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Unsere Romanhelden Dermot Trellis

Flann O’Brien lässt Dermot Trellis Charaktere verschiedenster Arten und Zeiten zu einem knallbunten Karneval der Stile mischen. Doch die Figuren proben den Aufstand.

© dpa Vergrößern Jedem der Charaktere seine eigene Zeit: Hier eine Szene aus der Verfilmung von „In Schwimmen-zwei-Vögel“ von Kurt Palm

Er ist das glatte Gegenteil eines Romanhelden, und dabei ein höchst originelles Exemplar der Spezies. Diese Federgeburt von Flann O’Brien, den man mit Swift und Beckett zu den Extremisten des irischen Humors zählen darf, treibt ihr Unwesen in einem Roman mit dem skurrilen Titel „In Schwimmen-Zwei-Vögel“, erschienen 1939. Worum geht es?

Um einen fiktiven Autor und seine Schwierigkeiten beim Schreiben eines wahrhaft modernen Erzähltextes. Dermot Trellis, so erfahren wir im Laufe der Geschichte, bastelt an einem merkwürdigen Roman. Darin macht er mit den progressiven Kompositionsprinzipien der austauschbaren Charaktere und der unbegrenzten literarischen Anleihen Ernst. Er mischt Gestalten aus der irischen Mythologie und Folklore mit ein paar Western-Helden und Angehörigen der Dubliner Unterschicht zu einem knallbunten Karneval der Stile. Einige der Figuren, die bei ihrem Autor unter Hausarrest stehen, empören sich bald gegen sein auktoriales Rollendiktat. Der Proletarier Furriskey verweigert die ihm zugedachte Rolle des Bösewichts. Er heiratet ein tugendhaftes Dienstmädchen, das er eigentlich vergewaltigen sollte, und verabreicht Trellis ein Schlafmittel, um ein trunk- und wortreiches Eigenleben zu führen, begleitet vom epischen Raunen irischer Sagengestalten. Doch dem geselligen Wortschwall folgen finstere Taten.

Rettung durch Verbrennen

Die Gesprächsrunde schreitet zur Rache an ihrem Erfinder. Sie tut dies mit Hilfe von Trellis’ fiktionalem Sohn Orlick, den dieser in einem Moment erotischer Unbeherrschtheit mit einer Romanfigur gezeugt hat. Nachdem sie sich von ihrem Schöpfer emanzipiert haben, wollen seine Kreaturen ihn nun in einer eigenen Fiktion verschwinden lassen. Orlick entwirft dazu ein Szenario ausgesuchter Quälereien für seinen ,Vater‘, gipfelnd in einer surrealen Gerichtsszene: Todesurteil und Hinrichtung kündigen sich an. Das Verfahren war fair genug, schließlich bekam der Angeklagte eine Jury „aus eigener Herstellung“. Trotzdem wird den Rebellen etwas mulmig, als Orlick völlig zu Recht bemerkt: „Ich glaube nicht, dass so was schon mal gemacht wurde.“

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Trellis wird im letzten Augenblick dadurch gerettet, dass das Stubenmädchen die entscheidenden Seiten seines Manuskripts zum Feueranmachen benützt - und so die unbotmäßigen Romanfiguren in die Nichtexistenz zurückbefördert. Aber das ist nur der vorletzte der drei Schlüsse des Buches. Denn wie sagt der Ich-Erzähler des Ganzen, ein Dubliner Bummelstudent mit literarischer Ader? „Ein Anfang und ein Ende pro Buch waren etwas, das mir nicht behagte.“

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 14.07.2012, 14:33 Uhr