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Verlage : Suhrkamp auf hoher See

Wird bisher von einer juristischen Konstruktion Siegfried Unselds geschützt: Ulla Berkewicz Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Die Verhältnisse sind zerrüttet, die Lage ist unübersichtlich - das ist der aktuelle Stand der Dinge bei Suhrkamp. Eine Auseinandersetzung der Eigentümer vor Gericht scheint unausweichlich. Die Folgen für den Verlag dürften verheerend sein.

          „Wann lernt ein Mann seine Frau kennen?“ fragt Andreas Reinhart und gibt die Antwort selbst: „Bei der Scheidung. Das ist bei Firmentrennungen nicht anders. Ich habe Ulla Unseld-Berkéwicz, die ich gut zu kennen glaubte, erst jetzt richtig kennengelernt. Umgekehrt gilt das natürlich auch. Sie hat mich auch erst jetzt kennengelernt.“

          Hubert Spiegel

          Redakteur im Feuilleton.

          Die Phase gegenseitigen Kennenlernens im Hause Suhrkamp ist in den letzten Wochen recht unromantisch verlaufen: Reinhart erklärt nach mehr als fünfzig Jahren die Zusammenarbeit zwischen seiner Familie und Suhrkamp für beendet und präsentiert zwei Hamburger Geschäftsleute als Mitgesellschafter der neugegründeten Medienholding, der er seine Suhrkamp-Anteile übertragen hat. Claus Grossner und Hans Barlach treten naßforsch als neue Mitgesellschafter von Suhrkamp auf und schreiben sich Rettung und Erneuerung des Verlags auf die Fahnen. Gleichzeitig erwecken sie den Eindruck, Ulla Unseld-Berkéwicz sei ihrer Aufgabe als Verlegerin nicht gewachsen, und werfen ihr Unregelmäßigkeiten in finanziellen Fragen vor. Dieser Vorwurf wird umgehend relativiert. Fortan ist nur noch von „strukturellen Verwerfungen“ die Rede.

          Das Ende der Suhrkamp-Kultur?

          Suhrkamp reagiert auf all das mit Gesprächsverweigerung, kündigt juristische Schritte an und erklärt, eine gerichtliche Prüfung werde erweisen, daß Reinharts Transaktion unzulässig sei. Gleichzeitig springen verschiedene Suhrkamp-Autoren der Verlegerin bei und verurteilen den „Putschversuch“ aus Hamburg. Handke und Sloterdijk erklären in Nebensätzen die Suhrkamp-Kultur für beendet - einer der bedrohlich anwachsenden Kollateralschäden der Affäre.

          Und das ist der aktuelle Stand der Dinge: die Verhältnisse zerrüttet, die Lage unübersichtlich. Die Auseinandersetzung vor Gericht scheint unausweichlich. Aber wie könnte diese Auseinandersetzung eigentlich aussehen? Wie könnte die Klage lauten, und wo würde sie vorgebracht, in Deutschland oder in der Schweiz?

          Korn von morgen zum Preis von heute

          In seiner ersten öffentlichen Äußerung zum Streit hat Andreas Reinhart der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gegenüber erklärt, das Verhältnis zwischen ihm und Suhrkamp sei zerstört, er wolle mit dem Verlag nichts mehr zu tun haben und habe deshalb eine neue Holding gegründet (siehe auch Der Bruch im Suhrkamp Verlag). Das hätte er auch einfacher haben können: Reinhart hätte nur die Put-Option ausüben müssen, von der in den letzten Wochen so oft die Rede war. Aber was ist das eigentlich, die ominöse Put-Option?

          Als Siegfried Unseld und Andreas Reinhart 1999 den zum Suhrkamp-Imperium gehörenden Nomos Verlag verkauften, erwarb Unseld von Reinhart nicht nur 21 Prozent der Suhrkamp-Anteile, sondern vereinbarte auch eine Put-Option auf die restlichen 29 Prozent. Diese Vereinbarung gab Reinhart das einseitige Recht, seine Anteile innerhalb eines festgelegten Zeitraums für eine festgelegte Summe an Unseld, und zwar nur an Unseld, zu verkaufen. Im Gegenzug verpflichtete sich Unseld, Reinharts Anteile für diese bestimmte Summe zu übernehmen. Für den Inhaber ist die Put-Opion nicht zwingend: Er kann sie ausüben, muß das aber nicht tun. Die Gegenseite hingegen ist gebunden: Erfolgt der Put, dann muß sie kaufen, ob sie will oder nicht.

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