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Büchermarkt : Alle gegen Amazon

Bei der Pariser Buchmesse zeigte sich, dass langsam Initiativen gegen die konkurrenzlose Vorherrschaft von Amazon auf dem Buchmarkt entstehen. Aber das reicht nicht. Es fehlt an neuen Ideen und Impulsen.

          Alle redeten über den großen Abwesenden. „Die Buchhändler haben einen Feind“, schrieb eine Zeitung. Und die Verleger auch. Der war beim Pariser Buchsalon, der Anfang der Woche zu Ende ging, zwar omnipräsent, blieb aber auf gespenstische Weise unsichtbar: Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren verzichtete Amazon auf einen eigenen Stand. Begründet wurde diese Abwesenheit mit „Imageproblemen“: Ein Feindbild stellt sich nicht zur Schau.

          Sowohl die deutsche Fernsehsendung, in der die Arbeitsbedingungen angeprangert wurden, wie die Aufforderung von Günter Wallraff an seinen Verleger, seine Bücher nicht bei Amazon zu verkaufen, fanden in Frankreich ein erstaunliches Echo - und im Amazon-Auslieferungslager in Leipzig steht bis Donnerstag nach Ostern eine Urabstimmung über Streik an. „Die Kunden kaufen ihre Bücher, wo sie wollen, aber sie müssen wissen, was sie tun“, mahnt der Geschäftsführer der Verlagsgruppe Payot. Vielleicht sind solche Aufrufe an das kultivierte und aufgeklärte Publikum wirksamer als die im Kampf gegen Kinderarbeit und Ausbeutung in der Dritten Welt. Aber es braucht Alternativen. Und langsam kommen sie auch.

          Der Feind steht fest

          Fünfzig Pariser Buchhandlungen wollen sich im Internet zusammenschließen, um Auskunft darüber geben zu können, welches Buch wo unmittelbar im Sortiment zu finden ist. Auch die Lieferung bestellter Bücher muss verbessert werden; da ist Amazon im ländlichen Frankreich konkurrenzlos. Bei den E-Books werden Allianzen geschlossen, die es dem Leser ermöglichen sollen, den geschlossenen Systemen der amerikanischen Giganten zu entkommen. Dass entsprechende Projekte staatlich gefördert werden sollen, ist nationaler Konsens. Am letzten Tag der Buchmesse, an dem das allgemeine Publikum draußenbleiben musste, hat die Kulturministerin ihr angekündigtes Hilfsprogramm vorgestellt. Fünf Millionen Euro werden bereitgestellt, um die akuten Geldprobleme der Buchhändler zu lösen. Weitere vier Millionen gehen an die „Vereinigung für die Entwicklung schöpferischer Buchhandlungen“ - damit sind die besonders bedrohten Klein- und Quartiersbuchhandlungen gemeint. Das Ministerium will einen „médiateur“ einsetzen, der bei Konflikten vermitteln soll.

          Nur gibt es leider keine neuen Ideen und keine Impulse. Nicht einmal die Frage, ob der erlaubte Rabatt von fünf Prozent auf den Fixpreis für Bücher bleibt oder nicht, kann beantwortet werden. Angekündigt wird hingegen, dass mehr Beamte mit der Überwachung dieser gesetzlichen Preisbindung beauftragt werden. Deren Missachtung wird Amazon, das keine Portokosten verrechnet, vorgeworfen. Ja, der Feind steht fest. Aber mit Sündenböcken allein macht man keine gute Kulturpolitik.

          Jürg     Altwegg

          Kulturkorrespondent mit Sitz in Genf.

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