Home
http://www.faz.net/-gr0-u99w
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Ungarn Aufregend deutsch

30.03.2007 ·  Über einen „mit sonderbarer Phantasie, Kraft und glänzender Technik geschriebenen philosophischen Abenteuerroman“ freute sich die ungarische Kritik. Einzig, dass der ungarische Mathematiker Bolyai nicht vorkommt, findet man schade.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Die ungarische Ausgabe von Daniel Kehlmanns „Die Vermessung der Welt“ ist im Verlag Magveto (Der Säer) unter dem wörtlich übertragenen Titel in der Übersetzung von Zsuzsa Fodor erschienen und kostet umgerechnet 10 Euro. „Liter@“, das „literarische Portal“, kam zu diesem Urteil: „Kehlmann erzählt das Leben der beiden Genies, ihre Erfolge und Misserfolge, ihren Seiltanz an der Grenze zwischen Größe und Lächerlichkeit in einem mit Humor reichlich gewürzten, außergewöhnlich genüsslichem Stil. Die Vermessung der Welt ist ein raffiniertes Spiel mit Tatsachen und Fiktion, ist ein mit sonderbarer Phantasie, Kraft und glänzender Technik geschriebener philosophischer Abenteuerroman.“

Die größte ungarische Tageszeitung „Népszabadság“ hat zuerst Roman und Autor vorgestellt, die Rezension von Miklós Almási folgte später: Kehlmann habe „einen Roman mit doppeltem Boden“, einen „wahren postmodernen Roman (und eine Romanparodie) geschrieben“. Er „lacht seine Helden aus, schreibt aber auch die Laudatio auf sie“. Dann wird angemerkt, es sei schade, dass über den ungarischen Mathematiker Bolyai kein Wort zu finden sei, der ein Freund und Rivale von Gauß gewesen ist. „Aber es wäre gleichfalls schade, sich daran zu stoßen. Denn es könnte sein, dass auch diese Geschichten anders gewesen sind.“

In der Online-Ausgabe des Organs der rechtsbürgerlichen Partei Fidesz, „Ungarische Orange“ - der Titel ist ein antikommunistischer Sarkasmus -, fällt Csaba Báthori ein ganz anderes Urteil. Das Buch sei „ein bisschen trocken, ein bisschen zu gleichmäßig, ihm geht die eisige Atmosphäre der metaphysischen Inhalte ab, die ernsthaftere Schilderung der Schrecken, die die Erkundung der Welt begleitet haben, es fehlt der pfeifende Wind der menschlichen Erschütterung.“ Das Internetportal „Prae“ hat einen anderen Eindruck. Das Buch sei „eine aufregende Lektüre, freilich im ,deutschen' Sinne des Wortes, was nicht einen leichten Lesestoff bedeutet, den man vergessen kann, sondern einen wirklich kenntniserweiternden und notwendigerweise romantischen“.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel