http://www.faz.net/-gqz-8iwhu

Märchenforschung : Wer den Brüdern Grimm „Aschenputtel“ erzählt hat

  • Aktualisiert am

Gaben vom Baum am Grab der Mutter: 1917 veröffentlichter Scherenschnitt zu „Aschenputtel“ von Johanna Beckmann Bild: Picture-Alliance

Die Identität der Erzählerin von „Aschenputtel“ ist eines der großen Rätsel der Grimm-Forschung gewesen. Jetzt hat ein Forscher in Marburg es gelüftet. Dabei hatte Elisabeth Schellenberg den Brüdern das weltberühmte Märchen erst gar nicht erzählen wollen.

          Nach mehr als 200 Jahren wollen Forscher das Rätsel gelöst haben, wer den Brüdern Grimm das weltbekannte Märchen „Aschenputtel“ erzählt hat - es war eine alte Frau aus Marburg namens Elisabeth Schellenberg. „Die Frau ist die mündliche Quelle. Sie hat die Erzählung geprägt“, sagte an diesem Freitag Grimm-Forscher Holger Ehrhardt von der Universität Kassel. Er hatte den Namen herausgefunden.

          Ehrhardt war Hinweisen aus Briefen Wilhelm Grimms an seinen Bruder Jacob nachgegangen und hatte diese mit Tauf- und Sterberegistern Marburger Kirchen sowie Bewohnerlisten von Armenhospitälern verglichen. Schellenberg starb verarmt und kinderlos 1814. „Sie verbrachte ihre letzten Jahre im Siechenhaus St. Jost“, sagte Ehrhardt, der dazu das Buch „Die Marburger Märchenfrau“ herausgebracht hat.

          Wilhelm Grimm wollte sich 1810 von der damals 64 Jahre alten Frau in Marburg Märchen erzählen lassen, doch diese wies ihn ab. Erst durch einen Trick - er schickte eine Frau und deren Kinder zu Schellenberg - rückte sie ihre Märchen heraus und erzählte nicht nur „Aschenputtel“, sondern auch das weniger bekannte Märchen „Der goldene Vogel“. Von Schellenberg gibt es kein überliefertes Bild, ihr ehemaliges Wohnhaus steht aber noch heute. Die Namen anderer Quellen der Grimmschen Erzählungen sind seit langem bekannt.

          Wilhelm und Jacob Grimm lebten mit Unterbrechungen zwischen 1798 und 1841 in Kassel. Dort sammelten sie ihre Kinder- und Hausmärchen und begannen die Arbeit an ihrem Wörterbuch.

          Holger Ehrhardt bei der Präsentation seiner Forschung in Kassel

          Weitere Themen

          Sensationsfund in Ägypten Video-Seite öffnen

          Deutsch-ägyptisches Team : Sensationsfund in Ägypten

          Forscher aus Deutschland und Ägypten haben in der Nähe der Unas-Pyramide bislang unbekannte Grabkammern mit zahlreichen Mumien entdeckt, die 2500 Jahre alt sein sollen. Sie fanden auch kostbare Grabbeigaben, darunter eine gut erhaltene vergoldete Totenmaske aus Silber.

          Urteil nach einem Tag Video-Seite öffnen

          WM-Flitzerin : Urteil nach einem Tag

          Schon einen Tag nach dem WM-Finale fällte ein Moskauer Gericht das erste Urteil gegen eine der Frauen, die am Sonntag in Polizeiuniform über das Spielfeld geflitzt war.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.