25.11.2005 · Eine Streitschrift gegen den Biologismus, die Geschichte des „deutschen Grußes“ und eine Polemik gegen die Panik nach dem Van-Gogh-Mord: Lehrreiches über das Unheil.
Der Tendenz, Geist und Seele in den Naturwissenschaften aufgehen zu lassen, widersetzt sich Manfred Velden in seiner klugen Streitschrift über die Deformationen einer biologistisch mißverstandenen Psychologie.
Der Biologismus ist in seinen Augen keine wissenschaftliche Fehlentwicklung unter anderen, sondern wissenschaftlicher Rassismus. Geist und Seele fordern eben ihr Recht. Der Soziologe Tilmann Allert hat in seinem vorzüglichen Essay die Entstehung und Ausbreitung des deutschen Grußes behandelt, der an die Stelle eines „Grüß Gott“, des Handschlags oder des Hutlüpfens trat und an dem sich deswegen schon der große Bruch mit der Sittlichkeit im damaligen Deutschland zeigt. Der Alltag sendet die Signale.
Nach der Ermordung des Filmemachers Theo van Gogh durch einen in den Niederlanden geborenen Marokkaner geriet das Land in eine, wie der Publizist Geert van Mak schreibt, unkontrollierte moralische Erregung. Die Angst wurde zum Ratgeber der Gesellschaft, die humanistischen Werte drohten unterzugehen. Mak, berühmt geworden durch sein Buch „Das Jahrhundert meines Vaters“, hat über die kollektive Panik eine glänzende Polemik geschrieben.