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Buchhändler Waterstones : Am Ende ein netter Gewinn?

Aktuell geht es für die britische Buchhändler-Kette Waterstones wieder bergauf. Bild: Picture-Alliance

Von wegen Krise: Die Zukunft von Waterstones sah düster aus, jetzt legt Englands größte Buchhandelskette wieder zu. Dabei hilft ein neuer Besitzer.

          Vor sieben Jahren hat James Daunt sein relativ komfortables Dasein als Buchhändler an der Spitze des exklusiven kleinen Unternehmens, das er mit sechsundzwanzig Jahren in London gegründet und zum Erfolg gebracht hatte, gegen die Geschäftsführung des Verlust machenden Filialisten Waterstones getauscht. Die Zukunft sah düster aus. Die größte Buchhandelskette des Landes stand vor dem Konkurs. Ein Chor von Unkenrufern malte sogar das Ende des gedruckten Buches an die Wand. Alle zitterten vor der Digitalisierung und dem übermächtigen Online-Verkäufer Amazon. Daunt hat die Schwarzmaler widerlegt.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Waterstones schreibt seit 2016 wieder schwarze Zahlen; im vergangenen Finanzjahr stieg der Gewinn sogar um achtzig Prozent auf achtzehn Millionen Pfund. Statt sich, wie am Anfang von Daunts Regiment, weiter gesundzuschrumpfen, eröffnet Waterstones neue Filialen, sowohl unter dem Markennamen als auch in kleineren Städten in der Form von Läden, die den Ortsnamen tragen und den Charakter von unabhängigen Handlungen haben.

          Als sich bereits abzeichnete, dass sein Sanierungsplan fruchten werde, erwiderte Daunt auf die Frage, weshalb er sich den Job bei Waterstones angetan habe, dass der Niedergang von Waterstones die gesamte Branche in Mitleidenschaft gezogen und auch für seinen nach ihm benannten Betrieb von sechs Läden gravierende Folgen gehabt hätte. In einem fragilen Umfeld kommt den Geschicken der einzigen übrig gebliebenen nationalen Buchhandelskette mit ihren rund dreihundert Niederlassungen freilich eine besondere Bedeutung zu.

          Filialen werden autonomer

          So horchte die Branche besorgt auf, als im vergangenen Jahr ruchbar wurde, dass der Oligarch Alexander Mamut, der Waterstones 2011 der strauchelnden HMV-Gruppe für 53 Millionen Pfund abgekauft und Daunt mit der Leitung betraut hatte, selbst durch seine Beteiligung an der rettungsbedürftigen russischen Privatbank Okritie in Bedrängnis geraten sei.

          Nun, da der aktivistische Investor Elliott Advisors die Mehrheitsanteile an Waterstones für einen ungenannten Betrag erworben hat, äußern Stimmen die Befürchtung, der britische Arm der für ihre aggressive Strategie bekannten amerikanischen Anlagefirma Elliott Management wolle das Unternehmen bloß ausschlachten. Daunt, der als Geschäftsführer bleibt, versucht diese Bedenken zu zerstreuen mit der Einschätzung, dass die neuen Besitzer den vor zwei Jahren eingeleiteten Expansionskurs fortsetzen wollten, um den Unternehmenswert zu steigern und die Firma dann für einen „netten Gewinn“ verkaufen zu können. Das sei schließlich das Geschäft von Privatkapitalanlegern. Daunt sieht das Interesse des Hedgefonds als Bestätigung des „guten altmodischen Buchhandels“.

          Obwohl er sich zwischendurch auch mit dem Erzfeind Amazon einließ, als er 2012 ein Abkommen über den Verkauf von Kindle-Lesegeräten bei Waterstones abschloss, ist Daunts Vertrauen in das gedruckte Buch nie erschüttert worden. Er hat auf das Filialgeschäft ähnliche Prinzipien angewandt, wie in seinen eigenen auf Qualität und kenntnisreiche Bedienung setzenden Buchhandlungen, indem er einzelnen Verkaufsstellenleitern Verantwortung für ihr Sortiment übertrug. Statt erdrückender Einheitlichkeit wird auf die jeweilige Klientel zugeschnittene Eigenständigkeit gefördert, mit dem Erfolg, dass es kaum noch Remittenden gibt.

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