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Neue Verlagsgründung : Addio und Ahoi

Nicht ohne neue Perspektiven: Umberto Eco verlässt Bompiani Bild: dpa

Nachdem Berlusconi den Medienkonzern RCS übernommen hat, verlassen gleich mehrere Starautoren die Verlagsgruppe. Auch Umberto Eco verabschiedet sich, hat aber schon neue Ufer im Blick.

          Noch muss das Kartellamt über die Elefantenhochzeit befinden. Umberto Eco war einer der Ersten, der schon zu Beginn dieses Jahres gegen die Übernahme der Rizzoli-Verlagsgruppe „RCS Libri“, zu der auch Adelphi und Bompiani gehören, durch den italienischen Konzern Mondadori protestierte. Es ging Eco von vornherein nicht allein um die Konzentration im Verlagswesen. Der Bestsellerautor, dessen Romane bei Bompiani erscheinen, kündigte an, dass er den Verlag im Falle einer Fusion aus politischen Gründen verlassen würde: Mondadori gehört der Familie von Silvio Berlusconi, geleitet wird er von dessen Tochter Marina. Am Segen der Behörden für „Mondazzoli“ – mit einem Marktanteil von vierzig Prozent – bestehen keine Zweifel mehr.

          Vergangene Woche hat auch Elisabetta Sgarbi, die Verlagsleiterin von Bompiani, ihre Drohung wahr gemacht: Gleichzeitig mit zwei Lektoren reichte sie ihre Kündigung ein. Jetzt wurde bekannt, dass sie zusammen mit Umberto Eco einen neuen Verlag gründet, „La Nave di Teseo“, das Schiff von Theseus. „Der Name war die Idee von Umberto Eco“, schwärmt der Franzose Jean-Claude Fasquelle, der mit 85 zwei Jahre älter ist als sein italienischer Freund. Bis 2000 leitete Fasquelle die Hachette-Filiale Grasset und macht auch deutlich, dass er per se nichts gegen Konzerne hat: „Es gab in Frankreich die selbe Entwicklung, bei uns hat nie ein Konzernchef Druck auf das Programm gemacht. Und nur mit der geballten Schlagkraft von Hachette konnten wir gegen Amazon ankämpfen.“

          Auf dem „Schiff von Theseus“, das seit der Antike das alte und ein neues zugleich ist, worüber seit Plutarchs Gedankenexperiment die Geister streiten, ist auch Fasquelle an Bord: Er bringt Kapital, seine Ideen und Erfahrung ein. Fasquelle freut sich wie ein Kind auf das neue Abenteuer. Seine Frau Nicky Fasquelle, die das „Magazine littéraire“ betreute, macht ebenfalls mit. „Wir sind verrückt“, erklärt ein entzückter Umberto Eco in der Zeitung „Repubblica“: „Wir sagen Mondazzoli addio.“

          Er stilisiert das „Schiff von Theseus“, der den Minotaurus besiegte, zur Alternative gegen die Verblödung durch Berlusconis Medien. „Es ist das einzige wirksame Rezept gegen Alzheimer“, fügt er bei. Belletristik und Sachbücher, aber auch Lyrik will „La Nave di Teseo“ verlegen. Angekündigt sind Bücher von Tahar Ben Jelloun, Michael Cunningham und vielen italienischen Schriftstellern aus dem Hause Bompiani. Sowie von Umberto Eco selbst – allerdings noch ohne nähere Angaben. Ein neuer Roman von ihm könnte schon die halbe Miete sein. Vom Stapel laufen sollen die Werke jedenfalls im kommenden Frühjahr. Ahoi!

          Jürg     Altwegg

          Kulturkorrespondent mit Sitz in Genf.

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