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Shortlist zum Buchpreis : Wer wir sind und wie wir leben

Da waren es nur noch sechs: Die Werke in der engsten Wahl zum Deutschen Buchpreis 2017 Bild: Petra Gass / Börsenverein

Welcher Roman erhält den Deutschen Buchpreis 2017? Die Jury hat die engste Auswahl verkündet. Die Hälfte aller Titel stammt von einem einzigen Verlag, ein Drittel von einem zweiten.

          Die Nachricht, dass der Suhrkamp Verlag mit gleich drei von sechs für den Deutschen Buchpreis nominierten Romanen auf der diesjährigen Shortlist für die wichtigste Auszeichnung eines einzelnen Romans im  deutschsprachigen Raum vertreten ist, ist spektakulär. Die Jury wird es sich nicht leicht gemacht haben, zumal es diese Konstellation vor fünf Jahren schon einmal gegeben hat, am Ende der Berliner Verlag dann aber leer ausgegangen war. Und doch ist die Entscheidung überzeugend, denn mit dem aufregenden Debüt „Außer sich“ der jungen Autorin Sasha Marianna Salzmann hat das deutschsprachige Lektorat des Verlags tatsächlich einen Fund gemacht. Und auch Marion Poschmanns leichthändige Freundschaftsreise durch Japan, „Die Kieferninseln“, überzeugt als Prosa, während Robert Menasse mit seinem situationskomischen Roman „Die Hauptstadt“, der Schilderung des Brüsseler Beamtenmilieus, ein Buch der Stunde geschrieben hat.

          Sandra  Kegel

          Redakteurin im Feuilleton.

          Das lässt sich aber auch für Franzobels Roman „Das Floß der Medusa“ sagen, erschienen im zu Hanser gehörenden Zsolnay-Verlag, eine Parabel auf menschliche Schwäche und Gewaltbereitschaft, die zurecht als Frühjahrstitel aus der Menge der eingereichten Titel herausgefischt wurde. Außerdem nominiert sind Gerhard Falkners soeben erschienener Roman „Romeo oder Julia“ (Berlin Verlag) sowie Thomas Lehrs Jahrhundertbetrachtung „Schlafende Sonne“ (ebenfalls bei Hanser), der schon jetzt hoch gehandelt wird. Nicht vertreten auf der Liste ist hingegen Ingo Schulzes vorab gepriesener kapitalismuskritischer Schelmenroman. Vor allem die Frage, wer wir sind und wer wir sein wollen, ziehe sich thematisch durch alle diese Werke, sagte Jurysprecherin Katja Gasser vom Österreichischer Rundfunk.

          Es bestehe nach der Lektüre kein Zweifel: „Die Idee Europa, sie steht immer, im Besonderen gegenwärtig, auf dem Spiel, und es ist an uns Zeitgenossen, verantwortlich, und das heißt auch kühn, zu handeln.“

          Der Deutsche Buchpreis 2017 zeichnet den deutschsprachigen Roman des Jahres aus. Der Preisträger oder die Preisträgerin erhält ein Preisgeld von 25.000 Euro, die fünf Finalistinnen und Finalisten erhalten jeweils 2500 Euro. Die Preisverleihung findet am 9. Oktober zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse im Kaisersaal des Frankfurter Römers statt.

          Die Jury in diesem Jahr: Tobias Lehmkuhl (l.), Maria Gazetti, Katja Gasser, Lothar Schröder, Silke Behl, Mara Delius und Christian Dunker
          Die Jury in diesem Jahr: Tobias Lehmkuhl (l.), Maria Gazetti, Katja Gasser, Lothar Schröder, Silke Behl, Mara Delius und Christian Dunker : Bild: Christina Weiß

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