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Loslesen in Klagenfurt Durst nach Weihwassern

 ·  Der Bachmann-Wettbewerb wird in diesen Tagen, womöglich zum letzten Mal, in Klagenfurt ausgetragen. Zur Eröffnung gab es Vorschläge, Forderungen, Fin-de-Siècle-Gedanken. Und eine Jurorenbeschimpfung.

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Achtzig Millionen Euro muss der ORF einsparen. So hat es die österreichische Regierung beschlossen, die von 2014 an nicht mehr für die Gebühren mittelloser Fernsehzuschauer aufkommen will. Im Gegenzug griff der Generaldirektor des Österreichischen Rundfunks bekanntlich zu ungeahnten Mitteln.

Weil Alexander Wrabenz wohl schwante, dass ein Musikantenstadl weniger im Jahr niemanden verdrießen würde, erklärte er die Kultur zum Schauplatz seines Rundumschlags. Und kündigte an, dass der ORF ab 2014 die Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt, besser bekannt als Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb, nicht mehr austragen werde, die den Sender gut 350.000 Euro kosten.

Erstmals ist auch Kärnten wieder mit dabei

Das Kalkül ging auf. Zumal bei der Eröffnung des Bachmannpreises in der hellblauen Kulisse des ORF-Landesstudios von Klagenfurt gab es jetzt kaum ein anderes Thema als das angekündigte Ende des seit 1977 ausgetragenen Lesewettstreits. Nachdem sich Karin Bernhard vom Studio Kärnten zu der Behauptung hinreißen ließ, die weltweit einzigartige Veranstaltung habe Klagenfurt zur „Literaturhauptstadt Europas“ gemacht, und anregte, die finanzielle Last auf „mehrere Schultern“ zu verteilen, entgegnete ihr der Klagenfurter Kultur- und Finanzdezernent Albert Gunzer, der ORF müsse zu seinem Bildungsauftrag stehen: „Ich freue mich, dass es Gespräche gibt“, so Gunzer, „aber über eines möchte ich nicht sprechen: über die Einstellung des Wettbewerbs.“

Während der Redaktionsleiter von ORF/3sat, Hubert Nowak, sich in Vergleichen mit anderen Zeitenwenden wie dem Fall der Mauer und dem Fin de siècle als Wegbereiter zweier Weltkriege verlor, erklärte ein Vertreter Kärntens, den Preis werde es geben, solange man an der Macht sei. Dabei engagiert sich das Land nach der Abwahl der FPÖ seit zehn Jahren erstmals überhaupt wieder für den Preis.

Einer dieser Klagenfurt-Momente

„Was Wasser ist, weiß nur der Durstige“, beschrieb mit hintersinniger Ironie Burkhard Spinnen die Situation der letzten zehn Tage, in denen der Juryvorsitzende ein Interview nach dem andern gegeben habe, um Schaden vom Preis abzuwenden. Dass sich Michael Köhlmeier in seiner Eröffnungsrede an einen Auftritt seines 1987 gestorbenen Schriftstellerkollegen Jörg Fauser erinnerte, mit dem gemeinsam er vor dreißig Jahren in Klagenfurt las, zeigte dann abermals die ganze Spannung, die in der black box Klagenfurt steckt. Denn während der Österreicher der Jury von damals auch Jahrzehnte später nicht verzeihen kann, wie vernichtend sie über seinen Freund Fauser hergefallen sei, zeigte der Juror Hubert Winkels denselben Grad der Empörung über Köhlmeiers Auftritt.

Seine Rede sei ein Angriff nicht nur gegen die Kritiker von einst, sondern ebenso auf die gegenwärtige Jury. Da entstand in der lauen Sommernacht des ORF-Gartens dann plötzlich doch einer dieser Klagenfurt-Momente, in denen hitzig und leidenschaftlich um Texte, Sprache und Haltungen gerungen wird.

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