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Veröffentlicht: 19.08.2016, 13:22 Uhr

Sufismus Der größte Feind des islamischen Extremismus


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Torch Festival Of Muslim Sufi Saint Sheikh Zainuddin, Celebrated In Kashmir © Picture-Alliance Vergrößern Vor dem Schrein von Sakhi Zain-ud-din Wali im pakistanischen Aishmuqam

Eines frühen Morgens klingelte mein Telefon, und ich vernahm hinter lautem Rauschen eine männliche Stimme, die auf Französisch sagte: „Wir sind frei!“ Der Anrufer war Suleiman, mit dem ich mich im Jahr zuvor angefreundet hatte. Er weigerte sich, die Terroristen „islamisch“ zu nennen. Sie hatten nichts mit seiner Weltsicht und Prägung gemein. Wer die altehrwürdigen Familien in Timbuktu kennengelernt hat, die seit Generationen die Bibliotheken der Stadt hüten, wer Bildung und Kunst und Poesie wertschätzt, der weiß, dass diese Menschen natürliche Verbündete eines pluralistischen, freiheitlichen Denkens sind.

In Saudi-Arabien würde diese Kunst vernichtet

Die Schlüsse, die wir daraus ziehen müssten, liegen auf der Hand. Mit allen Kräften sollte der Westen die noch vielerorts lebhaften Sufi-Traditionen unterstützen und fördern. Die Realität: Es gibt keinen einzigen Lehrstuhl für Sufismus, kein staatliches Institut, keine am Sufismus orientierte Ausbildung von Lehrern und Ulema. Offizieller ökumenischer Dialog grenzt den Sufismus meist aus, wie das Beispiel des „König-Abdullah-Zentrums für Interreligiösen und Interkulturellen Dialog“ in Wien zeigt, ein Projekt des saudischen Könighauses. Gerade bei institutionellen Interaktionen wird den Exporteuren von Fanatismus die Bettelhand hingestreckt. Seit 1986 etwa haben die ehrenwerte University of Oxford und das Oxford Centre for Islamic Studies 105 Millionen Pfund Förderung aus dem Ausland erhalten, überwiegend von der saudi-arabischen Königsfamilie, aber auch von der Bin-Ladin-Dynastie. Ein Lehrstuhl für Islamische Studien wird vom Emirat Katar finanziert.

Manuskripte von Timbuktu in Gefahr, Mali © Picture-Alliance Vergrößern Die ältesten Manuskripte der Bibliotheken von Timbuktu stammen aus dem 12. Jahrhundert.

Geradezu absurd mutet an, dass ein Flügel im berühmten Ashmolean-Museum in Oxford zu Ehren des Prinzen Sultan bin Abdul Aziz al Saud benannt ist, obwohl kaum ein dort gezeigtes Objekt in Saudi-Arabien ausgestellt werden könnte, einige sogar als Teufelswerk vernichtet werden würden. Doch die Tafel verkündet: „Diese Spende soll ein größeres Verständnis und die Wertschätzung islamischer Kultur weltweit fördern.“

Einer der besten Wege hin zu friedlicher Koexistenz

Laut Schätzungen hat Saudi-Arabien in den letzten Jahrzehnten siebzig bis hundert Milliarden Dollar für die vielleicht aggressivste diplomatische Kampagne der Geschichte ausgegeben. Moscheen wurden gebaut und erhalten, islamische Kulturzentren und Schulen errichtet. Nichtregierungsorganisationen wie die Muslim World League haben weltweit Büros eröffnet, von denen aus wahhabitisches Gedankengut verbreitet wird. Unzählige junge Männer werden durch Stipendien nach Saudi-Arabien gelockt, wo sie in einer siebenjährigen Ausbildung einer Gehirnwäsche unterzogen werden, die nach ihrer Rückkehr zu schweren Konflikten mit althergebrachten Traditionen führt.

Gleichzeitig herrscht auch bei uns Misstrauen gegenüber dem Sufismus, gerade weil er nicht staatstragend, sondern eher widerborstig, eigenwillig, ekstatisch und überdreht erscheint. Zudem meist antiautoritär. Der Staat hingegen braucht verbindliche Strukturen wie auch Texte. Gerade die sufistische Freiheit des spirituellen Weges findet keinen Platz im Regime der starren Institutionen. Das ist jammerschade. Denn die Sufis sind die wichtigsten Gegner der Fundamentalisten. Wo sich ihr Einfluss hält, wird der Extremismus in Schach gehalten. Wenn aber Salafisten an die Macht gelangen, müssen Sufis um ihr Überleben kämpfen. Gewiss, die Unterstützung von Sufis ist kein Allheilmittel, aber es ist einer der besten Wege hin zu friedlicher Koexistenz, erheblich vielversprechender als die offensichtlich kontraproduktive Politik militärischer Einmischung. Denn die baldige Säkularisierung der islamischen Welt ist eine Fata Morgana.

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Von Jürgen Kaube

Mit der Äußerung, Angela Merkel entpolitisiere das Land, ist Martin Schulz über das Ziel hinausgeschossen. Dabei kann die SPD nicht einmal aus dem angeblichen Schweigen der Kanzlerin Angriffsmotive ziehen. Mehr 57 80

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