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Deutsch-englisches Verhältnis Bewundernswert, ist es nicht?

Hoch lebe der deutsche Genius: Der britische Historiker Tom Holland sieht trotz der Euroskeptiker Signale für ein besseres Verhältnis zwischen England und Deutschland.

© Dwayne Senior Vergrößern Entdeckt Deutschland: Tom Holland an seinem Londoner Arbeitsplatz

Simon McDonald, der Botschafter des Vereinigten Königreichs, hat soeben in einem Leserbrief an diese Zeitung dargelegt, die Europäer identifizierten sich immer noch am meisten mit ihren Nationalstaaten, weswegen die nationalen Parlamente mehr Einfluss auf Brüssel und Straßburg haben sollten - und nicht weniger. Die Einlassung illustriert ganz gut den Befund, den Georg Boomgaarden, Deutschlands Botschafter in London, im vergangenen Herbst in einem Gespräch mit dem „Guardian“ lieferte. Die Beziehung zwischen dem Vereinigten Königreich und Deutschland sei nicht symmetrisch. Die beiden Länder bewunderten sich gegenseitig, täten dies aber zu verschiedenen Zeiten.

Hannes Hintermeier Folgen:

Derzeit zeigt der Bewunderungspfeil offenkundig von der Insel Richtung Kontinent. Und das, obwohl die unterschiedlichen Zeitzonen gerade nach der Referendumsrede des konservativen, euroskeptischen Premierministers David Cameron überdeutlich hervortreten? „Trotzdem, die Zeit Stereotypenkeule ist vorüber“, behauptet Tom Holland. Für ihn ist offensichtlich, dass seine Landsleute ein Deutschland wiederentdecken wollen, das sie inmitten in der Euro-Krise „als Fels in der Brandung“ bewundern.

Der Mann, der solche euphorischen Komplimente verteilt, ist kein Zeit-, sondern Althistoriker. Aber als hellwacher Exponent der jüngeren englischen Historiker-Generation, die es versteht, Fachwissenschaft und Verkaufserfolg zu kombinieren, lässt er sich von gedanklichen Grenzpfählen nicht aufhalten. Drei Bücher hat Holland vorgelegt („Millennium“. Die Geburt Europas aus dem Mittelalter, deutsch 2009; „Persisches Feuer“. Ein vergessenes Weltreich und der Kampf um Europa, 2011; „Im Schatten des Schwertes“. Mohammed und die Entstehung des arabischen Weltreiches, 2012).

Gemeinsame Geschichte

An einer Universität unterrichtet hat Holland nie; auf der Insel nennt sich seine Lebensweise vornehm „gentleman scholar“; diese schließt mit ein, dass der lebhaft argumentierende Mittvierziger ein Vorleben hat - als Autor von Vampir-Romanen. Mit einer soliden historischen Ausbildung in Oxford und Cambridge ist eben einiges möglich. Im Jahr 1968 geboren, ist Tom Holland so recht ein Erziehungsprodukt der Thatcher-Zeit. „Als ich aufwuchs, war die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg noch immer sehr lebhaft. Das hatte zwei Gründe: die Tatsache, dass Britannien den Krieg gewonnen hatte und gleichzeitig ganz massiv von Deutschland überholt worden war. Der Triumph des Siegers mit dem Selbstmitleid des Verlierers - eine giftige Mischung.“

Diese Einstellung habe sich indes gründlich verändert. Die in Deutschland ausgetragene Fußball-Weltmeisterschaft 2006 gilt auch ihm als der große Katalysator. Vielen Briten, die zu den Spielen anreisten, habe einfach gefallen, was sie dort erlebten, auch wenn sie immer noch Frankreich als Urlaubsland bevorzugten, meint Holland.

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Auf dem Buchmarkt habe es zuletzt wichtige Signale gegeben. Noch 2006 hatte der Historiker John Ramsden mit dem Buch „Don’t Mention the War“ - der Titel zitiert John Cleeses legendäres Memento aus der Fernsehserie „Fawlty Towers“ - noch die Position vertreten, das deutsch-englische Verhältnis sei schwer gestört. Dann erschienen vor zwei Jahren zwei wichtige Bücher, die eine gegenteilige Auffassung vertraten: Peter Watsons Tausendseiter „Der deutsche Genius“, eine Geistes- und Kulturgeschichte, und „Germany, oh Germany. Ein eigensinniges Geschichtsbuch“ von Simon Winder, eine Reise durch das unbekannte Land der Dichter und Denker. Beide Bücher werben für die Wiederentdeckung der gemeinsamen Geschichte und geistesgeschichtlichen Tradition. In diesem Jahr jährt sich etwa die Völkerschlacht von Leipzig zum zweihundertsten Mal, in der Briten und Preußen als Alliierte gegen Napoleon kämpften; nächstes Jahr folgt der dreihundertste Jahrestag der Thronbesteigung Georges I., des ersten englischen Königs aus dem deutschen Haus Hannover.

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Veröffentlicht: 06.02.2013, 22:45 Uhr