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Türkei Anschlag auf Pamuk verhindert?

23.01.2008 ·  Bei einer groß angelegten Razzia sind in der Türkei mehr als 30 Rechtsnationalisten festgenommen worden. Auf ihrer „Attentatsliste“ soll unter anderem der Literaturnobelpreisträger gestanden haben. Unter den Festgenommenen soll auch ein Anwalt sein, der Orhan Pamuk und den ermordeten Journalisten Hrant Dink wegen „Verunglimpfung des Türkentums“ vor Gericht gebracht hatte.

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In der Türkei ist möglicherweise die geplante Ermordung des Schriftstellers und Nobelpreisträgers Orhan Pamuk verhindert worden. Die türkische Presse berichtete am Mittwoch, die Polizei habe bei einer Razzia in Istanbul 33 Personen der als nationalistisch geltenden Organisation „Ergenekon“ verhaftet, auf deren Todeslisten der Name Pamuks gestanden habe. Auch mehrere kurdische Politiker sowie ein Journalist sollen dort erwähnt gewesen sein.

Zu der Aktion im Zusammenhang mit der Entdeckung eines illegalen Sprengstofflagers war es schon am Dienstag gekommen, über Details berichteten am Mittwoch fast alle türkischen Zeitungen auf ihren Titelseiten. Laut einigen Berichten wurde Ministerpräsident Erdogan vor zwei Tagen über die bevorstehende Razzia informiert.

Todesliste für Auftragsmörder?

Zu den Festgenommenen gehören Anwälte, Journalisten und ein pensionierter General. Verhaftet wurde unter anderen Kemal Kerincsiz, ein Anwalt, der unter anderen gegen Pamuk und den ermordeten Journalisten Hrant Dink wegen „Verunglimpfung des Türkentums“ geklagt hatte. Ein weiterer Anwalt aus dem nationalistischen Milieu, Fuat Turgut, der einen mutmaßlichen Anstifter des Mordes an Dink vertritt, wurde ebenfalls verhaftet. Zu den Festgenommenen soll zudem ein ehemaliger Militär zählen, der einem Auftragsmörder die Todesliste von „Ergenekon“ übergeben habe.

In einer inoffziellen Auflistung der Verbrechen, an denen die Organisation die Schuld tragen soll, werden auch der Anschlag auf das Oberste Verwaltungsgericht und auf eine Zeitungsredaktion im Mai vergangenen Jahres aufgezählt. Außerdem werde die Gruppierung mit der Ermordung eines italienischen Priesters im Februar 2006 in Trabzon in Verbindung gebracht.

Anklage wegen „Verunglimpfung der Türkei“

Der türkisch-armenische Journalist Hrant Dink war am 19. Januar 2007 in Istanbul erschossen worden; wegen „Beleidigung des Türkentums“ war er zu einer Haftstrafe von sechs Monaten verurteilt worden. Der Mörder wurde gefasst, doch Unklarheit besteht die Auftraggeber. Gegen Pamuk hatte die die türkische Staatsanwaltschaft schon im September 2005 ein Verfahren eröffnet wegen der „Verunglimpfung und Beleidigung der Türkei“.

Die Anklage bezog sich auf Äußerungen Pamuks in einem Interview mit der Schweizer Zeitung „Tages-Anzeiger“. Pamuk hatte festgestellt, dass die Erwähnung der Massaker an den Armeniern durch die Türkei weiterhin ein Tabu seien: „Man hat hier dreißigtausend Kurden und eine Million Armenier umgebracht. Und fast niemand traut sich, das zu erwähnen.“

Die Nachrichten über die Razzia in Istanbul drängten den Beginn des Aufenthalts des griechischen Ministerpräsidenten Karamanlis in den Hintergrund. Er traf am Mittwoch als erster griechischer Regierungschef seit 1959 zu einem offiziellen Besuch in Ankara ein.

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