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Zum Tod von Nadine Gordimer : Sie war die Chronistin des Umbruchs in Südafrika

  • -Aktualisiert am

Nadine Gordimer, 1923 bis 2014 Bild: Frank Röth

Zart, elegant und voller Energie: Nadine Gordimer wandelte als Schriftstellerin stets auf schmalem Grat. Jetzt ist die erste südafrikanische Literatur-Nobelpreisträgerin gestorben.

          Als die Schwedische Akademie Nadine Gordimer 1991 als erste Südafrikanerin zur Literatur-Nobelpreisträgerin wählte, besuchte sie gerade ihren Sohn in New York. Amerikanische Journalisten umringten die zierliche Autorin wie einen Popstar. Berichterstatter aus ihrem Heimatland aber waren kaum interessiert an dem, was die Akademie als „großartiges episches Schreiben“ würdigte. Sie war beliebt, sie wurde verehrt, im Ausland als Symbol des schreibenden Widerstands gegen die Apartheid gesehen, aber in ihrer Heimat wurde sie missachtet. Dieser Zwiespalt ist nur einer der vielen Widersprüche im Leben von Nadine Gordimer, mit denen sie leben musste und konnte. Im Alter von neunzig Jahren ist die zarte, elegante und vor Energie sprühende Autorin von fünfzehn Romanen sowie zahllosen Kurzgeschichten und Essays am Sonntag in ihrem Haus in Johannisburg gestorben.

          Die Zahl ihrer Auszeichnungen, Preise und Ehrendoktorwürden ist immens. Geschrieben hat die Tochter eines aus Litauen eingewanderten Juweliers und einer englischen Mutter immer. Sie sei eine geborene Schriftstellerin und habe niemals etwas anderes sein wollen, hat sie bei Gelegenheit über sich gesagt. Ihre Mutter wollte die überbordende Fabulierlust steuern. Schon als Neunjährige veröffentlichte sie ihre ersten Geschichten in der Zeitung der Bergarbeiterstadt Springs bei Johannesburg. Sie schrieb, als andere spielten. Über drei Halbjahrhunderte hinweg veröffentlichte Nadine Gordimer ihre Werke, angefangen mit dem ersten Erzählband im Jahr 1949. Gerade erst 2013 erschienen auf Deutsch zwei Auswahlbände ihrer wichtigsten Essays, Reden, Erzählungen auf gut 1100 Seiten. In dreißig Sprachen übersetzt liegt das Werk der „Großen Dame der Literatur“ vor.

          Ein schmutziges Wort

          Was man im Ausland an ihr würdigte, brachte ihr im weißen Südafrika, und zuletzt auch im schwarzen, Unbehagen ein. Wie wenige andere Autoren galt Nadine Gordimer als „engagierte“ Autorin, die viele schwarze Autoren förderte. Früh schrieb sie in den Jahren der Apartheid gegen die Vorherrschaft und Arroganz der weißen Machthaber an. Ihr ging es um Lebenslügen und Sicherheitswahn, um die Einsamkeit der Exilanten. In den vergangenen fünfzehn, zwanzig Jahren wandte sie sich immer stärker auch gegen die neuen Strukturen - gegen Machtmissbrauch, Korruption und Vetternwirtschaft in ihrer Heimat, die Selbstsucht der neuen Elite. Als Mitglied des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC) stand sie hinter dessen Ideen und hoffte, dass dies eine „Zwischenzeit“ werde.

          Eine blühende neue Demokratie ohne Makel erlebte Nadine Gordimer nicht mehr. Die neue politische Korrektheit erschreckte sie. Sie kämpfte gegen Ansätze einer neuen Zensur. Fast schon symbolisch ist der Titel einer ihrer späten Erzählungen: „Es gibt keinen neuen Weg“. In Südafrika Schriftsteller zu sein, sagte sie einmal, sei ein Wandern auf schmalem Grat zwischen Überfülle und Verstummen als Künstler. Aber: Die Hoffnung habe sie in den Jahren der Apartheid bis 1990 nicht verloren, das tue sie auch danach nicht. Manchen waren ihre Romane zu moralisch-didaktisch oder gar zu gefällig. Andere verübelten ihr ihren aus ihrem Umfeld erklärbaren Satz von 1992, liberal sei ein schmutziges Wort - sie sei radikal, nicht liberal. Das hätte sie in ihren späten Jahren so vielleicht nicht wiederholt.

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