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Übersetzer-Duell : Wettkampf der Spitzenwortler

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Das kann man machen, aber das ist kein Übersetzen. Es ist ein anmutiger Assonanzentanz, „langweilige Wege vom Grau ins Gräuliche ins Grauen“ abzuschreiten – nur hat der Autor das mit „long journeys across gray space“ nicht geschrieben. Es ist ein hübscher Verfremdungseffekt, wenn aus einem realistischen „secret genius of survival“ ein raunender „stiller Meister im Dauern“ wird, aber DeLillos „heimlicher Überlebenskünstler“ stelzt nicht auf dem Kothurn eines Botho Strauß oder Stefan George einher. Es ist eine reizvolle Idee, einen Text mit Zitaten aus dem deutschen Expressionismus zu spicken, aber es verfälscht das literarische und – in diesem Fall – populärkulturelle Beziehungsgefüge eines amerikanischen Romans.

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Don DeLillo ist ein eigenwilliger Stilist. Wenn er sich von sprachlichen Konventionen entfernt, erwarten wir parallele stilistische Entscheidungen und Abweichungen auch im Deutschen. Schräge Formulierungen wollen nicht begradigt werden. Das gilt für grammatische Konstruktionen ebenso wie für einzelne Bilder. Nehmen wir das Ende der Passage: Polizisten stürmen das Stadion, freuen sich sadistisch darauf, die randalierenden Konzertbesucher verprügeln zu können, versuchen aber mühsam, ihre Mimik im Zaum zu halten. DeLillo verdichtet diesen Gegensatz von Innen und Außen zu „hiding the feast in their minds behind metered eyes“. Spricht man hier nur von „freudiger Erregung“, hat man zwar eine schöne idiomatische Wendung gefunden, aber das schrille Bild eines im Geiste vorweggenommenen Schlachtfests verblasst. Schreibt die Übersetzerin Pociao: „die innere Ekstase hinter taxierenden Blicken verborgen“, bleibt die Spannung zwischen entfesseltem Überschwang und Ausdruckslosigkeit erhalten.

Überhaupt Pociao, um nun endlich auf die Preisträgerin des Wettbewerbs zu sprechen zu kommen, deren Siegertext im Feuilleton der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ vom vergangenen Samstag und online im Plus-Angebot dieser Zeitung zu finden ist. Das Literaturübersetzen ist keine exakte Wissenschaft, für ein ausgangssprachliches Problem gibt es selten die eine allein seligmachende Lösung, aber Pociao schöpft aus dem Vollen, und immer wieder gibt es Anlässe zum Jubeln.

Das geht beim ersten Satz los, im Original ein Paukenschlag, dessen Dröhnen ihre Übersetzung wiederherstellt: „Ruhm erfordert Exzesse jeglicher Art.“ Oder wenn sie mit ihrer Übersetzung von „A profound joke it would have been. A lesson in something or other“ demonstriert, wie frei man werden kann, darf, soll und vielleicht muss: „Was für ein Aberwitz! Auch das eine Art Lektion.“ Oder man schaue sich DeLillos einzigen naturlyrischen Satz in dieser Passage an, dessen prosapoetische Qualität nacherschaffen wird, wenn „Wellen von aschgrauem Licht über die Türme branden“. Bei all dem war eigene Kreativität gefragt, all das geht über das Handwerk hinaus, all das ist wahre Kunst des Übersetzens. Und ein Buch fängt an zu klingen, trifft man nur das Zauberwort.

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