03.05.2007 · Die Buchpreisbindung im deutschsprachigen Teil der Schweiz ist von der Regierung gekippt worden. Jetzt richten sich offenbar schon viele Verlage und Buchhändler auf den Wettbewerb ein. Das könnte zu Preisermäßigungen führen.
Von Jürgen Dunsch, ZürichDie Buchpreisbindung im deutschsprachigen Teil der Schweiz ist von der Regierung gekippt worden. Jetzt richten sich offenbar schon zahlreiche Verlage und Buchhändler auf den neu entstehenden Wettbewerb ein. Zwar wird im Nationalrat, einer der beiden Kammern des Parlaments in Bern, an einem Gesetz gearbeitet, das die Preisbindung erhalten und sogar auf das ganze Land ausdehnen soll. Beobachter erwarten aber einen ersten Entwurf frühestens im August und das Inkrafttreten einer Neuregelung vielleicht in zwei Jahren. Bis dahin dürfte sich der Markt aber auf die neuen Gegebenheiten eingestellt haben.
Das Ende der Buchpreisbindung hatte im März 2005 die Wettbewerbskommission (Weko) eingeläutet. Sie verneinte einen Zusammenhang zwischen festen Buchpreisen einerseits und dem Bemühen um Titelvielfalt, Sortimentsbreite und Buchhandelsdichte andererseits. Ein Jahr später fällte das Bundesgericht dasselbe Urteil.
Das Preiskartell könne auch nicht ausnahmsweise durch den Verweis auf wirtschaftliche Effizienz gerechtfertigt werden, entschieden die Richter. Nunmehr sind die Befürworter der Buchpreisbindung bei der Regierung mit dem Antrag auf eine Art „Ministererlaubnis“ zur Sicherung „überwiegender öffentlicher Interessen“ ebenfalls gescheitert. Kulturpolitische Ziele müssten mit direkten Zuschüssen an Autoren und Bibliotheken gefördert werden, sagte Bundesrätin Doris Leuthard vor den Medien.
„Narrenschiff“ in Basel
Buchhändler- und Autorenverband in der Schweiz kritisierten gleichermaßen die Entscheidung. Die Buchpreisbindung garantiere den Autoren verlässliche Honorare, meint deren Verband. Auch der Börsenverein des Deutschen Buchhandels sprach von einem „falschen Signal“, bestreitet allerdings unmittelbare Auswirkungen auf die Buchpreisbindung in Deutschland und Österreich.
Große Schweizer Buchhändler wie Orell-Füssli und Thalia warten zunächst ab. Aber der deutsche Weltbild-Verlag mit eigenen Läden, der offiziell die Entscheidung bedauert, wie auch zum Beispiel Karger Libri in Basel kündigten schon Preisermäßigungen an. Auch kleine Händler reagieren. So sagt Kathrin Mattmüller vom „Narrenschiff“ in Basel, sie werde sich noch mehr auf Geistes- und Sozialwissenschaften konzentrieren und Dienstleistungen wie die Auslands- und Antiquariatsrecherche ausbauen.
Preisverdoppelung
Klaus Steffen (krs)
- 03.05.2007, 22:51 Uhr
endlich mehr markt
d. o. (rodeo)
- 04.05.2007, 00:43 Uhr
Jürgen Dunsch Jahrgang 1948, Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.
Jüngste Beiträge