahn.

Von Ulla Hahn
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Wenn mir einer Mut gemacht zu meinen ersten Gedichten, dann Peter Rühmkorf. Sein „agar agar - zaurzaurim“ „meine Bibel: Erlaubt ist, was gekonnt.“ Und Rühmkorf konnte so gut wie alles und alles gut. Konnte reimen, dass sich die Bananen bogen, reimte poofen auf Feuerofen, Adorno auf hardcoreporno, Bolle auf Frühlingsrolle; witzig, bissig, nie platt. Mutig und zart zugleich, eine seltene Mischung. Rühmkorf verstand es, mit der Schwere zu spielen. Wusste, wir Dichter müssen in Ketten tanzen, aber klirren hören darf man sie nicht. Doch nicht nur, was den unbefangenen Umgang mit Wörtern und Reimen angeht, habe ich von ihm gelernt. Es gab nichts, was Rühmkorf nicht in Dichtung hätte verwandeln können.

Er brauchte keine großen Themen, um große Gedichte zu schreiben. Bei unserem letzten Glas Rotwein, nach einer Veranstaltung, es ging um Heine, erinnerte er mich noch einmal an „die Kunst zu schweben“. „Graziös in Lebensgefahr“, wie er in einem seiner berühmtesten Gedichte resümiert: Das war seine Haltung auf dem „Hochseil“. Seine Gedichte werden mich, werden seine Leser weiterhin vor dem Absturz bewahren.

Ulla Hahn, geboren 1946, veröffentlichte zuletzt den Erzählungsband „Liebesarten“ (2006).

Quelle: F.A.Z.
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