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Sachbuch-Kritik : Sonst habt ihr keine Probleme?

Schwarz-weiß-Denken ist keine gute Methode, um von Frauen mit Kindern und von solchen ohne zu handeln: Eltern samt Nachwuchs im Gegenlicht. Bild: dpa

Alarmstufe Nachwuchs: Susanne Garsoffky und Britta Sembach wollen den Riss zwischen Eltern und Kinderlosen heilen. Aber ihr Plädoyer für eine neue Familienpolitik trägt nicht sehr weit.

          Zwei Frauen, vier Kinder, ein Thema: der Untergang der Familie. Die Autorinnen, beide Jahrgang 1968, sind freie Journalistinnen. Und sie sind wütend. Denn sie sind Mütter, jede von ihnen hat zwei Söhne. Die beiden Frauen gehören zu den „abgekämpften Familienarbeiterinnen“, die wissen, was es bedeutet, Kinder großzuziehen. Und jetzt schreiben sie, anstatt zu schreien. Sie glauben nämlich, dass es einen Grund gäbe, laut zu schreien. Die Kinder, die für das verantwortungslose Verhalten der Erwachsenen gar nichts können, „werden am Ende den Preis für alle heutigen Versäumnisse bezahlen“.

          Zutiefst beunruhigt zeigen sie sich von dem „tiefen Riss“, der sich durch unsere Gesellschaft ziehe – ein Riss zwischen Eltern und Kinderlosen. Höchste Zeit also, Brücken zu bauen, finden Susanne Garsoffky und Britta Sembach, für einen Paradigmenwechsel „zu einer vom Kind her gedachten Familienpolitik“. Sie sind überzeugt, dass dies auch Kinderlosen gerecht wird, schließlich gibt es ohne Kinder keine Zukunft.

          Keine Gemeinsamkeiten in beiden Welten?

          Von zwei getrennten Welten erzählen die beiden Mütter und beobachten – ganz unparteiisch – die Kinderlosen, die zum Beispiel „in einem kleinen kuscheligen Café zum Brunch mit Freunden“ sitzen, „Sonntags, so gegen zwei“. Mit dem Alltag der engagierten Mütter hat ein solches Leben wenig zu tun. Sie brunchen nicht, ist aus dieser Episode zu lernen, sondern haben einen höchst strapaziösen Alltag, etwa „im herbstlichen Sprühregen samstagmorgens um acht auf dem Fußballplatz zu stehen“.

          Keine der beiden Welten sei schlechter oder besser als die andere, beteuern die Autorinnen zwar, aber belegt ihre Gegenüberstellung das tatsächlich? Da gibt es auf der einen Seite „diejenigen, die Sorgeverpflichtungen haben, mit allen möglichen persönlichen Belohnungen, die daraus entstehen, aber eben auch allen ökonomischen Belastungen“. Das sind die Eltern. Auf der anderen Seite stehen „diejenigen, die diese Verpflichtungen nicht haben – mit allen ökonomischen Belohnungen, die sich daraus ergeben, aber auch allen möglichen persönlichen Belastungen“. Das sind die Kinderlosen.

          Pauschalisierungen ohne Ende

          Einer solchen Machart folgt das gesamte Buch. Die Autorinnen pauschalisieren, vereinfachen und folgen einem ideologisierten Schwarz-Weiß-Denken, das sämtliche Facetten jenseits ihrer Demarkationslinie außer Acht lässt und überhaupt erst den Riss produziert, den sie zu kitten vorgeben. Richtig: Kinder kosten Geld, für das die Eltern aufkommen müssen. Das bedeutet aber nicht, dass alle Kinderlosen automatisch wohlhabender sind. Was ist mit den Geringverdienern unter ihnen? Was ist mit jenen, die kinderlos Teilzeit arbeiten müssen (ein Modell, das nach Auffassung der Autorinnen alleiniges Schicksal von schuftenden Müttern ist), zum Beispiel weil sie keine andere Stelle bekommen? Was ist mit den Müttern, die ungewollt Kinder bekommen haben? Und woher nehmen die Autorinnen die Gewissheit, dass Kinderlosigkeit für die Betroffenen eine Belastung darstellt?

          Darauf finden sie eine Antwort in der Biologie. Sie kritisieren, dass „wir den Mann als Norm betrachten, wenn wir über Frauen und Beruf sprechen“. Die männliche Norm stehe für Wettbewerb und Konkurrenz, Härte und Durchsetzungsfähigkeit. Frauen hätten andere Präferenzen: „Ist es möglicherweise eine biologische Tatsache, dass Frauen sich gern kümmern?“ Daraus abzuleiten, dass sie sich auch kümmern müssen, sei zwar falsch, aber Frauen seien eben andere Dinge wichtig: „Sie entscheiden sich, wenn es drauf ankommt und sie die Möglichkeit dazu haben, oft eher für die Liebe statt für (mehr) Geld.“

          Wer will schon keine Kinder haben?

          Kinderlosigkeit stellt demnach eine Abweichung von der weiblichen Natur dar. Folgerichtig konzentrieren Garsoffky und Sembach sich auf die „ungewollt Kinderlosen“; dass Frauen freiwillig auf Kinder verzichten und damit glücklich sind, halten sie aber nicht für sehr wahrscheinlich. Damit nicht genug, suggerieren die Autorinnen, dass Frauen ohne Kinder grundsätzlich weniger Bereitschaft zeigten, sich um andere Menschen zu kümmern. Sie könnten und wollten zwar niemanden auffordern, Kinder zu bekommen, legen es aber implizit doch nahe.

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