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Klagenfurter Bachmann-Wettbewerb : Gerettet!

Ausgezeichnet mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis: Katja Petrowskaja. Bild: dpa

Eine würdige Preisträgerin, eine bei der literarischen Sache bleibende Jury und zuletzt noch ein Kärntner Sittenstück: Triumph und Groteske beim Klagenfurter Bachmann-Wettbewerb.

          In Klagenfurt sind schon viele verrückte Texte vorgelesen worden. Der absurdeste stammt dieses Jahr zweifellos vom ORF-Generaldirektor, der überraschend zur Preisverleihung des Bachmann-Wettbewerbs auftauchte. Überschrieben hat er seine Groteske mit „Ein Grußwort“. Und schon, als Alexander Wrabetz die ersten Worte sprach, „Der Bachmann-Preis bleibt“, brach tosender Applaus aus.

          Sandra Kegel

          Redakteurin im Feuilleton.

          Der Jubel wollte kein Ende nehmen, dabei wurde im ORF-Theater bloß ein Schelmenstück aus der Realpolitik gegeben, in dem Wrabetz sich als tollkühner Drachentöter jenes Lindwurms gerierte, den er selbst zuvor von der Kette gelassen hatte. Dass er sich für die vermeintliche Heldentat vom Publikum feiern ließ, ist die absurde Volte eines Kärntner Sittenstücks, von dem man nur hoffen kann, dass die Klagenfurter Jury sie als solche entlarvt.

          Denn einerlei, ob es politisches Kalkül oder Zynismus war, mit dem der Österreichische Rundfunk den Preis zum Spielball der Politik gemacht hat, beschädigt hat er ihn damit. Wrabetz hat Klagenfurt aufs Spiel gesetzt, um andere Interessen des Senders gegen politische Entscheidungen zu befeuern, die nichts mit Literatur, aber viel mit Fernsehgebühren zu tun haben. Applaudieren sollte man ihm dafür nicht. In Wahrheit hat nicht der ORF-Mann den „Bewerb“ gerettet, sondern die oft gescholtene Jury, auch wenn ihr das selbst nicht bewusst war.

          Zum Zeitpunkt, als die sieben Juroren ihre Favoritentexte einreichten, deutete nichts daraufhin, dass Klagenfurt bedroht sei. Die diesjährige Auswahl der Autoren, allen voran die bezaubernde Katja Petrowskaja, hat die Notwendigkeit des Preises eindrucksvoll bewiesen. Spielend überflügelte der Jahrgang 2013 das Niveau der vergangenen Jahre und bot der Frage von Sein oder Nichtsein jenseits aller Geldsorgen inhaltlich Paroli.

          Ein Ärgernis gegen manches Meisterliche

          Natürlich fanden sich während des dreitätigen Lesemarathons im stets überhitzten, weil restlos überfüllten Studio Ausreißer nach unten, Texte, die in Klagenfurt nichts verloren haben. Ein Ärgernis war der Vortrag von Nikola Anne Mehlhorn. Die 1967 geborene Hornistin, die es zum Schreiben drängt, las ein Romankapitel über eine gescheiterte Beziehung. Ihre Szenen einer Ehe, hochtrabend mit Requiem überschrieben, entpuppten sich als so schablonenhaft und so voller Phrasen, dass sie auf dem Niveau jener Teebeutel-Sprüche verharrten, die in der Geschichte vorkommen. „Der Text langweilt sich mit sich selbst“, grollte der Juror Paul Jandl, und man konnte nicht widersprechen.

          Wie meisterlich buchstabierte dagegen Heinz Helle, ausgezeichnet mit dem Ernst-Willner-Preis in Höhe von fünftausend Euro, in seiner Chronik der Halbherzigkeit das Auseinanderleben einer Beziehung. Helles Frontbericht vom Kriegsschauplatz einer sterbenden Liebe besticht durch Lakonie, der Sprache, die nicht zufällig an Erich Kästners „Sachliche Romanze“ erinnert. Geradezu unerklärlich ist hingegen der Publikumspreis für Österreicherin Nadine Kegele, deren Text sprachlich wie inhaltlich vollkommen entgleiste.

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