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Veröffentlicht: 08.12.2012, 15:52 Uhr

Unsere Romanhelden General Stumm von Bordwehr

Kontortrottel, Beamtengenie, Staatsphilosoph und der militärfernste General der Literaturgeschichte: Es ist unmöglich, Stumm von Bordwehr aus Robert Musils Roman „Der Mann ohne Eigenschaften“ nicht zu lieben.

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© picture-alliance/ dpa/dpaweb Schöpfer des militärfernsten Generals der Literaturgeschichte: Robert Musil, der von 1880 bis 1942 lebte.

Der Waffenrock ist „vergissmeinnichtfarben“. Getragen wird er von einem „rundlichen kleinen Mann mit schwänzelnden Augen und Goldknöpfen am Bauch“. Dieser Mann, heißt es, „hatte ursprünglich bei der Kavallerie gedient, aber er war ein untauglicher Reiter, und es fehlte ihm auch der befehlshaberische Sinn“. Voilà, General Stumm von Bordwehr in vollendeter Bonhomie.

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Seine militärische Sternstunde schlägt, als er den Sattel gegen den Schreibtisch tauscht. Nun, im Sommer 1913, ist er „Leiter der Abteilung für Militär-Bildungs- und Erziehungswesen“ im Wiener Kriegsministerium des Kaisers Franz Joseph - und er ist in Robert Musils grandiosem Erzählkosmos „Der Mann ohne Eigenschaften“ die einzige rundum sympathische Figur. Kontortrottel, Beamtengenie und Staatsphilosoph zugleich, bringt General Stumm die Hauptfigur des Romans, den mathematischen Mystiker Ulrich, immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurück und versorgt ihn überdies mit der neuesten Sorte „Kommissbrot“, die bereits das Zukunfts-Etikett „1914“ trägt.

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Dass dann wirklich Krieg sein wird, ahnt im Roman niemand. Im Gegenteil, man ist im Sommer und Herbst 1913 bereits damit beschäftigt, für das 1918 bevorstehende siebzigste Regierungsjahr des Kaisers eine „Vaterländische Aktion“ vorzubereiten. Gesucht wird dafür die tragende Idee. Auf der Jagd nach ihr begibt sich Stumm von Bordwehr in die Wiener Hofbibliothek, wo „dreieinhalb Millionen Bände“ seiner harren: Als Beauftragter, als „Fachbeirat für zivile Geistesfragen“ will er sofort für „Ordnung“ im Chaos der „großen Menschheitsgedanken“ sorgen. Was Wunder, wenn wir ihm in Musils nachgelassenen Schlusskapiteln dann beim Besuch der Wiener Irrenanstalt wiederbegegnen.

Zuvor aber darf dieser militärfernste General der Literaturgeschichte in aller Leutseligkeit den prophetischen Schlüsselsatz des Romans verkünden: „Irgendwie“, lautet er, „geht Ordnung in das Bedürfnis nach Totschlag über.“ Auch dieser Sentenz wegen ist es ganz und gar unmöglich, General Stumm von Bordwehr nicht zu lieben.

Quelle: F.A.Z.

 

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