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Thomas Manns „Zauberberg“ Sein letztes Jahr

 ·  Vor hundert Jahren begann Hans Castorps Untergang und die Zeit der großen Gereiztheit hatte die Welt erfasst. Was wir lesen, wenn wir heute den „Zauberberg“ lesen.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (39)
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Michael Vorwerk

Von denen da oben

Nur noch ein Wort, bevor sich der Vorhang senkt (hilfsweise: der Beitrag nicht mehr kommentiert werden kann): Oft hat man Thomas Mann vorgehalten, er beschränke seine Schilderungen auf die Befindlichkeiten der bürgerlichen Klasse. Gewiß: Proletarierromane hat er nicht verfaßt. Idealisch begonnene Kunst, wird er sich mit Hegel gesagt haben, ist von vornherein verdächtig. Er hat aber nicht etwa, wie manche ihm zu Unrecht vorhalten, die Herkunft der Herrschaftsverhältnisse verkannt und den Grund für ihre im Grauen erregenden 20. Jahrhundert rasende Entfaltung. In seinem (wie sollte es anders sein: brillianten) Essay über Nietzsche spricht er (wörtlich) vom deutschen Generaldirektor, der den Faschismus finanziert. Im Faustusroman ist die Rede von der "grotesken Anekdote" eines Galeriebesuches von Hitler und Mussolini im Jahre 1938 in Florenz. Dort, in den Uffizien, "wohin sie wahrhaftig nicht gehörten", ergingen sich "die vom Großkapital bezahlten Retter der europäischen Gesinnung".

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Michael Vorwerk

Reiz und Reaktion

Heute, einhundert Jahre später: Die Agenturen des großen Stumpfsinns haben den Berghof gegen das weit profitablere Dschungelcamp und sedierende Ekelproben ausgetauscht. Die Siebenschläfer sitzen nicht auf der Bühne oder am guten Russentisch, sondern im Parkett. Die Gereiztheit steigt, dies mit Grund: den haben sehr viele Menschen, vor allem in Südeuropa, wo mehr und mehr von ihnen sich nicht mal mehr ihr täglich Brot leisten können. Es geht nicht mehr um die Verwöhntheit und Ereignislosigkeit im geborgenen Dasein reicher Lungenkranker während der Liegekur. Gleichwohl bleibt Thomas Mann ein großer Realist. Denn wenn auch sein Geschöpf Leo Naphta ein entgleister Jesuit an der kurzen strammen Leine terroristischer Frömmigkeit und triebkranker Phantasien war, so war er doch auch ein Mann der analytischen Beobachtung. Sie ließ ihn die naiven Enthusiasmen Settembrinis vom hohen Ziel eines vereinten Europa schneidend kommentieren: mit seinem Hinweis auf die europäische Kapitalistenrepublik.

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heide Roscher
heide Roscher (heiro17) - 26.02.2013 22:41 Uhr

Faszinierend

Der Zauberberg - ein Feuerwerk von Vergehen, Tod, Lebenslust. Ein ständiges Auf und Ab, manisch depressiv, vom Feinsten.

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Michael Vorwerk

Herrn Hungers Orte literarischen Geschehens

Auf das Risiko, dem Stupor Reverenz zu erweisen: Der Unterleib, so belehrt mich ein online-Lexikon, sei eine heute noch volkstümlich verwendete Bezeichnung für die Eingeweide des Beckens. Daß die Verarbeitung gelesenen Schriftgutes, bspw. eines Romans, dort stattfindet, ist mir neu. In einzelnen Fällen mag freilich anderes gelten, bspw. für Charles Bukowskis Iliosakralpoesie, eine Art Erbrochenes in Schriftform, das nicht im Blauen Heinrich landete oder gleich im Nachtgeschirr (wo es hingehört), sondern auf Tischen, an denen der Hunger tafelt.

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 26.02.2013 19:33 Uhr
Helga Zießler

Kompliment und Dank, Herr Vorwerk!

Mit Ihren Worten haben Sie Licht (und, ich muss es gestehen, auch herzhaftes Lachen über die "Iliosakralpoesie") in mein armseliges Leben und meinen Frigidaire gebracht ;-)

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Michael Vorwerk

Die Vermessung des Flachlandes

Ich erlaube mir eine Beckmessserei. Florian Illies, anders als Hans Castorp sicher kein ganz einfacher junger Mensch (wissen kann man es nicht), bringt zu Papier: "Am frühen Morgen des 03. Januar setzt sich Mann in München in den Zug. Er liest erst ein paar Zeitungen und Briefe, blickt hinaus auf die schneebedeckten Hügel des Thüringer Waldes…". Hatte Thomas Mann die Bahnfahrt (sie führte ihn nach Berlin) mit der Lektüre von "ein paar Zeitungen und Briefen" begonnen und erst danach den Wald im Winter kontempliert (gelang dem Mann kein multi-tasking?), muß die Lektüre Stunden und Stunden gedauert oder es müssen pfundweise Briefe und Zeitungen auf Händen und Knien des Olympiers gelastet haben. Falls er aber schon während der Lektüre dann und wann zum Fenster rausschaute (wissen kann ich es nicht, vermute es freilich), so frage ich mich bang: Was ist Dichtung, was ist Wahrheit? Vulgo: wo beginnt der Thüringer Wald? Gleich hinter München?

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Jens Hunger
Jens Hunger (hero02) - 26.02.2013 08:30 Uhr

wer ...

... ob der vermeintlichen mannschen ironie wärmegefühle im unterleib bekommt, der muß schon ein armseliges leben führen.

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Hans-Jörg Rechtsteiner

Blickt Castorp in den Spiegel, so sieht er Protsac (Brotsack)

Wen diese Skurrilität neugierig macht, der sollte keine Sekunde zögern und die Internetseite hans-castorp.de von Gerhard Adam besuchen. Dort wird er neben vielen anderen Skurrilitäten auch durchaus seriöse Deutungen, anregende Beobachtungen samt einer verschwenderischen Fülle von Zitaten und Querverweisen zum Zauberberg finden. Höchst unterhaltsam, doch mit beachtlichem Suchtpotential! Dem Bannkreis des Zauberbergs wird man nur noch schwer entkommen. Aber will man das überhaupt?

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Antworten (2) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 26.02.2013 23:13 Uhr
Hans-Jörg Rechtsteiner

Ein kleines Bekenntnis

Über Kunst, liebe Frau Zießler, kann man endlos debattieren. Und weil die Rezeption von Kunst sehr viel mit Neigung oder Abneigung, oft aber einfach nur mit Desinteresse zu tun hat, wird man sich untereinander eben nur dann einig, wenn man auf derselben Wellenlänge liegt. Mein Schwager, immerhin Deutschlehrer, kann TM nichts abgewinnen. Komme ich im Gespräch mit meiner Schwester ins TM-Schwärmen, reagiert er äußerst gereizt. Soll ich mich bei solchen Erfahrungen noch mit TM-Verächtern im Forum prügeln? Sicher nicht.

Ich selbst gebe oft der Versuchung nach, mich abfällig über Autoren, Komponisten, Maler, Architekten, Interpreten, Regisseure zu äußern. Wenn ich's tu, dann mit der Zusatzbemerkung, daß ich nicht die Absicht habe, dem anderen etwa seine Liebe zu einem Künstler oder einem Kunstwerk zu rauben, denn: Liebe ist seliger als Haß. Trotzdem kommt, wer sich intensiv mit Kunst beschäftigt, nicht darum herum, sich ständig entscheiden zu müssen. Heiß oder kalt! Nur nicht lau, bitte!

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Helga Zießler

O je, Herr Rechtsteiner - "Suchtpotential", "Bannkreis des Zauberbergs"?

Ihre "mehr als zeitgemäße Altjüngferlichkeit" (Zitat @Favela Ramirez, 10:02 h) führt doch nicht etwa auch bei Ihnen zu "Wärmegefühlen im Unterleib" (Zitat @Jens Hunger, 08:30h)??

(Hinweis an die Moderation: An dieser Stelle Ironie aus ;-)

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Wilhelm Surmann

Mann,

ist das ein guter Artikel.

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Dr. Andreas Boehmelt

Diese Zuspitzung auf die Zeitenwende in Europa,

In Deutschland, hatte für mich etwas beunruhigendes, aufwühlendes in meinem Leseabenteuer mit diesem ganz ohne jede Übertreibung so bezeichneten Jahrhundertwerk. Das war nicht nur Vergnügen, sondern auch Mühe und Reibung. Eine intensive Zeit, die für mich ein besonderer Schatz ist

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Jürgen Braun

und da ist er wieder. sofort. der deutsche ur- u. untergrund. denn da ist weimar. danke herr

schirrmacher also nochmals.
.
... und der euro löst das deutschtum auf. und haben wir ihn uns nicht selbst zugefügt? gehofft? erhofft? er wäre lethe? ja, es ist womöglich auch viel zauberberg im euro.
.
denn das ist der zbg. auch: eine währung. vielleicht sogar die deutscheste aller solchen. gewogen in buchstaben – und endlich schon 2x bezahlt mit blut, schweiß und tränen? (yes, mr. churchill, indeed, your're so dam.. right!)
.
und ja, solche zeilen, wie die genannten, der gedachten, ewigen, vom schulabbrecher, selbstbilder, flüchtling und verräter und vater thomas mann sind unser höchstes – und gerade eben nicht die "bandera", welche auch immer es sei - "und wollte sie auch die banknoten einen, auf ewig in eins" - es sei uns gesagt?
.
("anleitung zum träumen auf englisch, in englisch?" "man nehme das gehirn winston churchills dazu", wäre unsere kürzeste anleitung, "there ist nothing better in the world, presumably"- und zwar ebenfalls für immer. aber. auch das führte zum wort... .)

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Jürgen Braun

und ein text der weiß, dass er sich selber offen lässt. gerade so wie die "selbstimpfung" womöglich

auf alle möglichkeiten verweist: gift, medizin, narkotikum, droge oder unheilbare lachlust. mit was wir uns da impfen – und wie es sich über tag und stunde zu woche und monat zusammensetzt und weiter- u. zurückentwickelt aus diesem weiter der möglichkeiten, ganz im sinne eines postmodernen polyperspektivismus aus perspektiven und fragmentscherben sich minütlich oder stündlich je und je in uns neu schaffen würde und wollte, von innen nach aussen und zurückwirkend, balancierend, stürzend, stützend, stützend-stürzend und sich wieder aufrichtend (männlich) oder weiter webend, darüber ließe sich trefflich noch weiter ausführen ... , ja.
.
und die heutigen oskars. wie fallen sie ab. jahrwerk nur. vergleichsweise. &auch hier leistet schirrmacher punktlandung. wie intelligent - wie wunderbar!
.
& wer wollte sich noch so setzen. wie herr thomas mann. zur werkpflicht. zu solcher werkpflicht. unserer frau graute davor. sagt sie öfters. und da ist er wieder. sofort. der deutsche ur- u. untergrund.

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Michael Vorwerk

Heidegger in Bereitschaft

Nein, die Lektüre des "Zauberberg" hat Heidegger nicht immunisiert. Er war und blieb der kriminelle Sprachschänder, der Nazi par existence., als welchen Thomas Mann ihn schon längst erkannt und bald auch so genannt hatte. Heideggers hetaera esmeralda kam nicht mit gepuderten Halbkugeln im spanischen Jäckchen daher, sie trug Seitenscheitel und ein Chaplin-Bärtchen. Aus ihrem vergifteten Leibe, dem er beigewohnt, ward ihm die Erhebung, die ihn, na immerhin, bis hoch auf Todtnauberg brachte (wo es übrigens zwei Flecken gibt, die heißen: Vorderes Elend und Hinteres Elend). Ein nächtlicher Besucher, der es dort schlicht langweilig gefunden hätte, schildert einem anderen den Infekt, das Werk der Geißeln, so: "Es ist umgekehrt. Es ist das Gehirn, das nach ihrem Besuche lüstern ist und ihm erwartungsvoll entgegensieht wie du dem meinen, das sie an sich zieht, als ob es sie gar nicht erwarten könnte. … Da siehst du´s, auf die Disponiertheit, die Bereitschaft, die Einladung kommt alles an."

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Benno Beck

Verzaubert...

Als ich dieses Buch vor 10 Jahren zum ersten Mal las war ich restlos begeistert, die schillernde Vielfältigkeit des Lebens konzentriert auf einen kleinen Ort in den Schweizer Alpen. Die originelle Sprache fesselte mich absolut und die stellenweise skurrilen Gestalten und Dialoge ließen mich auch spontan loslachen. So wie man an manch anderer Stelle auch von Rührung ergriffen und von Schaudern berührt wird.
Seitdem mehrfach wieder gelesen und einmal sogar in großen Teilen über mehrere Monate hinweg jemanden vorgelesen.
Für mich ist es das eine Buch das ich wählen würde wenn ich wählen müßte.
Interessante Ergänzung dazu und auch um das politische Lebensgefühl jener Zeit besser zu verstehen ist T. Manns Buch "Betrachtungen eines Unpolitischen"

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 02.03.2013 14:53 Uhr
Josef Füllenbach

Gute Wahl

Mit dieser Wahl des "einen Buches" befinden Sie, Herr Beck, sich in guter Gesellschaft: auch Walter Jens wollte den "Zauberberg" auf die berühmte einsame Insel mitnehmen, freilich ergänzt um das Alte Testament (oder eher umgekehrt den "Zauberberg" als Ergänzung) ... Aber zum Glück werden wir wohl nie vor eine solche Wahl gestellt werden, so dass wir uns an den Joseph-Romanen als weiterer und sehr passender "Ergänzung" erfreuen dürfen.

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Jürgen Braun

ein text wie eine predigt. danke amen. ganz ehrlich. und scheinbar so dringend nötig gewesen.

psychologisch klug greift er reflektierend in sich selbst, und präsentiert - und zutreffenderweise - was er da findet: zeitgeist. und zwar ein solcher, dem ob seiner selbst zwar bang sein könnte, da eben gefühlt genau wie in den letzten kapiteln des zbg., also stumpfsinning und von großer gereitztheit (bekanntlich bis zum ende des großen donnerschlags anhalend) der aber totzdem sehr selbstbewußt daherkommen darf, eben weil er von sich weiß.
.
da liefert er also ein unterfangen der kitzligsten art - und genau zum rechten zeitpunkt. denn das jahr 2013 bald noch das bedenkenswertere, wie man jetzt sieht, als es womöglich das kommende sein könnte: die spannung des bogens kommt vor dem schuß. und auch wir fühlten fast ein wenig ähnlich kabbalistisch - obwohl die zukunft (angeblich) immer so frei ist.
.
% da der zbg. unausdeutbar und nach allen seiten offen, könnten betrachtungen über betrachtungen folgen, anläßlch seiner zeilen, auch von uns. "schon bzgl. des "wir" im apodiktischen eingang"

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Cornelia  Holtmann

Danke für den Artikel.

Ich nehme ihn zum Anlass, jetzt - nach mehr als 20 Jahren - den "Zauberberg" erneut zu lesen. Ich weiß noch, wie als wie ungeheuer spannend und unterhaltsam ich die Auseinandersetzungen zwischen dem dynamischen fortschrittsgläubigen Aufklärer Settembrini und seinem Widerpart, dem totalitären, jesuitisch geschulten Naphta empfunden habe. Mir ging es wie Hans Castorp: Ich gab abwechselnd dem einen und dem anderen recht. (Die kleine Spitze gegen die Jesuiten sehe ich Thomas Mann nach, obwohl ich ja persönlicher Fan der Jesuiten bin.)

Unterhaltsam natürlich auch die ironische Darstellung der "Zauberberg-Atmosphäre", in der die Hypochonder auf die Geschäftemacher treffen.

Es stimmt: Auf den "Zauberberg" muss man sich einlassen. Er liest sich nicht mal "nebenbei". Wer aber Interesse an Weltsichten hat, wer an einer ironisch überspitzten Darstellung von Menschen(typen) Freude hat, für den ist der "Zauberberg" bestimmt großartig.

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Antworten (5) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 26.02.2013 18:53 Uhr
Helga Zießler

Ich danke Ihnen für diesen Tipp, Herr Wilbert

Vielleicht lassen sich ja sogar Lesen und Hören miteinander verbinden.
Ich habe allerdings noch Hör-Kassetten (!), auf denen Thomas Mann selber z.B. Tonio Kröger liest. Und ich vermute, dem kann kaum ein anderer Interpret nahekommen.

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Closed via SSO

Joseph ist auch akustisch genießbar

Sollten Sie für die Bände "Joseph und seine Brüder" nicht genug Muße finden, werte Frau Ziessler, so sei Ihnen das Hörbuch anbefohlen. Selbst dafür braucht man allerdings ein wenig Ausdauer, wird dann aber mit filigran vorgetragenen Köstlichkeiten beschenkt.
In einer literatur- und religionsvergessenen Zeit sind solche Werke jedenfalls ein Fels in der Brandung.

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Helga Zießler

Danke für Ihre Antwort, Frau Holtmann

Leider gibt es so vieles, was ich mir noch zu lesen vorgenommen habe im Ruhestand. Die Zeit wird allmählich zu knapp für alles. Eigentlich wollte ich mich endlich an die Josephsgeschichten von Mann setzen, die meine Tochter mir sehr ans Herz gelegt hat und die unverständlicherweise meist nur ganz eingefleischte Mann-Anhänger kennen. Nun, ich werde sehen, wie weit ich mit meinen guten Vorsätzen komme. Auf jeden Fall ist so ein Anstoß wie Schirrmachers Artikel eine gute Sache.
Ihnen wünsche ich großes Lesevergnügen über Ostern!

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Cornelia  Holtmann

Sie haben schön geschrieben, Frau Zießler,

dass den "Twitterern" Großes entgeht. Aber wir hatten wohl das Glück, in ruhigeren Zeiten jung gewesen zu sein.

Ich habe den "Zauberberg" auch schon als Schülerin gelesen und ehrlich gesagt nicht allzu viel verstanden. Wirklich begeistert war ich dann 15 bis 20 Jahre später, ich hatte mich zwischenzeitlich viel mit Philosophie beschäftigt. Außerdem war ich selbst noch ziemlich lange 'jugendlich-radikal' und sah meine Ansichten - ich muss es leider gestehen - durch Naphta bestätigt.

Versuchen Sie doch noch einmal, den "Zauberberg" zu lesen, heute eben mit Lesebrille. Ich denke, Sie werden ihn jetzt - mit all der Lebenserfahrung, die die Jahre ja so gebracht haben - in ganz anderer Weise schätzen. Ich freue mich auf jeden Fall darauf, er liegt für die Osterferien bereit. (Seit ich nur noch 15 Stunden wöchentlich unterrichte, sind die nämlich korrekturfrei.)

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Helga Zießler

Nach mehr als 20 Jahren, Frau Holtmann,

schreiben Sie... Bei mir sind es noch ein paar Jahrzehnte mehr, die vergangen sind, seit ich den Zauberberg gelesen habe (wie es sich für eine Schülerin in Lübeck natürlich gehörte). Und ich gestehe, die Aspekte, unter denen Herr Schirrmacher jetzt dieses Werk betrachtet, sind mir völlig neu. Aber hochinteressant. Deshalb schließe ich mich Ihrem Dank an.

Ich habe gleich mal nachgeschaut - der Band, der in unserem Bücherschrank steht, ist eine Ausgabe von 1950, aus dem S. Fischer Verlag. Ob ich es jetzt noch einmal schaffe, die 1020 engbedruckten Seiten erneut zu lesen - ich weiß es nicht. Mal sehen. Jedenfalls hat mich eben, beim Blättern, wieder dieser wunderbare Stil entzückt. Was heißt hier "Bildungsliteratur"? Das ist unsterbliche Literatur. Aber die Kinder des Twitter-Zeitalters halten das für "behäbig bräsige Sprache". Schade eigentlich. Nicht für Thomas Mann. Nur für die Twitterer. Die wissen gar nicht, was ihnen entgeht.

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Closed via SSO

Wiedemann lebt

Das geschulte Ohr kann das Raunen Wiedemanns wieder vernehmen.
Er ist zurück, gar stärker und kälter als zuvor.
Warum haben bislang so wenige von seiner Rückkunft erfahren?
Hat das Sanatorium mittlerweile zu viele Zimmer?

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Axel Shwaisz
Axel Shwaisz (LeserXY) - 25.02.2013 16:28 Uhr

Jede Zeit hat ihre großen Werke...

... Thomas Mann schuf Literatur für den Bildungsbürger, Charles Bukowski schrieb Gossenromane, heute gibt es praktisch nur noch leicht Verdauliches (was will man von twitternden Facebookern auch erwarten).
Gerade deswegen zeigt der Mikrokosmos des "Zauberberg" demjenigen, der sich die Mühe macht, wie vielfältig und tragisch menschliches Denken und Fühlen sein kann. Bildungsliteratur eben. Aber dafür hat man heute wohl keine Zeit mehr...

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Christoph Schwiers

Dieses Buch unterhält auch heute noch überraschend gut, und wer es nicht noch einmal lesen will,

...sollte sich für lange Zug- und Autofahrten etc. die Hörbuchfassung von Gert Westphal gönnen - gerade die lustigen Szenen, etwa mit Frau Stöhr, kommen da prima heraus. Hans Castorp würde heute sicherlich kein Laptop oder smartpone mitnehmen oder es versehentlich verlieren.
Guter Mann !

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Antworten (4) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 27.02.2013 12:30 Uhr
Konrad Schemer
Konrad Schemer (JLSorel) - 27.02.2013 12:30 Uhr

Bitteschön

Hörenswert ist die Aufnahme aber allemal, dank Gert Westphal. Und falls Sie sich mit dem Gedanken tragen sollten, noch mehr Thomas-Mann-Lesungen mit Westphal anzuschaffen, wozu ich Ihnen unbedingt raten möchte: die übrigen sind bis auf den 'Joseph' ungekürzt.

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Cornelia  Holtmann

Danke für die Information, Herr Schemer.

Sie kam ein wenig zu spät, ich habe die Hörbuchausgabe schon bestellt. Ich werde sie wohl trotzdem genießen und habe wohl schon Geld für Dümmeres ausgegeben.

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Konrad Schemer
Konrad Schemer (JLSorel) - 26.02.2013 13:57 Uhr

Ja, leider

Ja, leider ist die Lesung mit Gert Westphal insgesamt gekürzt, nicht nur die Gespräche Settembrinis mit Naphta. Ein Sakrileg, wenn Sie mich fragen!

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Cornelia  Holtmann

Guter Tip, Herr Schwiers,

denn Gert Westphal liebe ich sehr. Er hat mir auch Fontane nahegebracht. Den "Stechlin" hätte ich lesenderweise wohl kaum überstanden. Nun finde ich ihn großartig.

Ich gehe aber davon aus, dass die Gespräche zwischen Settembrini und Naphta stark gekürzt sind. Richtig?

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Jens Hunger
Jens Hunger (hero02) - 25.02.2013 14:46 Uhr

manch.....

...... überflüssiges werk kennt die literaturgeschichte. hab nach einigen seiten dieses dahinsiechende monstrum weggelegt und nie wieder angefasst. behäbig bräsige sprache, überflüssige geschichte über einen überflüssigen menschen. charles bukowski war ein literat, thomas mann ein schreiberling für bürohengste.

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Antworten (7) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 26.02.2013 20:02 Uhr
Helga Zießler

Daran besteht nicht der geringste Zweifel, Frau Holtmann

Herrn Hunger geht es nur um den Zauberberg, keinesfalls um Herrn Schirrmacher.

Was die Sache mit der Ironie betrifft, bitte ich um Verzeihung. Ihre "Hoffnung" hat mich etwas irritiert. Alles okay?

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Cornelia  Holtmann

Vielleicht hätte Herr Hunger recht, wenn er über Herrn Schirrmachers Artikel geschrieben hätte.

Das sei dahingestellt, Herr Scheffler. Aber er schreibt leider allein über den Zauberberg, Thomas Mann und Ch. Bukowski.

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Michael Scheffler

Liebe Damen

Ob Herr Hunger ironisch geschrieben hat, sei dahingestellt. Dass Herr Schirrmacher sich mit seinem letzten großen Elaborat "Ego" unsterblich blamiert hat und seine Beiträge seither wahrscheinlich nicht ernst zu nehmen sind, damit hat er Recht!

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Cornelia  Holtmann

Wahrscheinlich ist mir die Gabe, ironisch zu schreiben auch nicht gegeben, Frau Zießler.

Denn ich wollte natürlich - ironisch - ausdrücken, das KANN nicht sein, weil es nicht sein DARF. Denn auch ich befürchte ja nicht nur, dass Herr Hunger ein ernstgemeintes Urteil abgibt, ich bin sicher.

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Helga Zießler

"...kann es nicht sein, dass Thomas Mann und Ch. Bukowski

...überhaupt ernsthaft in einem Atemzug genannt werden".

Das kann man wohl sagen, Frau Holtmann! Aber trotzdem - ich entdecke da immer noch nicht einen Hauch von Ironie.

Aber schließlich - es muss halt jeder nach seiner Facon selig werden.

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Weitere Antworten (2) zu dieser Lesermeinung anzeigen
Cornelia  Holtmann

Mir geht es wie Ihnen, Frau Zießler,

ich habe auch "nicht ein Tüpfelchen Ironie" entdecken können. Allerdings will ich die Möglichkeit nicht ganz ausschließen - die Hoffnung stirbt zuletzt. Und nach dem Motto "dass nicht sein kann, was nicht sein darf", kann es nicht sein, dass Thomas Mann und Ch. Bukowski überhaupt ernsthaft in einem Atemzug genannt werden.

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Helga Zießler

Ironie??

Bei @Jens Hunger ist aber auch nicht ein Tüpfelchen Ironie zu entdecken.

Thomas Mann war ein Meister der Ironie. Aber die zu verstehen, braucht es schon etwas mehr Verstand.

"Auweia" ist die einzig richtige Reaktion auf ein "dahinsiechendes Monstrum", liebe Frau von Czekus ;-)

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23.02.2013, 19:22 Uhr

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