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Unsere Romanhelden : Félicité

Félicité und ihr Papagei auf dem Umschlag einer Erzählungssammlung Flauberts im Verlag Haffmans Bild: Haffmans

Nach und nach verschwindet aus ihrem Leben, woran ihr Herz hängt. Doch Félicité, die Magd aus Flauberts Novelle „Ein einfaches Herz“, revoltiert. Mit Hilfe eines Tierpräparators.

          Man könnte diese Novelle von Flaubert rasch zusammenfassen und es bei der Traurigkeit belassen, in die das Leben der Magd Félicité den Leser einsinken lässt. „Un cœur simple“, zu Deutsch „Ein schlichtes Herz“, gehört thematisch zu den letzten Ausläufern der Gattung der Physiologien, die seit der Juli-Monarchie in Mode gekommen waren. Es sind Texte, die ohne jede Ablenkung einen Stand, einen Charakterzug abbilden. Flauberts Hauptperson wird als Opfer ihres demütigen Herzens eingeführt. Die Art und Weise, mit der sie sich, nach all dem Unglück, dem Glück der Witwe Aubain und deren zwei Kinder aufopfert, ihnen das Leben rettet, macht aus Félicité im Laufe der Jahre ein Objekt. Ihre Ehrlichkeit und Verantwortung um den Haushalt und das Wohlergehen der anderen saugen sie derart auf, dass sie zu einem Teil des Mobiliars wird, über das sie gebietet.

          Werner Spies

          Freier Autor im Feuilleton.

          Nach und nach verschwindet alles aus ihrem Leben, ihr Neffe Oscar stirbt in Havanna an Gelbfieber, und der prächtige Papagei, den ihr die Herrin als Geschenk überlassen hatte, liegt eines Tages verendet im Käfig. Hier setzt die Revolte ein. Félicité nimmt es nicht hin, lässt Loulou von einem Tierpräparator in ihr emotionales Leben zurückholen. Der ausgestopfte Vogel wird wichtiger als alles, was aus früherer Zeit irgendwie überlebt. Mit dieser Transsubstantiation beginnt der unverwechselbare Bruch, den der Stil Flauberts stets zustande bringt. Die Realität verschwindet hinter der Adoration von Illusionen und Fetischen. Auf dieselbe Weise rannte Emma Bovary ins Unglück.

          Verschwindende Schranken

          Es ist verwirrend, wie im Kopf der Magd eine Legierung aus echt und unecht zustande kommt, wie sich ein religiöses Motiv - Taube des Heiligen Geistes - mit der Auferstehung eines Vogels durch einen Taxidermisten paart. Man wollte sagen, für Félicité ist allein das Tote gewiss. Die Novelle wendet sich der verlassenen Frau mit unendlich feiner Humanität zu. Sie bringt die Schranken zwischen den Ständen zum Verschwinden.

          Félicité gewinnt eine Größe, die den Leser erschreckt und in seiner Verachtung für Nebenfiguren schamrot werden lässt. Flaubert hat durch den Transfer von Psychologie in eine akribische Beschreibung der Dinge den modernen Roman und den Überdruss an auktorialer Rechthaberei in Gang gebracht. So besehen, ist es mehr als ein Zufall, dass ein weiterer eminenter Verächter von Gewissheiten, Marcel Duchamp, in derselben Stadt, Rouen, geboren wurde. Der naturalisierte Papagei passt in die Reihe der Readymades, mit denen dieser andere Verneiner jeder selbstbewussten Geste im Atelier den Kragen umgedreht hat.

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