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Veröffentlicht: 12.02.2016, 19:18 Uhr

Unromantisches Frankfurt Der Pott liest Kitsch

Ein großer Online-Buchhandel hat Deutschlands Städte nach Kitschromankonsum sortiert. Es ist nur folgerichtig, dass die Stadt der Kritischen Theorie dabei ganz hinten liegt.

von
© Anna Jockisch Is des schee: Passagiere an Deck des Ausflugsschiffes Johann Wolfgang von Goethe.

Natürlich ist die Sache wieder völlig falsch aufgezäumt. „Auf dem letzten Platz landet Frankfurt am Main“, lässt der Online-Buchhändler Amazon verbreiten. Der internen Statistik zufolge lesen die Frankfurter pro Kopf am wenigsten romantische Bücher. Ganz im Gegensatz zu den Bewohnern der schönen Stadt Gelsenkirchen („Lieblich schweben durch die Luft die schwarzen Dämpfe“ – Georg Kreisler), die den höchsten Pro-Kopf-Kitschkonsum Deutschlands für sich verbuchen sollen.

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Und das, fragt man sich, soll wohl etwas Gutes sein? Der Gelsenkirchener muss sich sein Leben halt schönlesen, sonst hält er's nicht aus. Das Phänomen trifft übrigens auf das ganze Ruhrgebiet zu. Wohl nicht ganz ohne Grund. Duisburg und Oberhausen liegen auf Platz vier und fünf. Auch diese sind Städte, aus denen man sich gern wegträumt – und in die Arme romantischer Vampire, oder was auch immer gerade im Trend liegt im Happy-End-Segment.

Eigentlich sind wir ganz vorn!

Dazwischen finden sich noch Erfurt und Chemnitz, gut, da hat man wohl auch wenig zu lachen. Irgendwann sind Knödel und Magenbitter auch kein Trost mehr. Ich war einmal in Chemnitz, die Leute waren dort alle ausnehmend freundlich, aber dann sieht man die Innenstadt, versteht alle eskapistischen Reflexe sofort und ist froh, dass den Bewohnern nicht noch viel handgreiflichere Dinge dazu einfallen.

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Dann läppert sich die Liste durch die weiteren Mittelstädte, und ganz am Ende kommen Berlin, Hamburg und München. Und dahinter dann eben noch Frankfurt. Aber was heißt hinten: Eigentlich sind wir ja ganz vorn! Wenn die Stadt der Buchmesse und Goethens, die Stadt der alten und neuen Frankfurter Schule, diese Metropole des Geisteslebens und kluger Medienerzeugnisse sich von Büchern einlullen ließe, auf deren Cover sich textilumwehte Leiber in den dramatischen Himmel räkeln, man kennt das ja, wo kämen wir da hin? Frankfurter, ihr habt alles richtig gemacht.

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CSU-Politiker Andreas Scheuer meint, die Herkunft von Tätern müsse erwähnt und der Pressekodex geändert werden. DVJ-Chef Frank Überall hält dagegen. Klar ist: Wer Straftäter nicht benennt, liegt falsch. Mehr 262

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