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Übersetzer-Duell : Wettkampf der Spitzenwortler

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Auch 2017 gibt es verkorkste Versionen, in denen aus einem „place of my birth“ die „Stätte meiner Niederkunft“ wird, aus „wildly rippling bodies“ „wild krabbelnde Leichen“ oder aus „There was less sense of simple visceral abandon at our concerts during these last weeks“ der amüsante Satz „Während dieser letzten Wochen gab es bei unseren Konzerten weniger Fälle von ungehemmter Darmentleerung.“ Hier ist das Übersetzen eher ein Eselsbrückenbau ins Verstehen. Ein erstes Resümee für die Zukunft des literarischen Übersetzens im deutschsprachigen Raum wäre, dass wir mehr hermeneutische Unterweisung brauchen, Fortbildung in grundlegender Textinterpretation.

Wenn die eingesandten Übersetzungen gelegentlich nur „abfotografierte Originale“ sind – so der anschauliche Begriff von Miriam Mandelkow –, dann liegt das nur zu oft daran, dass das Original nicht ganz verstanden und durchdrungen wurde. Apropos, kennen Sie den? Wie viele Übersetzer braucht es, um eine Glühbirne auszuwechseln? Kommt auf den Kontext an. Und im Kontext eines Rockkonzerts ist wohl „ein Meer tobender Leiber“ zu beobachten – „wild krabbelnde Leichen“ tummeln sich eher in Zombiefilmen. „Das eifrigste Wörterbuchwälzen enthebt den Übersetzer nicht der Notwendigkeit des Mitdenkens“, brachte Dieter E. Zimmer die Sache damals ironisch auf den Punkt.

Im breiten Mittelfeld finden sich gelungene, aber nicht ganz unfallfreie Übersetzungen (Arme und Beine bersten, und Wellen zerbröseln, weil die Kenntnis deutscher Kollokationen fehlt, „beraubt werden“ kommt mit dem Dativ daher, bedarf aber des Genitivs und so weiter). Gutes Übersetzen verlangt eine Beherrschung der deutschen Sprache bis in ihre feinsten Verästelungen, und dazu gehören Lexik, Idiomatik, Stilistik, Grammatik und nicht zuletzt Zeichensetzung. Das ist nicht alles, aber Basis und Sprungbrett zu allem anderen. Es gibt in diesen Übersetzungen viele gute Ansätze, die steckenbleiben, weil ihre Urheber, Eigenwörtler am einsamen Schreibtisch, sich vielleicht nicht trauen. Stimmt ja, man muss Konventionen befolgen können, dann aber auch lernen, sich über sie hinwegzusetzen. Diese Traute braucht man, und sie ist, nebenbei gesagt, ein wesentliches Thema im Austausch mit Kolleginnen und Kollegen in den Werkstätten, Seminaren und Workshops, die der Deutsche Übersetzerfonds, aber auch der Literaturübersetzerverband VdÜ und andere Institutionen initiieren, koordinieren und finanzieren.

In der Spitzengruppe der eingesandten Texte gibt es semantisch präzise, in ihrer Bildkraft originelle, rhythmisch brillante und stilistisch gelungene Übersetzungen. Auch sie haben oft noch kleine Patzer, aber im Berufsalltag kann man bei kryptischen Passagen des Originals in glücklichen Fällen den Autor oder die Autorin fragen, außerdem wird die Übersetzung im Verlag lektoriert, also gründlich gegengelesen, und die kniffligen Stellen werden gemeinsam diskutiert – diese Optimierungsfaktoren fehlten unter den Bedingungen des Wettbewerbs. Es wurden ferner Texte eingesandt, die das Original nur mehr zum Anlass für Adaptionen, letztlich also eigene literarische Texte nutzen.

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