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Judith Hermanns neues Buch : Ricco kann voll gut erzählen

Judith Hermann im Oktober 2014 in Frankfurt Bild: Picture-Alliance

Und wie sind sie jetzt so, die neuen Kurzgeschichten von Judith Hermann? Wir haben statt einer Rezension einfach mal eine Art Abstract erstellt, montiert aus lauter Sätzen des Buches.

          Wie schön Elena gewesen ist! Heiliger Strohsack, sagt Paul. Henry sagte, er sei hier wegen Samanta. Luke ist immer noch krank, und Sammi sieht so aus, als würde er krank werden. Nick klingelt um zehn. Robert macht den Wein auf. Tess macht das verlegen. Ivo und ich waren in unserer ersten Ehe, und wir hatten eine Tochter, Ida. So hatte Selma Bojana kennengelernt. Ricco kann gut erzählen. Um drei Uhr nachts hatte es an der Tür geklingelt, und es war die Frau von nebenan gewesen, sie hatte mit einer triumphierenden Stimme gesagt, das war mein Sohn, Steven Gonzales Soderberg, und ich werde mit ihm nicht mehr fertig. Der Name Frau Rubinstein bekam in unserer Familie den Charakter eines Synonyms. Ricco spricht mit jedem darüber, er sagt es so, wie andere Leute sagen, dass sie gerne Muscheln essen oder jeden Sommer an die See fahren. Wir dachten an seine Mutter, die eine anziehende Frau gewesen war, groß und zerbrechlich, mit einer unnachahmlichen Weise, beim Gehen die langen Beine zu setzen, wie ein Fohlen. Dann wurde ich schwanger, Ziggy kam auf die Welt, und Ricco ging weg. Teresa geht jetzt schon seit Jahren zu Doktor Gupta. Sie wird nicht schwanger. Als Ella vom Fluss zurückkommt, brennt hinter dem Circuswagen ein Feuer, aber Carl ist nicht zu sehen. Bojana ruft Selma an und sagt, komm doch vorbei. Ada kommt mit dem Nachtzug. Sie hat Sophia gefragt, wann stehst du auf? Tess überlegt eine Weile. Dann sagt sie, Barbara und Christopher und Stan? Es war Martha und mir nicht möglich herauszufinden, woher sie diese schrecklichen Namen hatten, und es war nicht möglich herauszufinden, in welchem Verhältnis sie zueinander standen. Das Kind, das sie in Aaron umbenannt haben, der Name Alexej ist ihnen zu hart gewesen, das x in der Mitte dieses Namens zu schwer, sitzt bei ihnen, es soll zu Abend essen, und es hört ihnen zu. Niemand kann das Wort Erdbeeren mit so viel Verachtung sagen wie Paul. Die Erbsen sind sehr gut, sagt Deborah. Patricia sagt, Andre ist krank, er macht es nicht mehr lange. Maude sieht Greta an, ihr liegt eine Frage auf der Zunge. Ich weiß nicht mehr, warum Henry bei Anice anfing, über den Mond zu sprechen. Er sagt, jedenfalls hat Bojana ein Pferd gekauft. Ada darf bei Sophia bleiben. Vincent sagte, ich glaub, ich lass das mit der Schubkarre. Bumpie und Squeekie hatten uns zum Abschied nichts zu sagen. Ada weiß gar nicht, warum sie das sagt. Sie denkt, jeder einzelne Satz, den ich denke, ist ein Abgrund. Zu diesem Zeitpunkt war die Analyse vorbei, und Effi war schwanger.

          Alle Sätze stammen aus Judith Hermann: „Lettipark“. Erzählungen. Verlag S. Fischer, Frankfurt am Main 2016. 188 S., geb., 18,99 €.

          Quelle: F.A.Z.

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