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Unsere Romanhelden : Vater

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Ein Glücksfall für die Leser, nicht für seine Charaktere: Gert Hofmanns „Das Glück“ erschien 1992, der hier abgebildete Band „Schauplatz Menschenkopf. Der Erzähler Gert Hofmann“ wurde 1997 veröffentlicht Bild: Hanser

Nur einen Tag umfasst Gert Hofmanns Roman „Das Glück“. Aus der Sicht des Sohnes zeichnet er das Bild einer zerfallenden Familie. Hofmanns Vaterfigur ist ein schonungsloses Autorenporträt.

          Der Publikumserfolg von Gert Hofmanns postum erschienenem Lichtenberg-Roman „Die kleine Stechardin“ hat den Scheidungs- und Künstlerroman „Das Glück“ fast in Vergessenheit geraten lassen. Darin erzählt radiernadelscharf der zehnjährige Sohn den „Vater“. „Das Glück“, 1992 erschienen, schildert die Ereignisse und Gedanken eines Tages. Es beginnt im Vormittagserwachen und endet in der Dunkelheit des Abschieds und der Nacht. Es ist der Tag, an dem Vater und Sohn ausziehen werden. Sie machen Platz für „Herrn Herkenrath“, der statt ihrer zu Mutter und Schwester ziehen wird.

          So radikal wie diese Konstellation, so rücksichtslos zugespitzt ist das Buch gegen die namenlosen Figuren Mutter und Vater aus dem Munde des Sohnes: „An dem Tag, als er mit mir auszog und statt seiner Herr Herkenrath kam - damit in den Ehen der Welt kein Loch wird, sagte er -, war ich früh aufgestanden. Es hatte mich im Bett nicht geduldet.“ Im Laufe des Tages und des drohenden Exodus wird das Krisengebiet Familie in seinem Ausmaß bis an die Ränder von Vermeidung und Schweigen vorgeführt: „Weil der Vater gern spöttisch war, sagte er: Bei uns wird mit der Luft gespart. Wenn in jedem Haushalt so mit der Luft gespart würde“.

          Überzeichnete Verachtung für die kunstlose Mutter

          Das noch größere Ereignis hier ist das gezeichnete Autorenporträt: der Vater als Künstler mit „Schriftstellergeschick“ - gemalt in Schlieren von Selbstmitleid, Hybris, Jämmerlichkeit, Brillanz, Glücklosigkeit. Hofmann sagte zwar über sein vorletztes Werk, den eher ausgesessenen Konflikt mit seinem Gedichte schreibenden Sohn Michael Hofmann („Acrimony“) ausblendend: „Es ist die Geschichte meiner Eltern ... Als früher Hinterbliebener einer geschiedenen Ehe bin ich ein Spezialist in Sachen Scheidung.“

          Aber diese Selbsttäuschung hebt „Das Glück“ nicht unter die Besten deutscher Sprache. Es ist die überzeichnete Verachtung des Vaters für die stumpfsinnig kunstlose Mutter gegenüber der überhöhten Selbstachtung des Vaters als „denkender Mensch“. Und das auf jeder Seite, in jedem Absatz um eine Kontur schärfer, unmöglicher, unmöglich liebenswerter. Früh sehen wir das an einer Postkarte von Thomas Mann, die er jedem zeigte: „Vor Jahren hatte ihm der Vater mal geschrieben und ihm erzählt, dass er mit seinem Roman, der ,Der Zaubertisch’ heißen sollte, nicht so recht vorankäme, und Thomas Mann hatte geantwortet, dass er mit seinem Roman, der ,Felix Krull’ heißen sollte, auch nicht zu Rande käme.“ Hofmanns Vater als Künstler kommt solitär nicht zu Rande.

          Der Autor leitet das Literaturhaus Frankfurt.

          Quelle: F.A.Z.

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