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Jane Austens Sidekicks (VI) : Die neuen Mieter legen Hand an

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Wenn man schon vermieten muss, dann an solche reizenden Menschen: Mrs. Croft (Fiona Shaw) und Admiral Croft (John Woodvine) im Film von Roger Michell. Bild: Filmverleih MFA

Glückliches Kriegsende in Jane Austens letztem Roman: Admiral und Mrs. Croft übernehmen und renovieren den Adelssitz Kellynch Hall. „Überredung“ ist ein diskretes Lob der bürgerlichen Tüchtigkeit.

          „Überredung“ („Persuasion“) ist der letzte Roman Jane Austens und einer der wenigen, deren Handlung zeitlich sehr präzise eingeordnet werden kann: Er spielt nach der Schlacht von Waterloo 1815. Das Vereinigte Königreich hat nach mehr als zwanzig Jahren den Krieg gegen Frankreich gewonnen. Auf den Weltmeeren ist man auf dem Weg zum Empire, im Inneren sieht die Lage 1815 nicht nur rosig aus: Die massive Aufrüstung ist nicht spurlos am Staatshaushalt vorbeigegangen, die Regierung hat ein Schuldenproblem. Gleichzeitig war der Krieg ein riesiges Investitionsprogramm in die Wirtschaft – und ein Katalysator für soziale Aufsteiger. Das gefällt nicht allen.

          Sir Walter Elliot, Baronet auf Kellynch Hall und Vater von Anne Elliot, der Heldin des Romans, ist einer von denen, welchen diese homines novi Unbehagen bereiten. Am Anfang des dritten Kapitels begründet er, warum ihm der Beruf des Seeoffiziers zuwider ist: „Erstens ist er dafür verantwortlich, dass Leute obskurer Herkunft es zu unverdienter Auszeichnung bringen und Männer in ehrenvolle Stellungen gelangen, von denen ihre Väter und Großväter niemals geträumt hätten. Und zweitens verkürzt er die Jugend und Lebenskraft eines Mannes fürchterlich. Ein Seemann altert schneller als alle anderen Menschen.“

          Zu See bewähren sich neue Männer

          Die Royal Navy war im Kampf gegen Napoleon der wesentliche Faktor. Ihr großer Bedarf an Offizieren mit taktischer Kompetenz, Führungsqualitäten und Organisationstalent ermöglichte Männern den Aufstieg, die außer ihrem Können nichts mitbrachten. Keinen alten Namen, keine einflussreichen Verbindungen, keine Vergangenheit. Einzelne dieser Leute, auch noch aktiv gefördert durch Mitglieder der Admiralität, erlangten sogar ein Peerage, den erblichen Adel mit Sitz im Oberhaus. Ein Baronet wie Sir Walter vererbt seinen Titel ebenfalls – aber ohne Oberhaussitz.

          Die Marine hatte ein System etabliert, das erfolgreiche Kapitäne und deren Mannschaften auch finanziell belohnte: Für gekaperte Schiffe gab es Prämien, die nach einem festgelegten Schlüssel an alle Beteiligten ausgezahlt wurden, vom Kommandanten bis zum einfachen Seemann. Die Höhe der Prämie bemaß sich nach der Klasse, dem militärischen Wert und dem Zustand des gekaperten Schiffes. Je intakter – also direkt für die Übernahme in den eigenen Bestand geeignet –, desto höher. Unternehmungslustige Kapitäne konnten sich so mit Glück ein ordentliches Vermögen erobern, Admirale so viel Reichtum, das man davon ein großes Haus wie Kellynch Hall inklusive der dazugehörigen Ländereien mieten oder sogar kaufen konnte.

          Sir Walter lebt auf Pump

          Denn ökonomisch ist die soziale Position von Sir Walter und seiner Familie schon lange nicht mehr gedeckt: Er hat so viele Schulden aufgehäuft, dass man sich den Lebenswandel im großem Haus nicht mehr leisten kann. Ein vorzeigbarer Mieter für Kellynch Hall wird gesucht – und Mr. Shepherd, der Anwalt und Geschäftsbevollmächtigte der Elliots, sieht in den zahlreichen gerade demobilisierten Seeoffizieren ideale Kandidaten. Auch wenn Sir Walter skeptisch ist, die Schulden drücken – mit einem kinderlosen Admiral und dessen Frau, Mrs. Croft, geborener Wentworth, sind schnell die idealen Mieter gefunden. Immerhin ein Admiral, und auch äußerlich noch ganz vorzeigbar.

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