14.06.2012 · Am Freitag jährt sich der Tag, an dem James Joyce seinen Helden im „Ulysses“ durch Dublin ziehen ließ. Das größte Hörspiel-Wagnis aller Zeiten inszeniert den „Ulysses“ jetzt als Ereignis, das bleibt.
Von Sandra KegelRichtlinien für Lesermeinungen
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Am "Ulysses" zu verzweifeln ist keine Schande
Selbst der berühmte C.G. Jung hat sich bei Joyce persönlich
halb im Scherz, aber wirklich nur halb, beschwert, dass ihn der Ulysses
12 Lebensjahre gekostet hat.
Ich habe mir vorerst die Zähne an der Übersetzung von Goyert
ausgebissen, aber das Werk nicht im Frust sondern im Wissen, dass mein
Bildungshintergrund einfach noch nicht ausreichend war um den Inhalt
angemessen zu erfassen beiseite gelegt. Ziemlich früh wird in
knappen Zeilen die an die Küste schlagende Flut beschrieben,
woraufhin sich ein Bild der Küste gedanklich formte, als hätte
ich sie vor Augen, unerreicht, genial. Der größte sprachliche
Könner aller Zeiten.
Um einen Zugang zu James Joyce zu erhalten, empfehle ich wärmstens
dessen "Dubliners". Kurzgeschichten mit eher trivialer
Handlung aber in einer sprachlichen Intensität verfasst, die aus
dem Nichts an Handlung etwas beinah Magisches erschafft.
Meinen ergebensten Dank für den Artikel, morgen werde ich seit
vielen Jahren wieder einmal bewusst Radio hören.
Das berühmteste ungelesene Buch der Welt
... Auch deshalb ist der „Ulysses“ wahrscheinlich das
berühmteste ungelesene Buch der Welt. ...
In zwei Anläufen bin ich etwa bis zur Hälfte gekommen.
Normalerweise bin ich ziemlich hartgesotten, aber dieses Werk hat mein
Durchhaltevermögen echt geschafft. Ich besitze eine englische und
eine deutsche Ausgabe. An sich ist mein Englisch ganz brauchbar. Bei den
ersten hundert Seiten kam ich damit unter gelegentlicher Zuhilfenahme
eines Wörterbuchs noch halbwegs klar - am Anfang schien es auch
eine Art nachvollziehbarer Handlung zu geben. Beim Lesen hat man den
Eindruck immer weniger zu verstehen. Unter der Annahme, es liege an
meinem Englisch habe ich zur deutschen Ausgabe gewechselt. Da habe ich
aber genauso wenig verstanden. Das Lesen setzt sehr viel (nicht
vorhandenes) Kontextwissen voraus. Vielleicht sind es auch die
zusammenhanglosen inneren Monologe. Irgendwann verließ mich die
Geduld und ich habe das Werk weggelegt. Schade. Vielleicht unternehme
ich noch einen dritten Versuch.
Nein, das setzt kein Kontextwissen voraus.
Man kann m.E. auch ganz ohne Kenntnis des Referenzüberbaus lesen. Ich meine, es ist eher eine Frage, wieviel Zeit man sich lässt beim Lesen - bzw. dass man den Genuss im Detail sucht, und nicht allein in den "großen Linien". Es wäre wohl auch kein so absonderlich gutes Buch, würde es seinen Gehalt nur oder überwiegend aus Referenzen auf Homer beziehen.
So ging es mir auch bei "Ulysses" und mit "The Waste Land"...
...(nicht ganz so textreich aber unglaublich dicht) als ich vor ca. 30 Jahren diese beiden Meilensteine der Moderne zum ersten Mal las. Ich habe Eliots' Gedicht und Joyce's Buch über die Jahre immer wieder mal in die Hand genommen und jedesmal fiel ein Bruchstück in seinen Platz, es war jedesmal eine kleine Epiphanie für mich. Beide Werke haben mich ein lebenlang begleitet und werden es bis zum Ende.
Man kann der Redakteurin zu diesem hervorragenden Artikel und "den Programmhinweisen" nur ein großes Lob aussprechen. Vielen Dank. Ich freue mich darauf!