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Aktualisiert: 07.03.2014, 22:05 Uhr

Sibylle Lewitscharoff Keine Halbwesen

„Zweifelhafte Geschöpfe“: Mit ihren Aussagen zur künstlichen Befruchtung sorgte Sibylle Lewitscharoff für Aufsehen. Mittlerweile erhielt sie für ihre Rede von überall her Kritik. Die Autorin selbst hat sich unterdessen entschuldigt.

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© dpa Sibylle Lewitscharoff entschuldigt sich: „Ich möchte den Satz sehr gerne zurücknehmen.“

Am Donnerstag hat Sibylle Lewitscharoff im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung an ihren umstrittenen Äußerungen zur Reproduktionsmedizin noch festgehalten. An diesem Freitagmorgen erklärte sie gegenüber dem ZDF, es tue ihr leid: „Ich möchte den Satz sehr gerne zurücknehmen.“

Hubert Spiegel Folgen:

Die Büchnerpreisträgerin des Jahres 2013 hatte am vorigen Sonntag im Dresdner Staatsschauspiel in einer Rede Kinder, die durch künstliche Befruchtung auf die Welt gekommen sind, als „Halbwesen“ bezeichnet: „zweifelhafte Geschöpfe, halb Mensch, halb künstliches Weißnichtwas“. Dresdens Chefdramaturg Robert Koall warf daraufhin der Schriftstellerin in einem offenen Brief ein „beängstigendes Menschenbild“ vor und distanzierte sich vom Inhalt der Rede.

Kritik aus allen Ecken

Der Suhrkamp Verlag, in dem Lewitscharoffs Bücher seit fünf Jahren erscheinen, ließ am Donnerstag mitteilen, die Haltung, die in der Rede seiner Autorin zum Ausdruck komme, sei nicht mit der des Verlages zu verwechseln. Der deutsche Lesben- und Schwulenverband reagierte schockiert auf die Äußerungen. Jo Lendle, der Verleger des Hanser Verlages, warf der Autorin in einem offenen Brief vor, sie vermische „in diabolischer Weise Dinge, die nichts miteinander zu tun haben“.

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Klaus Staeck, Präsident der Berliner Akademie der Künste, zu deren Mitgliedern die Schriftstellerin gehört, sagte: „Wir weisen den menschenverachtenden Ton und Gestus der Dresdner Rede von Sibylle Lewitscharoff aufs schärfste zurück.“ Für ihr Werk, zu dem unter anderem die Romane „Pong“, „Apostoloff“, „Consummatus“ und „Blumenberg“ gehören, hat die Autorin mehr als ein Dutzend angesehener Literaturpreise erhalten. Die Darmstädter Akademie für Sprache und Dichtung, die Lewitscharoff im vorigen Jahr den Büchnerpreis verlieh, hat sich bislang nicht zu dem Vorfall geäußert.

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