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Verleger Stefan Lübbe ist tot : Eine Säule der Unterhaltung

Stefan Lübbe mit Ehefrau Birgit anlässlich des Börsengangs des Verlags Bastei Lübbe im Oktober 2013 vor der Frankfurter Börse Bild: dpa

Dan Brown und Ken Follett sind seine Auflagenkönige, aber in Sachen Unterhaltungsliteratur war er auch noch mit anderen Wassern gewaschen: Der Kölner Verleger Stefan Lübbe ist überraschend im Alter von 57 Jahren gestorben.

          Er war der Typ, der wusste wie Unterhaltung geht. Der ein Millionenheer von Lesern eroberte und bei der Stange hielt, mit internationalen Bestseller-Autoren wie Dan Brown („Inferno“), Ken Follett („Die Kinder der Freiheit“) und Jeff Kinney ( „Gregs Tagebuch“). Auch seine deutschen Zugpferde Sebastian Fitzek und Andreas Eschbach pflegte er als Verleger  persönlich. Aber einen Autor hat er falsch eingeschätzt und nicht eingekauft, der gut in sein Programm gepasst hätte: Frank Schätzing, der heute beim Kölner Nachbarn Kiepenheuer & Witsch Verkaufstriumphe feiert.

          Hannes Hintermeier

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Neue Sachbücher“.

          Die Unterscheidung E und U war nicht etwas, worauf Stefan Lübbe endlose Gedanken verschwendet hat. Dass es im Unterhaltungsgewerbe anders zugeht als bei den Kollegen von den Nobelpreisträgerverlagen, hat ihn gewiss nicht gewundert; geärgert hat es ihn aber doch, wenn immer noch von Lübbe als dem Groschenromanverlag geredet wurde – nur weil sein Vater, der den Verlag 1953 gründete, einst mit Jerry-Cotton-Heften und Artverwandtem erfolgreich war.

          Die Heftchen-Romane von Bastei-Lübbe etablierten einen eigenen Markt, das Familienunternehmen verdiente prächtig. Auch mit Frauenzeitschriften wie „Das goldene Blatt“, das von 1971 bis 2003  von Lübbe herausgegeben wurde, war man im Massenmarkt erfolgreich. Das waren die Jahrzehnte, in denen der Vater das Sagen hatte in Bergisch-Gladbach. In einer Firmenzentrale mit niedrigen Decken und dem verblassten Charme der siebziger Jahre.

          Börsengang und Stellenabbau

          Stefan Lübbe aber hatte nicht im Sinn, stehenzubleiben. Er wickelte die eigene Auslieferung ab, übersiedelte den Verlag vom betulichen Bergisch-Gladbach ins angesagte Kölner Schanzenviertel und schob das Unternehmen mit einem Börsengang entschieden in Richtung multimediale Zukunft. Ein Kulturbruch, der ihm – laut „Handelsblatt“ - den Spitznamen „Rambo“ eintrug, und der, befeuert von externen Managern, einen erheblichen Stellenabbau zu Folge hatte.

          Dabei pflegte er den Stil des bulligen Machers, der seinen mächtigen Vater überstanden hatte, um dann durch jahrelange Querelen mit seiner Schwester aufzufallen – bis ihm der Verlag 2007 endlich allein gehörte.

          Vorbereitung als Autohändler in Texas

          Legendär in der Buchbranche ist auch Lübbes Vergangenheit als Autohändler in Texas, wo er 1986 in Fort Worth einen MBA machte, um sich fürs Buchgewerbe zu stählen. Das operative Geschäft gab Lübbe 2013 in die Hände einer externen Geschäftsführung. Die war zuletzt erfolgreich, der Umsatz lag im letzten Geschäftsjahr bei 107,5 Millionen Euro, die Aktionäre bekamen eine Dividende von 28 Cent. Heute gehören zu den diversen Unternehmen der Lübbe-Gruppe auch Spiele und Geschenkartikel. Und gemeinsam mit dem chinesischen App-Vertrieb Kii sollen Stoffe entwickelt werden, die die junge Kundschaft ausschließlich auf Smartphones, Tablets und E-Book-Readern liest.

          Eine mäzenatische Seite hatte Lübbe auch, der in einem Interview damit kokettierte, er sei nun in einem Alter angelangt, „in dem Männer drollig werden“. In der Stiftung seiner Mutter, der Ursula-Lübbe-Stiftung, engagierte er sich für die Förderung des lesenden Nachwuchses. Die Stiftung unterstützt auch das jährlich stattfindende „Festspiel der deutschen Sprache“ im Goethe-Theater zu Bad Lauchstädt. Dort werden Autoren gefeiert, die bei Lübbe nicht im Programm sind - Goethe, Lessing und andere Klassiker.

          Solitär in der Verlagslandschaft

          Lübbe galt als Technik-Freak und als Fan schneller Autos, Berührungsängste mit Innovation wurden ihm nie nachgesagt. Vielleicht ist er deshalb ein Solitär in der deutschen Verlagslandschaft gewesen: Am Montag ist Stefan Lübbe überraschend im Alter von siebenundfünfzig Jahren in Südfrankreich gestorben. Er hinterlässt Frau und Tochter; seine Frau Birgit Lübbe wird sein verlegerisches Erbe antreten.

          Quelle: F.A.Z.

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