14.05.2012 · Wenn das Urheberrecht fällt, sind nicht nur Schriftsteller betroffen, sondern auch Lektoren, Übersetzer und Redakteure. Ein Protestruf der Schriftstellerin Sibylle Lewitscharoff.
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zu eng gedacht: lieber inkl. Bedingungsloses Grundeinkommen für alle
...einschließen beim Weiterdenken. Urheberrechtsschutz So isoliert
gedacht wie bisher kann man natürlich nur den Status quo
verteidigen wollen.
Aber m i t dem BGK (staffelweise eingeführt z.B.) fiele schon mal
die Hungerangst weg (die ich ansonsten unbedingt teile wos um nicht
mainstreamige Kulturproduktion geht) und auch die
Produktionsverhinderung durch Nebenjobterror,der ohnehin nur 20-40%
eignes Arbeiten erlaubt, wenns sehr gut läuft..
In Bibliotheken kommt auch nur Stadtbevölkerung und solche die Geld
für (viele) Fernleihen haben bzw. gesund genug sind, um die Wohnung
zu verlassen.
Und was machen die komplexen schönen Arbeiten in allen Medien mit
"Found Footage", die es seit den 60ern gibt? Vor dem Kadi??
Etc.
Also weiter denken, nicht enger! :)
Ertrinken im Meer der Fantasielosigkeit
Was mich erschüttert ist nicht, dass Sibylle Lewitscharoff eine andere Meinung hat als ich. Was mir wirklich weh tut ist die Fantasielosigkeit und Eingleisigkeit des Denkens, das diese Debatte beherrscht. Wenn man eine Kartoffel klaut, Frau Lewitscharoff, dann ist sie weg. Wenn man ein Buch liest, dann ist es anschließend immer noch da. Es gibt einen Unterschied zwischen Diebstahl und freiem Zugang zu Kultur. Aber man muß dem eigenen Geist erlauben, darüber wenigsten nachzudenken und nicht nur Eigentum zu reklamieren. Wofür viele Autoren im Moment bezahlt werden ist nicht mehr ihre kreative Arbeit, sondern die Strategie der Wertsteigerung durch künstliche Verknappung. Das ist frühkapitalistisch und primitiv. Ich habe Angst nach dieser Debatte keine Lust mehr auf Lesen zu haben, weil ich den Respekt vor Autoren völlig verliere, die ein solches "Geschäftsmodell Literatur" auch noch leidenschaftlich verteidigen. Und ich, Frau Lewitscharoff, habe den Bus und das Buch immer bezahlt.
Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 17.05.2012 11:36 UhrKünstliche Verknappung?
"Wofür viele Autoren im Moment bezahlt werden ist nicht mehr
ihre kreative Arbeit, sondern die Strategie der Wertsteigerung durch
künstliche Verknappung."
Darf ich Sie aus ehrlichem Interesse und völlig ohne Ironie fragen,
was Sie konkret zu dieser Annahme bringt? Ich kann einfach die Logik
hinter dieser immer wieder auftauchenden Aussage nicht nachvollziehen,
sofern man nicht einfach nur eine "Kostenlos"-Mentalität
unterstellen will.
Besteht Ihrer Ansicht nach die "künstliche Verknappung"
darin, dass Sie als Kunde das Werk eines Anderen ohne dessen Erlaubnis
nicht nach eigenem Ermessen beliebig vervielfältigen dürfen?
Dadurch findet aber doch keine Verknappung statt. Jeder Kaufwillige kann
die entsprechenden Bücher, Filme und Musik erwerben. Es gibt so
viele legale Möglichkeiten an Literatur zu gelangen, viele sogar
kostenlos. Wo wird Ihnen Literatur aus Gewinnsucht künstlich
vorenthalten? Und wie sieht Ihr Gegenentwurf zum
"Geschäftsmodell Literatur" konkret aus?
Kein Mensch wird ein Produkt erwerben, das parallel legal kostenfrei zu erhalten ist
Blödsinn-da muss ich Herrn Schlegel zustimmen. Ich kaufe Filme,
Serien, Bücher etc. gerne in den USA, da nicht synchronisierte
Originale am besten sind und es mehr Auswahl zugleich früher gibt.
Allerdings bin ich den letzten Jahren selektiver geworden, da durch die
Globalisierung das Angebot sehr groß geworden ist, aber sich
anstatt der Preise nur die Qualität angepasst hat - nach unten.
Ich kaufe u.a. Spiele für etwa 80 Eur (doppelt so teuer wie im
Schnitt), die aber soviel Mehrwert bieten, dass ich mit dreien meine
"Zuhause-Freizeit" auf 5 Jahre ausgeschöpft habe. Diese
kaufe ich bequem direkt im Netz, d.h. der Produzent profitiert direkt.
Es sind komplexe Nichenprodukte, aber sehr hochwertig, sodass ich diese
fördern möchte. Sie verzichten auf Kopierschutz und lassen
sich Account-frei verleihen, verschenken oder wiederverkaufen. Es muss
nunmal gut sein, bequem zu einem fairen Preis zu erstehen, und dem
Kunden einen Mehrwert bieten.
Denken Sie mal nach, von wem Autoren abhängen..
Ich sehe keinen Widerspruch zu meiner Aussage
Ich kann nicht genau erkennen, wo Sie meiner Aussage jetzt
widersprechen, da Sie ja für die Spiele bezahlen.
Ich nehme eher an, dass auch Sie nicht der Ansicht sind, den Entwicklern
dieser Spiele etwas Gutes zu tun, wenn Sie nun die von Ihnen einmal
bezahlten Spiele auf eine Filesharing-Plattform hochladen und auf diese
Weise aus eigenem Ermessen zu Freeware machen würden.
Würde dies aber nun tatsächlich per Gesetz legalisiert,
ergäbe das Kaufen der Spiele doch keinen Sinn mehr und die Mehrheit
würde es mit Sicherheit auch nicht tun. Gewiss mag es auch dann
noch Menschen geben, die die Entwickler finanziell unterstützen
würden, aber kein beruflicher Urheber kann es sich leisten, sich
vom Gnadenbrot einiger Anständiger abhängig zu machen. Darauf
kann man keine Existenz aufbauen.
"Schreiben im Grunde nicht viel mehr als ein fortlaufendes Plagiat"
Ist natürlich vollkommener Blödsinn, das wäre so als
würden die gleichen Leute behaupten, dass Ingenieure nichts mehr
verdienen dürfen, weil deren Formeln von anderen erdacht wurden,
ebenso wie das bei den Konstruktionsrichtlinien meist der Fall ist.
Diejenigen die so etwas fordern begreifen es aufgrund akuter
Horizontenge nicht, dass die Gesellschaft dann in Kürze zum Museum
wird.
"Wurde das und das vom Nietzsche schon verstanden?"
"Ja, vor gut 100 Jahren..."
Oder "Hurra, gestern las ich die "Buddenbrooks" zu Ende,
jetzt bin ich literarisch voll auf der Höhe der Zeit...". Ist
zwar ein lausiges, von Respektlosigkeit und begrenztem Verständnis
geprägtes Buch, aber dafür bekannt.
Aber damit:
"Eine Generation, die durch das haltlose Internetgequassel
groß geworden ist und wirkliche Qualitätsunterschiede kaum
kennt, stellt sich offenbar vor, es komme nur darauf an, das Zeug
irgendwie hinzuschreiben und ins Netz zu stellen. Fertig."
bringen Sie jeden gegen sich auf, überaus bitter!
@Kein Mensch wird ein Produkt erwerben, das parallel legal kostenfrei zu erhalten ist
Hallo Herr Krause! Sie schreiben: "Kein Mensch wird ein Produkt
erwerben, das parallel legal kostenfrei zu erhalten ist." Da hilft
ein Blick über den Gartenzaun zur Softwareindustrie. Zum Beispiel
Oracle: auf der Webseite können sie die Datenbankserver mit einer
Entwicklerlizenz frei downloaden. Nach Ihrer Theorie ist das
wirtschaftlicher Selbstmord. Die Praxis aber zeigt: Oracle ist dank
seiner Database-Division eines der mächtigsten und am besten
verdienenden IT-Unternehmen der Welt. Selbst Microsoft unterstützt
mittlerweile die Entwicklung von Linux (kostenfrei und Opensource). Vor
10 Jahren hatte das Unternehmen wegen Linux noch den Untergang des
westlichen Wirtschaftssystems ausgerufen. Heute leben beide in
lukrativer Koexistenz. Schaun Sie mal, was dort lernen können.
Zum Piraten-Zitat: da fehlt noch die Quellenangabe (gehört einfach
zumguten Ton).
Ganz unformell: +1
Ich kann Ihnen nur zustimmen. Über die Zeit werden sich mit
Sicherheit weitere Geschäftsmodelle im Bereich des Medienkonsums
entwickeln und das ist letztlich nur zu begrüßen. Aufgrund
der Vielfalt im Medienbereich werden sich wahrscheinlich sogar viel
schneller individuelle Lösungen finden, als dass es ein alle
Bedürfnisse und Erwartungen abdeckendes übergreifendes Recht
geben wird.
Lösungen, die zu Lasten einer Seite gehen, werden sich aber nicht
durchsetzen. Weder werden Berufsurheber auf die Bezahlung ihrer Werke
verzichten können noch werden Konsumenten für jedwede
Verwendung zur Kasse gebeten werden können. Urheber wie Konsumenten
werden immer auf einander angewiesen sein und daher gerechtfertigte
Bedürfnisse des Anderen respektieren müssen. Weder allgemeine
Zugänglichkeit noch totale Kontrolle werden funktionieren.
Wsa man von der Softwareindustrie lernen kann
Ich gebe Ihnen völlig recht, dass es keinen Sinn macht, die
Geschäftsmodelle der Softwareindustrie zu übernehmen. Aber die
Geschichte zeigt auch, dass nicht die befürchteten Horrorszenarien
wahr geworden sind. Vielmehr hat sich ein modus vivendi gefunden, der
beiden Seiten nützt, und es beweist, dass beide Modelle
nebeneinander existieren können. Nicht selten sogar in ein- und
demselben Unternehmen.
Was kann man daraus lernen? Dass ein Konsens möglich ist, auch wenn
er im anfänglichen Schwarz-Weiß-Denken unmöglich schien
und dass die Ängste vor der Zukunft meist völlig
überzogen sind. Beide Seiten sollten daran arbeiten, ihr kreatives
Potential für eine Lösung zu aktivieren, anstatt es wie jetzt
zur Zerstörung des "Gegners" einzusetzen.
Gut wäre es, wenn alle, die was zu sagen haben und vor allem
zuhören können, sich zusammenraufen und offen miteinander
reden.
Zweifelhaft
Meine erste Antwort mit Link scheint nicht durchgekommen zu sein, daher
ein weiterer Versuch: Schauen Sie auf der Website der PP unter dem
Stichwort "Urheberrecht".
Ich glaube, dass sich Geschäftsmodelle aus dem Softwarebereich nur
schlecht auf andere Märkte übertragen lassen. Ein Modell
über kostenpflichtigen Service wird bei Musik und Büchern kaum
funktionieren können.
Ich bestreite im Übrigen nicht, dass kostenfrei und -pflichtige
Werke koexistieren können, nur halt nicht bei ein und demselben Produkt.
Sofern also ein Produkt in identischer Form legal auf beide Arten
erhältlich ist, wird mit großer Sicherheit die Mehrheit zur
kostenlosen Version greifen.
Und da die meisten Bücher und Filme - möglicherweise auch
Musik - nur einmal konsumiert werden, wird es i.d.R. keinen weiteren
bezahlten Erwerb des selben Produktes von den jeweiligen Konsumenten
geben. Ausnahmen mögen die Regel bestätigen . Aber auf den
Einnahmen von diesen Wenigen kann kein Urheber eine Existenz aufbauen.
Die Infos aus meinem Beitrag kann man nachlesen in Eckhard Höffners komparativen Untersuchung Geschichte und Wesen des Urheberrechts. Die Ergebnisse sind recht eindeutig und ich muss mich wirklich wundern, 1. das Frau Lewitscharoff sich nicht schämt sich so völlig uninformiert selbstschädigendem Verhalten hinzugeben und 2. das die FAZ ihr zu diesem Seriösitäts-Harakiri auch noch das nötige Forum liefert.
Bevor ich jetzt altbekanntes wiederhole nur soviel: ausgerechnet der
Büchermarkt bietet eines der wenigen historischen Beispiele an
denen man die Wirkungen des Urheberrechts beobachten kann. In
Deutschland wurde nämlich ein Copyright für den Inhalt von
Büchern erst spät installiert. Anders in England dort hatte
man bereits 150 Jahre zuvor das Copyright eingeführt.
Vergleicht man jetzt diese beiden Märkte zeigt sich erstaunliches.
Zum einen war das Durchschnittseinkommen von in der Buchindustrie
Beschäftigten in Deutschland dreimal so hoch wie in England da die
Verlage ja gezwungen waren ständig neue Bücher zu drucken(
Ausnahme Star-Autoren diese verdienten in England horrende Summen
wärend der Lektor darbte ) zum anderen wurden in den ersten hundert
Jahren nach Einführung des Copyrights in England 100 mal!!! weniger
Bücher veröffentlicht als in Deutschland im gleichen Zeitraum.
( Vergleichsjahre 1710 -1810)
U better start swimming or u sink like a stone.
Im 19. Jahrhundert gab es ja auch keine nennenswerte Literatur in Deutschland
Im 19. Jahrhundert gab es in Deutschland ja auch gar keine guten Schriftsteller. Jedenfalls nicht so gute wie heute. Räusper.
Was Frau Lewitscharoff auch völlig außer acht lässt: Die bösen Klaukids haben nur ein begrenztes Taschengeld. Dafür kaufen die viel lieber "Angry Birds" oder was gerade angesagt ist. Viele Stunden Spielespaß für 79 Cent. Die haben gar keine Zeit mehr für Literatur und interessieren sich auch gar nicht mehr für "Grauwerte"! Und: Kindle bietet Zigtausende Ebooks in englischer Sprache zu äußerst konkurrenzfähigen Preisen. Umgekehrt spielen auf dem globalen Markt deutschsprachige Werke eigentlich gar keine Rolle. Als deutschsprachiger Urheber würde ich mal einen Englischkurs besuchen und mich fit für den internationalen Markt machen. Das ist übrigens nicht so schwer wie es klingt und öffnet die Türen zu einem Markt mit Milliarden von potentiellen Kunden, die man noch vor wenigen Jahren nicht so einfach erreichen konnte! Just my 2 cents!
Friede für Google, Krieg den Schulkindern?
Noch mal zur Erinnerung: Google hat im letzen Jahrzehnt hunderttausend
urheberrechtlich geschützte Titel kopiert und online ins Netz
gestellt. Zwar immer nur mit Auslassungen, aber doch so, dass man den
größeren Teil des Buches schon mal lesen kann.
.
Und dagegen war wirksame Gegenwehr scheinbar nicht möglich, was?
Google hat offenbar die mächtigere Lobby und die besseren
Anwälte. Und nie, nie niemals würde Frau Lewitscharoff
GoogleBooks benützen. Ihr Gewissen erlaubt es nicht.
.
Ihre Ohnmacht gegenüber dem neuen Feudalherrn Google kompensieren
die Urheber jetzt, indem sie sich in Wut über ein Feindbild
hineinsteigern, das sie sich selber erst ausgedacht haben: Die
"Generation gratis", die angeblich "alles umsonst haben
will" und noch nie im Leben GEZ, Eintritt fürs Kino oder
normal für eine CD bezahlt hat.
.
Wo kommen wir dahin, wenn die Kids auch noch ihre Handy-Klingeltöne
umsonst haben wollen.
Fragen Sie doch mal die Verleger, warum sie Texte über den Kindle vertreiben...
Das habe ich noch nicht oft gesehen: Dass jemand einen Bestseller am
Bildschirm liest oder als DIN A-4 Ausdruck. Sie vielleicht, Frau
Lewitscharow? Das kenne ich so nur von wissenschaftlicher Literatur, die
sowieso immer ein Verlustgeschäft ist.
.
Wer ansonsten billig an Lesestoff kommen will, geht einfach ins
Antiquariat oder zu E-Bay, und bestellt sich dort die Pilcher oder den
Houellebeck ganz legal für 39 Cent. Das ist ja auch viel billiger
als eine Photokopie oder ein Computer-Ausdruck jemals sein könnten.
.
Bleiben noch die Lesegeräte wie "Kindle". Na ja. Soweit
ich weiss, ist kein Rechtehändler gezwungen, seine Blockbuster auf
diesem Weg zu vertreiben.
.
Ich kann mir gar nicht vorstellen, auf welches Szenario sich Frau
Lewitscharows Befürchtungen eigentlich beziehen.
Der Text von Frau Lewitscharoff liest sich in weiten Strecken wie die nostalgisch verklärten Erinnerungen an die längst vergangenen 60er oder 70er Jahre. Die sind aber nun einmal vorbei und lassen sich auch mit ACTA und PIPA und so weiter nicht zurückholen. Wie steht denn Frau Lewitscharoff eigentlich zu solchen Gesetzen, mit denen ihre internetaffinen Leser überwacht werden sollen? Anstatt zurück, sollte der Blick nach Vorne gehen. Print ist ja noch lange nicht tot. Wie das wunderbar funktioniert, zeigt z. B. immer wieder der erfolgreiche Taschen Verlag, für den Ikea jetzt extra tiefe Billy Regale baut. Im Internet gibt es jetzt Skobe, die E-Bücherei mit 5000 oder so Titeln für einen Zehner im Monat. Frau Lewitscharoff sollte all die notorischen Sparbrötchen einfach ignorieren und versuchen, die vielen zahlungswilligen Kunden mit attraktiven Angeboten zu überzeugen. Nie vergessen: Der Kunde hat immer recht! Und: Nie den zahlungswilligen Kunden verärgern! Der geht sonst weg.
Lektoren und Übersetzer verdienen miserabel
Wer wollte Lektoren und Übersetzern ihr karges Brot
missgönnen.
.
Seit Jahrzehnten kämpfen sie erfolglos gegen die Verlegermafia, und
machen nebenbei noch umsonst deren Pressesprecher.
.
Da bleibt wohl keine Zeit mehr, sich über die Position der
Gegenseite zu informieren.
.
Liebe Frau Lewitscharoff, früher wurde man nicht kriminalisiert,
wenn man Bücher an Bekannte verlieh. Ich z.B. hab in meiner
Kindheit die Bücher gelesen, die ich im Wohnzimmerschrank meiner
Eltern fand und die schon Jahrzehnte alt waren. Nach der heutigen
Ansicht der Content-Mafia war das ja irgendwie auch Diebstahl: Da liest
ein Kind Texte, für die es selber nix bezahlt hat....
Bücher sind Einiges nicht.
Nein, die Bereitstellung eines einzelnen Exemplars ist keine
Veröffentlichung, schon gar nicht im Familienkreis, und steht
überhaupt nicht zur Debatte. Es kann immer nur ein Leser zur
gleichen Zeit dieses Exemplar nutzen. Genau deshalb kaufen sich Leute ja
auch ihre eigenen Exemplare.
Bei der Vervielfältigung per Dateikopie geschieht aber genau das,
was rechtens nur dem Urheber oder den von ihm autorisierten Verwertern
zusteht, die Verbreitung des Textes an viele Leser gleichzeitig.
Bei dem, was bei Dateien als "Verleihen" bemäntelt wird,
handelt es sich genau darum eben i.d.R. nicht. Dazu muss dann
nämlich die Datei bei dem Verleihenden für die Leihdauer
gelöscht werden. Das meinte ich mit dem Weggeben des Reader: Sie
können beim Verleihen den Text nicht mehr lesen, wenn gerade ein
Anderer ihn hat.
Beim Kopieren erzeugen sie aber einfach ein weiteres Exemplar, und das
ohne dass dazu ein Erlös an den Urheber/Verwerter geht.
Und Bücher sind keine Regale
Haha, das sind aber schiefe Vergleiche.
Der Reader ist ja wohl kein Buch, und an seiner Herstellung war auch
kein "Urheber" beteiligt, jedenfalls kein literarische.
Früher konnte ich ein Buch verleihen und alle anderen immer noch
lesen. .
Und die Bereitstellung von Büchern im Regal für alle
Familienmitglieder und ihre Freunde war ja auch schon so was wie eine
Veröffentlichung. Von der Stadtbücherei einmal ganz zu
schweigen! Stellen Sie sich vor, in meiner Kindheit konnte man sich ganz
viel Bestseller dort kostenlos ausleihen -- und trotzdem haben sich
manche Leute immer noch Bücher gekauft für sich selber.
.
Wenn es nach den Rechtehändlern ginge, dann müssten die Kunden
einen Chip ins Hirn implantiert kriegen, der immer Geld von ihrem Konto
abbucht, wenn sie an den jeweiligen Text, Musik, Film etc. auch nur
denken. Denn auch die Erinnernung ist ja sowas wie eine Kopie.
Kopieren ist nicht Verleihen
Sie geben kein Gut weiter sondern vervielfältigen es. Verleihen Sie
doch das nächste Mal einfach tatsächlich Ihren Reader, auf dem
sich das gewünschte Buch befindet, anstatt nur die Datei
rüberzuschieben. Dann wird Ihnen der Unterschied wahrscheinlich
schnell bewusst werden.
Im Übrigen sind Privatkopien in begrenztem Rahmen auch mit dem
existierenden Urheberrecht kein Problem und niemand wird deswegen
kriminalisiert. Beim Vervielfältigen per Sharing-Dienst ist aber
der Bereich des Privaten längst verlassen und die Bereitstellung
der Dateien kommt einer Veröffentlichung gleich, in der Regel ohne
Genehmigung des Urhebers, dessen Recht dazu ja sogar die PP anerkennt
(im Widerspruch zur gleichzeitigen Forderung Massenkopien zuzulassen).
Kampf gegen die eigene Kundschaft?
"Die Kommentare, mit denen der Kampf gegen die eigene Kundschaft
befeuert wird, sind bestenfalls abenteuerlich, oft widerlich."
Momentan finden ja regelrechte Pogrome gegen alles und jeden der es wagt
eine andere Meinung zu haben statt.
Nur eine Frage: finden Sie es okay, wenn Kinder im Kindergarten keine
Lieder mehr singen dürfen, weil die GEMA findet, dass diese Kinder
ihr dafür Geld schulden? Wenn ja, dann sollten wir die Debatte
vielleicht auf das Thema "Gier und Geiz" - gegen die sich die
Autoren ja so plakativ gewendet haben - lenken...
Es gibt übrigens in Deutschland keine Partei, die das Urheberrecht
abschaffen will, aber solche Details interessieren ja anscheinend nicht.
"Finger weg von den Büchern!" - kein Problem. Von
jemandem der sich derart für eine Kampagne zu seiner eigenen
Versklavung instrumentalisieren lässt, werde ich ganz sicher kein
Buch kaufen. Die Autoren in anderen Ländern haben da
glücklicherweise einen größeren geistigen Horizont.
Wenn...
...die Kinder den Text gar nicht lesen können, warum dann die Abmahnung?
Ertappt würde ich mal sagen ;)
(Das die Kinder den Text nicht selbst lesen sondern die Erzieherin Ihnen
den Text vorliest ist jedem der noch über minimale geistige
Fähigkeiten verfügt hoffentlich klar...)
Ach ja,
wie sollen die Vorschulkinder nur O Tannenbaum singen, wenn sie dabei den Text nicht mitlesen können.
Wie erwartet
reden sich die Urheberrechtslobby-Sockenpuppen selbst um Kopf und Kragen.
Es geht hier nämlich sehr wohl um gemeinfreie Werke, deren
"pädagogische Aufbereitung" darin besteht, ein Firmenlogo
mit ins Impressum zu drucken. Anschließend dürfen die
Liedtexte nicht mehr kopiert werden (wodurch das nachsingen faktisch
unmöglich wird). Da man bei der GEMA (handelte hier im Auftrag der
VG Musikedition) davon ausgeht, das nicht jede Erzieherin einen eigenen
Rechtsanwalt hat, der sie darüber berät _von wo genau_ man
denn jetzt einen identischen Liedtext kopieren darf, hat man folglich
frech auf Abmahngebühren spekuliert.
Zusätzlich erdreistet sich die GEMA die ErzieherInnen zum
Buchführen über "öffentliche Auftritte" zu
verpflichten. Über 38.000 Kindergärten wurden so zur Kasse
gebeten. Jeder der googeln kann, kann sich über die
Hintergründe informieren.
Der Eindruck "die GEMA würde für O Tannenbaum im
Kindergarten abzocken" entspricht also sehr wohl der Realität
und ist vollkommen richtig.
Richtig, Herr Meyer, außerdem..
..behauptet Herr Hermann, den Kindern würde von der GEMA das Singen verboten, was natürlich absoluter Quatsch ist. In dem besagten Fall ging es ausschließlich um das Kopieren von Noten und Texten und niemals um das Singen. Aber mit so ein paar Fehlinformationen und Halbwahrheiten im Bildzeitungs-Stil kann man natürlich schön Hetze betreiben.
Kinderschreck GEMA?
Die Sache mit dem Kindergarten ist reine Polemik vom Feinsten: "Die
armen Kinder...". Tatsächlich geht es dabei überhaupt
nicht um Traditionals, die schon immer gemeinfrei waren und sich legal
und zuhauf im Internet finden! Die GEMA will für pädagogisch
aufbereitetes Material Knatter sehen, also für Neuschöpfungen
und auf die Bedürfnisse von Bildungseinrichtungen zugeschnittene
Arrangements. Beides ist kreative Arbeit, die viel Zeit und viel
Manpower bedeutet. (Ich kenne mich da aus und kann im Wortsinne ein Lied
davon singen).
Von den Piraten wurde böswillig der falsche Eindruck erweckt, die
GEMA würde für "O Tannebaum" im Kindergarten
abzocken. Dass das nicht stimmen kann, beweist das als Antwort auf die
GEMA gedachte Piratenliederbuch für Kinder: Da stehen auch nur die
alten Traditionalmelodien (mit Akkordbeschriftung) drin, die sich jeder
Kindergarten auch so hätte aus dem Netz ziehen können.
... wird breit, nicht stark. Warum nennen Sie nicht den Namen und sagen
einfach, welche Partei fordert, dass Künstler umsonst arbeiten
sollen. An welches Parteiprogramm, an welche Beschlüsse denken Sie?
Zitieren Sie Ihre Quellen.
Haben Sie sich überhaupt ernsthaft mit den Argumenten der
Gegenseite beschäftigt? Wie wollen Sie einen Dialog führen,
wenn Sie nicht zuhören? Das war leider eine vertane Gelegenheit,
etwas Gutes zu sagen.
Um auch mit Goethe zu schließen:
Überall will jeder obenauf sein,
Wie's eben in der Welt so geht.
Jeder sollte freilich grob sein,
Aber nur in Dem, was er versteht.
Hier muß man leider zustimmen ...
Die wenigen Stimmen derer, die Literatur jenseits infantiler
Ritualmörder-Bestseller wertschätzen, Literatur als Zuflucht
des Geistes vor dem Terror der Tagesmeinungen am Leben zu erhalten
versuchen, gehen unter im Wut- und Triumphgeheul eines ahnungslosen,
verblendeten und heuchlerischen Netzpöbels. Künstlerverachtung
ist zwar nichts grundsätzlich Neues, aber in diesen Dimensionen
doch ein beängstigendes und deprimierendes Schauspiel.
... aber so langsam vergeht mir die Lust hier ständig die zigste
Wiederholung von: "Wenn nun heute die Erwachsenen einer Partei
fordern, bestimmte Güter sollten einfach umsonst zu bekommen
sein" zu lesen.
Es wurde sich offensichtlich auch hier kein Stück mit der
"Gegenseite" beschäftigt, nicht mal die Artikel von Lauer
und selbst Schirrmacher hier in der faz wurden gelesen.
Ganz toller Beitrag zu der Debatte...
Kann nicht mal jemand Urheberrecht auf die These, "die Leute"
wollten alle alles umsonst, geltend machen, damit wir hier nicht alle
zwei Tage eine neue 1:1 Kopie ertragen müssen?
Urheber die darauf bestehen weiterhin Verwertern das Recht
einräumen die eigenen Kunden mit unangemessen hohen Anteilen
auszusaugen sind auch nicht besser als Kunden die sich die Werke umsonst abgreifen.
Ist das so schwer zu verstehen, dass die Realität momentan beides
hergibt und daher schlicht und ergreifend ein Kompromiss gefunden werden
soll unter dem man sich wieder näher kommen kann?
Vor gut 10 Jahren machten machten fast alle etablierte Serviceanbieter dicht, die als Schnittstelle zwischen DT-Designern, Musikern, Authoren auf der einen und Druckereien, Multimediaproduzenten etc. auf der anderen Seite fungierten. Wegen der fortschreitenden, auch zunehmend von Laien beherrschbaren Technologie und dem Preisverfall der Hard-/Software wurden sie überflüssig, was nun zunehmend auch die PR-Branche und Agenturen trifft. Es bestreitet ja niemand, daß die gegenwärtige Entwicklung Arbeitsplätze im 6stelligen Bereich kosten wird und der Übergang zu neuen Strukturen auch die Kulturschaffenden zu einer ungewohneten Kreativität/Flexibilität in ihnen unbekannten Sphären zwingen wird. Es wird in der Regel eben nicht mehr ausreichen, unter die Fittiche von Organisationen mit rund-um-sorglos Paketen zu schlüpfen, um sich ausschließlich auf seinen Schaffensdrang konzentrieren zu können. Get used to it or make room for someone who does.
Nachdem F. Schirrmacher vor einigen Tagen beiden Seiten die Augen
für das Milieu der jeweils anderen Seite zu öffnen versuchte,
können wir hier leider feststellen, dass Frau Lewitscharoff die
Wähler der Piraten auch nicht besser kennt, als diese einen Verlag
oder ein Filmstudio von innen.
Auch wollen die Piraten keineswegs das Urbeberrecht abschaffen, was
durch Lektüre von deren Reformvorschlägen leicht
herauszufinden gewesen wäre. Allerdings könnte eine
Abschaffung der Verfolgbarkeit von illegalen Downloads faktisch in diese
Richtung ausschlagen.
Es ist für die Zukunft zu wünschen, dass ein praktischer
Kompromiss erreicht wird.
Schon Schirrmacher gelesen? Schon mal ein e-Book weiterverkauft?
Frau Lewitscharoff, wenn Sie wirklich wissen wollen, woher die Verachtung, ja der Hass herkommt, der Ihnen und den anderen Unterzeichnern des Appells mit der selbstherrlichen Überschrift "Wir sind die Urheber" entgegenschlägt, dann lesen Sie doch mal den Beitrag von Frank Schirrmacher von vorgestern. Und wenn Sie meinen, es ginge nur darum, etwas umsonst zu bekommen, dann erklären Sie mir bitte, wie ich ein legal gekauftes e-Buch, das mir zu belanglos ist, um es für den Rest meines Lebens in meiner e-Büchersammlung zu behalten, weiterverkaufen kann?
Die Ausführungen sind gleichermaßen interessant wie
irritierend: Hier wird mit wohl gewählten Worten auf Forderungen
eingegangen, die kein ernst zu nehmender Teilnehmer an der Diskussion um
das Urheberrechts je gestellt hat - nämlich letztlich dessen
komplette Abschaffung.
Darum geht es aber nicht. Fakt ist, dass sich im Zeitalter des Internets
eine sagen wir wenigstens 95%ige Absicherung des Urheberrechts in seiner
bisherigen Form nur durch Einrichtung einer gigantischen
Überwachungs- und Zensur-Infrastruktur realisieren ließe.
Dazu bin ich nicht bereit, so wie viele andere.
Notwendig ist ein Interessensausgleich, der die Freiheit auf der einen
Seite und die notwendige Honorierung geistiger Schöpfungen auf der
anderen Seite berücksichtigt. Den Stein der Weisen konnte ich dabei
auch noch nicht finden - ob z. B. eine Kulturflatrate eine Lösung
ist, weiß ich auch nicht. Weinerliche Artikel mit platten
Argumenten und billiger Polemik sind jedoch ganz sicher nicht hilfreich.