http://www.faz.net/-gqz-rgsf

Walter Hinck : Vogelsprache: „Schulmeister Klopfstock“

  • Aktualisiert am

Der Vogelforscher gewinnt das Herz der Prinzessin Bild: AP

Pitschpatschs und Piffpaffs wunderbare Abenteuer: Clemens Brentanos „Märchen vom Schulmeister Klopfstock und seinen fünf Söhnen“ ist eine wahre Brutstätte von Märchen.

          In diesem Märchen schmort keine Hexe im Feuer, aber auch hier entgeht am Ende der Böse seiner Strafe nicht. Die Welt des Volksmärchens ist noch da und doch wieder auch nicht.

          Den Märchenwald erfüllt Musik. Ganze Sinfonien von Lautmalereien und Klangspielen rauschen vorüber; in den Namen werden die Eigenschaften der Personen hörbar. Der verarmte Schulmeister Klopfstock entläßt seine fünf Söhne in die Welt. Gripsgraps wird ein Dieb; Pitschpatsch wählt die Schiffahrt und rettet eine Meerjungfrau vor ihrem Feind, worauf sie ihn mit der Kunst des Schiffbaus beschenkt; Piffpaff zieht es zu den Schützen; Pinkepank lernt beim Apotheker, Heilkräuter mit dem Mörser zu zerkleinern und zu mischen. Nur Trilltrall drängt es in keinen gewinnbringenden und nützlichen Beruf. Er wird Gehilfe eines Vogelsprachforschers; ihm ist schon, wie Goethes „Sänger“, das Lied selbst „Lohn, der reichlich lohnet“.

          Wunderbare Abenteuer

          Aber in den Adern aller Söhne fließt das Blut der Poesie. Alle sind Erzähler eigener wunderbarer Abenteuer. Eine wahre Brutstätte von Märchen ist dieses Märchen Brentanos. Noch hat sich die Sprache nicht babylonisch verwirrt, alle Lebewesen sprechen dieselbe Muttersprache der Natur. Schließlich eilen Klopfstock und seine Söhne der allerschönsten Prinzessin Pimperlein, der Tochter des Königs Pumpen von Glockotonia, zur Hilfe, die vom Nachtwächterkönig Knarratschki auf einen Felsen entführt worden ist.

          Und keinen der braven und tüchtigen Brüder erwählt sich die Prinzessin, sondern Trilltrall, den Experten des Gesangs. Alles ist mit einer sich selbst belächelnden Naivität und mit bezaubernder Lockerheit erzählt. Luftige Verseinlagen lassen schon Heinesche Saloppheit ahnen. Märchenfäden flattern umher, die Büchner in seinem Lustspiel „Leonce und Lena“ auffangen wird.

          Clemens Brentanos Märchen sind in der bei Hanser erschienenen vierbändigen Werkausgabe zu finden, die 154 Euro kostet.

          Quelle: F.A.Z., 09.12.2005, Nr. 287 / Seite 36

          Weitere Themen

          Im Gedenken an Malcolm Young Video-Seite öffnen

          AC/DC : Im Gedenken an Malcolm Young

          Hardrock-Klassiker wie „Highway to Hell“ wären ohne ihn undenkbar gewesen: Der Songwriter und ehemalige Gitarrist der Band AC/DC starb im Alter von 64 Jahren.

          Topmeldungen

          Zähe Sondierungsgespräche : Das Luxusproblem von Jamaika

          Die Wirtschaft boomt. Auf dem Arbeitsmarkt läuft es rund. Flüchtlingszahlen wie vor zwei Jahren sind weit und breit nicht in Sicht. Wieso bloß, liebe Jamaika-Unterhändler, braucht es da endlos lange, zähe Sondierungsgespräche?
          Neue Verbindung: Russland baut eine Brücke über die Straße von Kertsch.

          Krim-Annexion : Abgerissene Verbindungen

          Die Krim-Bewohner und wie sie die Welt sehen – drei Jahre nach der russischen Annexion. Würden die Bewohner wieder für einen Anschluss an Russland stimmen?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.