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Monika Maron zu Tellkamp : „Der Suhrkamp-Verlag hat seinen Autor verraten“

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In diesem Frühjahr erschien ihr neuer Roman „Munin oder Chaos im Kopf“: Monika Maron im Mai 2016 in Berlin Bild: Picture-Alliance

Wer in Deutschland offen seine Meinung sage, dem drohe Ächtung, sagt die Schriftstellerin Monika Maron mit Blick auf die Reaktionen auf Uwe Tellkamps Äußerungen. Mit dem Verlag des Kollegen geht sie ins Gericht.

          Die Schriftstellerin Monika Maron hat die umstrittenen Äußerungen ihres Kollegen Uwe Tellkamp über Flüchtlinge und den Islam verteidigt. Tellkamp habe zwar eine Diktion, die ihr nicht aus dem Herzen spreche, sagte Maron an diesem Donnerstag in einem Interview des Deutschlandfunks. Bis auf einen Satz und eine Kleinigkeit habe sie in seinen Aussagen aber nichts gefunden, was nicht ohnehin in Zeitungen diskutiert werde. „Ich verstehe die Aufregung nicht“, sagte die Autorin.

          Niemand bestreite, dass sich der Islam auf der ganzen Welt radikalisiere, sagte Maron. Man wisse, was in Moscheen gepredigt werde und dass sich an Schulen „eine konservative oder auch aggressive islamische Tendenz“ durchsetze.

          Auf die Frage nach dem Vorwurf einer „Gesinnungsdiktatur von links“ sagte Maron, wer in Deutschland offen seine Meinung sage, dem drohe „eine kleinere oder größere Ächtung“. „Das haben die Leute oft genug erlebt. Und das erleben sie jetzt bei Uwe Tellkamp“, sagte die Autorin: „Jedem Menschen, dessen Meinung einem nicht genehm ist, klebt man eine AfD-Marke ans Hemd und sagt, er ist rechts.“

          Schriftsteller verlangten Beistand und Schutz

          Maron warf dem Suhrkamp-Verlag vor, Tellkamp im Stich gelassen zu haben. Eigentlich sei es eine Selbstverständlichkeit, dass ein Verlag nicht unbedingt die Haltung seiner Autoren vertrete. Die Distanzierung durch das Äußern dieser Selbstverständlichkeit sei eine „Ungeheuerlichkeit“. Ein Verlag sei eine „Andockstation“ für einen Autor; vom Verlag verlangten Schriftsteller Beistand und Schutz: „Der Suhrkamp-Verlag hat seinen Autor verraten.“

          Tellkamp („Der Turm“) hatte sich auf einer Podiumsdiskussion mit seinem Kollegen Durs Grünbein am Donnerstag vergangener Woche in Dresden zu Flüchtlingen und zum Islam geäußert. Dabei sagte er unter anderem, 95 Prozent der Flüchtlinge kämen, „um in die Sozialsysteme einzuwandern“ – den Satz, den Maron kritisch sieht. Der Bundesregierung warf Tellkamp im Zusammenhang mit der Öffnung der Grenzen im Jahr 2015 einen Rechtsbruch vor. Es mache ihm Angst, dass mit dem Islam eine Politik importiert werde, die mit westlichen Werten, speziell dem Rechtssystem, „nicht viel am Hut hat“, sagte er weiter.

          Suhrkamp distanzierte sich einen Tag später per Twitter von seinem Besteller-Autor. Die Haltung der Autoren des Hauses sei nicht mit der des Verlages zu verwechseln.

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