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Hillary Clintons neues Buch : Wie es mit ihr gewesen wäre

Hillary Clinton Bild: Getty

Die Phantomschmerzpräsidentin: Hillary Clinton hat ein Buch über ihre Niederlage geschrieben. Kritiker werfen ihr vor, eine schlechte Verliererin zu sein. Dabei beschreibt „What Happened“ das, was jetzt auf dem Spiel steht.

          Dies ist ein schmerzhaftes Buch. Nicht allein, weil „What Happened“ von den Schmerzen der Politikerin Hillary Clinton erzählt, der es nicht gelang, Donald Trump zu schlagen und die erste Präsidentin in der Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika zu werden. Sondern auch, weil die Geschichte einer solchen Niederlage nachzulesen nicht angenehm ist, egal, ob man Hillary Clinton mag oder nicht: Man kann sich ausmalen, wie hart es sein muss, amtlich bescheinigt zu bekommen, dass 62 984 825 Millionen Menschen gegen einen sind und es viele darunter gibt, die einen sogar hinter Gitter bringen wollen. Und dann muss man sich klarmachen, dass man das, was man sich da als normaler Mensch so ausmalt, mit 62 984 825 Millionen multiplizieren muss, um dem nahezukommen, was Hillary Clinton empfinden mag. Und vorher, mit anderen Multiplikatoren, Mitt Romney und John McCain und John Kerry – oder George Bush, der 1992 gegen Hillary Clintons Ehemann Bill verlor.

          Tobias Rüther

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          „What Happened“ ist aber auch deswegen ein schmerzhaftes Buch, weil Hillary Clinton zu ergründen versucht, wie es zu dieser Niederlage kam, die weit mehr als eine Niederlage unter vielen Niederlagen in amerikanischen Präsidentschaftswahlkämpfen seit 1788 ist, sondern ein Wendepunkt. Der zweideutige Titel fängt das sehr gut ein: Was geschehen ist, lautet er übersetzt, aber eben auch: Was ist nur geschehen?

          Und dann ist es gar nicht mehr allein die Geschichte der gescheiterten Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton, sondern wird zur Geschichte unserer polarisierten Verhältnisse: in der Hass, Ressentiment, Rassismus und Aggressivität in einem Ausmaß in die politische Auseinandersetzung zurückkehren, wie man das in der westlichen Welt seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr erlebt hat. Auf fast jeder der fünfhundert Seiten von „What Happened“ steht man mitten in dieser Auseinandersetzung. Und sie ist ja auch hier in Deutschland längst nicht vorbei.

          Natürlich stillt das Buch auch voyeuristische Impulse. Natürlich sucht man auch nach Stellen. In den frühen Stunden des 9. November 2016, als dann klar war, dass Hillary Clinton es nicht geschafft hatte, und der Sieger sich von seinen Anhängern feiern ließ, legte sich die Verliererin auf ihr Hotelbett in New York, kaum fünf Minuten von Trumps Party entfernt: „Ich hatte noch nicht geweint“, schreibt Hillary Clinton, „war mir auch nicht sicher, ob ich es noch tun würde. Aber ich fühlte mich derartig erschöpft, als hätte ich seit zehn Jahren nicht mehr geschlafen. Wir legten uns aufs Bett und starrten an die Decke. Bill nahm meine Hand, und dann lagen wir nur da.“

          Das sind die betäubenden Schmerzen der Niederlage, von denen Hillary Clinton erzählt. Wie war das, als in der Nacht vom 8. auf den 9. November nach und nach alles auseinanderfiel? Und sich die Vorhersagen nicht bewahrheiteten, die Clinton als Siegerin gesehen hatten? Wer war bei ihr, was hat sie getan? Hat sie getobt, geheult, in den Fernseher geschossen? Gab es Pizza? (Ja.) Und es gab Chardonnay für die Verliererin, in den Wochen danach, daheim in Chappaqua. Und Bücher des deutschen Theologen Paul Tillich, Yoga und Atemtechnik und tröstende Anrufe von George W. Bush: „Er schlug vor, wir sollten zusammen Burger essen gehen. Ich glaube, das ist Texanisch für: ,Ich weiß, wie du dich fühlst.‘“

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