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Bücher zur Fußball-WM : Spiel der Zahlen

Fit sein für die Weltmeisterschaft: Russische Polizisten bei einer Einsatzübung vor dem Stadion in Sankt Petersburg Bild: AFP

Die Fifa und ihre Repräsentanten sind ein Inbegriff der Korruption und des Nepotismus. Trotzdem fiebern wir der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland entgegen. Warum eigentlich? Vielleicht verraten uns das neue WM-Bücher.

          Das einzig Positive, was man der Fifa nachsagen kann, hat sie nicht gewollt. Es ist die Kraft, alle gegen sich aufzubringen. Der Weltfußballverband führt Positionen zusammen, die ohne ihn nie zusammenkämen. Die Fifa und ihre Repräsentanten sind für alle ein Inbegriff der Korruption und des Nepotismus, der gnadenlosen Kommerzialisierung des Fußballs und des willfährigen Paktierens mit autoritären Regimes. Bücher über die Fifa heißen „Fifa-Mafia. Die schmutzigen Geschäfte mit dem Weltfußball“ oder „The Ugly Game. The Corruption of Fifa and the Plot to Buy the World Cup“. Mittlerweile ist die Fifa im Visier diverser Strafverfolgungsbehörden, sie ist unfähig zu wirklichen Reformen und wird dabei immer reicher. Allenfalls Nordkorea ist noch unbeliebter, wenngleich Kim Jong-un hart daran zu arbeiten scheint, den letzten Tabellenplatz in der Liga des Bösen zu verlassen.

          Peter Körte

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Zugleich ist die Fifa die Instanz, die über das Schicksal des Fußballs auf der ganzen Welt bestimmt. Sie hat mehr Mitgliedsländer als die Vereinten Nationen, sie thront über den nationalen Verbänden, sie hat unter dubiosen, bis heute nicht ganz geklärten Umständen die Fußballweltmeisterschaften 2018 und 2022 an Russland und Qatar vergeben – an eine, euphemistisch gesagt, „gelenkte Demokratie“ und an eine monarchische Diktatur mit kapitalistischer Fassade.

          Für jeden, der den Fußball liebt, ist diese Konstellation eine Herausforderung. Denn wenn das Feindbild so eindeutig ist, wenn sogar das sogenannte „Sommermärchen“ Resultat undurchsichtiger Deals war – warum kehren dann nicht die Fußballbegeisterten dieser Welt dem Fifa-Business den Rücken? Weshalb fiebert man trotz schwerster politischer und moralischer Bedenken der Weltmeisterschaft in Russland entgegen, die am 14. Juni eröffnet werden wird?

          Was ist aus dem Weltfußball seit den 70ern geworden?

          An dieser Frage arbeiten sich auch einige der vielen Bücher ab, die zur WM erscheinen. Stefan Gmünder und Klaus Zeyringer nennen ihre Kampfschrift „Das wunde Leder. Wie Kommerz und Korruption den Fußball kaputt machen“, und am Ende gibt es noch ein „Manifest wider die Sportdiktatur“, das Zeyringer mit dem Schriftsteller Ilija Trojanow verfasst hat und das zum Boykott der WM auffordert: „Schauen wir uns kein einziges Match an! Wir sind keine Quotenbringer, keine dummen Schafe, keine dumpfen Konsumenten – wir sind wahre Fußballfans!“

          Das klingt ein bisschen so, wie die deutsche Mannschaft um das Jahr 2000 Fußball spielte: mit der Brechstange. Und es hat zugleich einen kuriosen asketischen Zug. Wenn die Boykotteure während der WM standhaft verkünden werden, aus politischen Gründen das Superspiel gestern Abend verpasst zu haben, wird das die Anti-Fifa-Causa kaum voranbringen. Selbstkasteiung im Wohnzimmer hat noch nie eine kollektive Bewegung hervorgebracht.

          Dieser Appell zur moralischen Selbstüberforderung übersieht eben auch, dass der Fußball im globalisierten Kapitalismus keine Insel der Seligen sein kann. Tatsächlich hat er der durchgreifenden Kommerzialisierung länger widerstanden als andere Branchen. Und genau daraus speisen sich auch die Hoffnungen der Fans, das Spiel und seine Anhänger könnten ein Bollwerk sein gegen die fortschreitende Kolonialisierung der Lebenswelt. Diese Entwicklung von Kommerzialisierung und dem Widerstand gegen sie haben Gmünder und Zeyringer im Zeitraffer ja noch einmal resümiert. Und wenn das meiste davon auch bekannt und die Autoren vor einigen plakativen Thesen nicht zurückscheuen, ist es doch hilfreich, noch einmal kompakt vorgeführt zu bekommen, was aus dem Weltfußball seit den siebziger Jahren geworden ist: Wie die Fifa als Monopolist immer mächtiger und reicher wurde, wie sie in den Ländern, in denen die WM stattfindet, im Stil einer Besatzungsmacht auftritt und Steuerfreiheit genießt. Es klingt fast schon resigniert, wenn die Autoren konstatieren: Weder skrupellose Funktionäre noch Doping, Korruption, Steuersünden oder Pädophilie „scheinen der Premiummarke Fußball etwas anhaben zu können“.

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