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Neuer Asterix-Band : Die Avantgarde der Antike

Bild: 2013 Les Éditions Albert René

Das größte Abenteuer war die Suche nach Texter und Zeichner: Nach 54 Jahren geht Asterix in andere Hände über. Und der an diesem Donnerstag erscheinende neue Band macht Lust auf mehr davon.

          Anderthalb Millionen. Mit so vielen Exemplaren kommt an diesem Donnerstag der neue Asterix in den deutschen Buchhandel und an die Kioske. Und in Frankreich, dem Ursprungsland dieser erfolgreichsten aller Comicserien, sind es noch mehr: 2,2 Millionen auf einen Schlag, auch heute, denn „Asterix“ wird selbstverständlich weltweit gleichzeitig publiziert, wie es mittlerweile in der Buchbranche bei spektakulären Massenphänomenen üblich ist. Dieses hier ist im Hinblick auf die Startauflage das größte. Was sind dagegen Dan Brown oder „Harry Potter“? Vernachlässigbar.

          Der subtile Witz blieb auf der Strecke

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Nur im Hinblick auf die Geheimhaltung hatte der Comic noch Nachholbedarf, aber das hat nun auch funktioniert. Um den neuen Band, „Asterix bei den Pikten“, wurde trotz einer gewaltigen Werbekampagne ein Mysterium gemacht, und es gelang tatsächlich, den Inhalt bis heute geheim zu halten. Nur wenige Verlagsmitarbeiter und noch weniger Journalisten durften den Comic vorab lesen und keinesfalls darüber sprechen. Denn es steht zu viel auf dem Spiel. Zum ersten Mal liegt „Asterix“ und damit die Zukunft eines Riesengeschäfts in fremden Händen. Der Zeichner und Autor Albert Uderzo, mittlerweile sechsundachtzig Jahre alt, hat nach mehr als einem halben Jahrhundert das Heft aus der Hand gegeben.

          Die Reise führt mal wieder in die Ferne: In dem neuen Asterix-Band „Asterix bei den Pikten“ geht es dieses Mal nach Schottland

          Seit 1977 hatte er „Asterix“ allein gestaltet. Die Serie, begonnen 1959, war gerade volljährig geworden, als überraschend René Goscinny starb, der ursprüngliche Texter. Vierundzwanzig Bände hatte er in achtzehn Jahren verfasst, jeder eine Legende, jeder millionenfach verkauft. Danach übernahm der Zeichner Uderzo auch das Geschichtenschreiben – zum Leidwesen der Liebhaber, denn ihnen fehlten der Witz und die sprühende Phantasie Goscinnys. Je mehr Mühe sich Uderzo gab – in mehr als dreißig Jahren brachte er es nur auf elf Alben –, desto quälender wurden seine Versuche. Schließlich verkündete er 2008, dass niemand nach ihm „Asterix“ weiterzeichnen dürfe. Wenig später verkauften er und die Tochter Goscinnys die Rechte an der Serie teuer an den Buchkonzern Hachette. Aber der wollte mehr als nur eine ertragreiche Backlist. Er wollte neue Geschichten mit Asterix und Obelix.

          Generationenwechsel unter größter Geheimhaltung

          Uderzo aber fühlte sich dafür zu alt, also mussten doch ein neuer Zeichner und, viel schwieriger, ein neuer Texter her. Der an Disney geschulte dynamische Stil von Uderzo hat längst Schule gemacht, Goscinny aber war ein Solitär. Hachette ließ 2010 unter größter Geheimhaltung knapp zwanzig französische Comicszenaristen Proben einreichen. In diesem erst jetzt bekanntgewordenen Wettstreit setzte sich Jean-Yves Ferri durch.

          Ferri ist derselbe Jahrgang wie Asterix: 1959. Er ist ein Garant für Comic-Hochkomik; seine gemeinsam mit dem Zeichner Manu Larcenet publizierte Cartoon-Serie „Le sens de la vie“ (Der Sinn des Lebens, seit 2007) und der von ihm selbst gezeichnete Einzelband „De Gaulle à la plage“ (De Gaulle am Strand, 2007; beides leider noch nicht auf Deutsch erschienen) sind Meisterwerke subtilen Humors. Den Zuschlag für „Asterix“ bekam er auf der Grundlage seiner Idee, die beiden Gallier nach Schottland zu schicken.

          Das Niveau des französischen Originals wird gehalten

          Und so heißt der neue Band nun „Asterix bei den Pikten“ – nach der Bezeichnung, die die Römer für die am Körper auffällig bemalten schottischen Stämme prägten. Wie es bei „Asterix“ üblich ist, geht solches Wissen aus antiken Quellen aber eine enge Verbindung mit unserem modernen Völkerbild ein. Also tragen die Schotten im Comic auch karierte Kilts – eine Errungenschaft viel späterer Jahrhunderte. Der Anfangssatz aller „Asterix“-Abenteuer, „Wir befinden uns im Jahre 50 vor Christus...“, war stets mit einem Augenzwinkern zu verstehen, denn in die Handlungen geht das seither erworbene kulturelle Wissen ein. Von den Höhen jedes „Asterix“-Bandes schauen einundzwanzig Jahrhunderte auf uns herab.

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