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Verlegerinnen Liebe, Tod und Miteinander

12.07.2005 ·  Schöne Stimmungsgemeinschaft: Elisabeth Raabe und Regina Vitali steuern den Hamburger Arche Verlag entlang der großen Themen durch alle Stürme der Verlagswelten.

Von Eberhard Rathgeb
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Seit mehr als zwanzig Jahren arbeiten die beiden Frauen nun zusammen, und sie machen einen zufriedenen Eindruck. Für die beiden gilt: Die Profession reitet auf dem Steckenpferd.

Die Luft ist sanft, und Wolken des Wohlwollens treiben durch die Verlagsräume, die Blumen nicken freundlich mit ihren Köpfen, und in den Bücherregalen ringsumher würden Schwalben ihre Nester bauen, weil aus diesen schönen Büchern die ferne Stille der Dichter spricht. Nur dann, wenn irgendwo auf diesen mit Geduld und Gemüt bestellten Feldern der kleinen Bücher ein Druckfehler auftaucht und einen maulwurfgroßen Schatten in den sonnigen Nachmittag der Literatur wirft, mag es ein kleines Donnerwetter in diesen Räumen geben.

Eine Liebe in Paris

Ist das nicht ein schönes Bild, sagt Elisabeth Raabe und schaut auf die niederländische Ausgabe des Romans „Eine Liebe in Paris“ von Remco Campert, dessen deutsche Übersetzung in diesem August im Arche Verlag erscheinen wird. Dann nimmt sie sich die Zeit für das Buch und sein Bild und erzählt, wie sie im eigenen Fotoarchiv im Stockwerk obendrüber gesucht und gestöbert hat, bis sie ein Bild fand, das nun die deutsche Aufgabe ziert und das auch sehr schön ist und in dem auch viel Stimmung drinsteckt.

Wir denken in diesem Moment an den Schweizer Schriftsteller Peter Stamm, in dessen wenigen Sätzen auch immer viel Stimmung drinsteckt, und freuen uns, daß die beiden, Peter Stamm und Elisabeth Raabe, der Schriftsteller und die Verlegerin, zu einer Stimmungsgemeinschaft zusammengefunden haben und Peter Stamm seine Bücher im Arche Verlag veröffentlicht. An einer Wand in den Verlagsräumen in Hamburg hängen alle „Arche Literatur Kalender“, so wie in Tausenden von Küchen, Schlaf- und Wohnzimmern, die ganz sicher vor allem von Frauen bewohnt werden, „Arche Literatur Kalender“ hängen und die Bewohner daran erinnern, daß sich das Leben doch poetisch aus den Fluten des Alltags erheben lasse.

Dürrenmatt, Benn und Pound

Elisabeth Raabe und Regina Vitali haben den Arche Verlag 1983 gekauft. Sie haben den Verlag nicht gegründet. Das hat ein anderer gemacht, der Jurastudent Peter Schifferli, und zwar im Jahr 1944. Er starb 1982. Sein Verlag war in diesen vierzig Jahren berühmt geworden. Dürrenmatt gehörte zu den Autoren der Arche, in der sich Expressionisten und Dadaisten, Benn und Pound einfanden.

Elisabeth Raabe und Regina Vitali hatten sich 1982 auf einer Kinder- und Jugendbuch-Messe in Bologna kennengelernt. Regina Vitali, eine Architektin, die aber nicht als Architektin arbeiten wollte, hatte 1969, als die Aufbruchsstimmung auch in manchen Ecken der Schweiz durch die Straßen fegte, zusammen mit ihrem Mann, einem Arzt, der aber nicht als Arzt arbeiten wollte, eine Buchhandlung für Kinder- und Jugendbücher und für Pädagogik und Sonderpädagogik gegründet. Elisabeth Raabe hatte Germanistik und Geschichte studiert und war Lektorin für Kinder- und Jugendbücher geworden, erst in Hamburg, darauf in Ravensburg beim Otto Müller Verlag.

Erst einmal aufgeräumt

Die berühmte Züricher Literaturagentur Liebmann brachte die beiden Frauen mit den Erben Peter Schifferlis zusammen. Die beiden Frauen bekamen den Zuschlag und standen nun Rechten, Unmengen von Rohbögen und Massen von eingelagerten Büchern gegenüber. „Wir haben, wie Frauen so sind“, sagt Elisabeth Raabe, „erst einmal aufgeräumt.“

Sie teilten sich die Aufgaben, und bei dieser Aufgabenteilung ist es geblieben: Regina Vitali, die auch das Geld für das ganze Unternehmen mitbrachte, ist zuständig für die Herstellung, den Vertrieb und alles Geschäftliche, Elisabeth Raabe kümmert sich um das Programm, die Werbung, die Presse und die Rechte. Für die Gestaltung gewannen die beiden Frauen den Frankfurter Graphiker Max Bartholl, und Bartholl hat - Elisabeth Raabe eilt nun zur Bücherwand und holt Stöße von Büchern heraus und stapelt sie als Beweisturm auf den Tisch - die alten Titel in neue Gewänder gesteckt und den neuen Titeln einen einprägsamen Auftritt ermöglicht.

Eintausendzweihundert Rechte

Die beiden Frauen blieben mit dem kleinen Verlag, der über eintausendzweihundert Rechte verfügte - darunter die Rechte für den „Kleinen Prinzen“ für die Schweiz und für Österreich -, in Zürich und richteten sich in einer Wohnung gegenüber dem berühmten Restaurant „Kronenhalle“ ein. Die Lage war gut gewählt. Denn in die „Kronenhalle“ sind die beiden Frauen von den Taschenbuchverlegern eingeladen wurden, die in Zürich sofort nach der Übernahme auftauchten, um mit den Verlegerinnen über Taschenbuchrechte zu verhandeln.

Elisabeth Raabe und Regina Vitali wollten keinen Frauenverlag machen - das hätte bedeutet, mit der Tradition des Verlages zu brechen -, sondern sie wollten das literarisch ambitionierte Programm pflegen, und zwar entlang der großen Themen: Liebe, Tod und Miteinander. Und als sie das gesagt hatte: Liebe, Tod und Miteinander, da schaukelten die Kalender des poetischen Lebens ein wenig vor lauter Zustimmung.

Im Wind der Außenalster

Seit 1994 ist der Arche Verlag in Hamburg, sein Domizil ist seit zwei Jahren ein Altbau im Wind der Außenalster. Der Verlag ist klein, eine Handvoll Mitarbeiter, das Programm kommt jetzt im Halbjahr mit fünf bis zehn Titeln aus, früher waren es mehr. 1987 kauften die beiden Frauen den Luchterhand Verlag, den sie sieben Jahre später wieder verkauften - es klappte nicht alles so, wie sie es sich vorgestellt hatten, und die beiden Frauen zogen sich auf die Arche zurück.

Dort entstand damals, nach diesem Ausflug in die größere Verlagswelt, prompt der „Arche Literatur Kalender“, das Monatsalbum der poetischen Stimmungen, das immer unter einem bestimmten, sich durch das Jahr hinziehenden Thema steht. Diesem Kalender sind mit unterschiedlichem Erfolg der „Literarische Arche Postkarten Kalender“, der „Musik Kalender“ und der „Arche Küchen Kalender“ gefolgt. Auf diesen Schwingen schwebt die Arche-Stimmung nicht nur dieser beiden Frauen durchs Land.

Quelle: F.A.Z., 12.07.2005, Nr. 159 / Seite 35
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