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Datenschutz in Bibliotheken : Sie nennen es Service, dabei ist es Torheit

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Demokratische Rückbindung fehlt

Die Leiterin der Deutschen Nationalbibliothek, Elisabeth Niggemann, hatte damals als federführende Exekutiva diese von jeder politischen Phantasie unbefleckte Entscheidung im Sinne einer Koalition der Willigen mit der gängigen Phrase gerechtfertigt, man wolle „die bibliographischen Daten einem möglichst großen Nutzerkreis zugänglich machen“. Dass man damit aber zugleich deutsche Leser auf amerikanische Server lenkt und die dort gehorteten und datenschutzrechtlich prekären Personenprofile weiter anreichert, war keiner Risikoabwägung wert. Man wolle Google keine Konkurrenz machen. Dass ausgerechnet das deutsche Bibliothekswesen die Waffen streckt, wenn es um eigenständige Katalogisierung geht, ist ein historisches Novum.

Wer aber weiß, was von deutschen Bibliothekaren zuverlässig erarbeitete Datensätze mit vielen Eigennamen und validen ISBNs in diesem Marktsegment wert sind, der weiß auch, dass hier das so reich mit überquellenden Anschaffungsetats gesegnete deutsche Bibliothekswesen dem völlig verarmten Unternehmen aus dem Valley eine bedeutende Subvention hat zukommen lassen. Ist das wirklich ein Service für Leser und nicht vielmehr ein Abgrund an Torheit? Oder Ausdruck eines tiefen Verlangens, sich auch einmal im Kreis der global player in Schale werfen zu dürfen (für einmal: „Ich und Eric Schmidt“)? Dass aber eine Entscheidung von solcher Bedeutung von Verwaltungsdirektoren ohne jede öffentliche politische Diskussion, ohne irgendeine parlamentarische Rückkoppelung getroffen werden konnte, ist unverzeihlich und wird sich rächen.

Ohne Risikoanalyse

Schlimm ist die politische Phantasielosigkeit schließlich, wenn es um die Frage der Etablierung großer internationaler Bibliotheksdatenbanken geht, die mittelfristig nationale und regionale Kataloge überflüssig machen sollen. Dieser nur allzu konkrete Traum mancher IT-betrunkener Bibliotheksfunktionäre wäre, weit entfernt davon, die Entwicklung von Wissen zu fördern, die ideale Vorbereitung zum Super-GAU einer Informationsgesellschaft. Denn diejenigen, die dann das Sagen und die dazugehörigen Server hätten, könnten, bei Wegfall lokaler Recherchemöglichkeit und der propagierten Komplettumstellung auf Digitalia, durch einen einzigen SQL-Befehl bei Bedarf (politischem oder sonstigem) ganze Wissensbereiche aus der Zirkulation werfen – der vollendete Horror.

Das 2012 aufgelegte Förderprogramm der DFG zur „Neuausrichtung überregionaler Informationsservices“ führt direkt in Richtung dieses Abgrunds. Der bewilligte Antrag „Cloudbasierte Infrastruktur für Bibliotheken“ sieht vor, regionale und Verbundsysteme tendenziell in amerikanische Cloudsysteme aufzulösen, die die Katalogisierung, die gesamte Verwaltung der Metadaten übernehmen. Ich erspare mir, die vollmundigen Anpreisungen dieser wahrhaft apokalyptischen Errungenschaft zu zitieren. Hier ist einer technischen Phantasie freier Lauf gelassen worden, offenkundig ohne dass je über die Risiken solcher Systemtransformationen nachgedacht wurde.

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