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Viktor Jerofejew : Es gibt keine eindeutigen Antworten

  • Aktualisiert am

Viktor Jerofejew Bild: Klein, Nora

Die Gefahren unseres hochtechnologischen Zeitalters sind kaum zu kontrollieren. Dennoch ist die Vorstellung staatlicher Überwachung unerträglich.

          Das Leben eines Schriftstellers spielt sich vor aller Augen ab. Dem Schriftsteller ist ein unwillkürlicher, notwendiger Exhibitionismus zu eigen. Als Schriftsteller fürchte ich die staatliche Überwachung nicht. Als öffentliche Figur sollte ein Schriftsteller darauf vorbereitet sein. Denn sie kündet von der Qualität seiner schriftstellerischen Unabhängigkeit. Im Jahr 1979, als ich in der Sowjetunion den Untergrund-Literaturalmanach „Metropol“ organisierte, folgten mir Tag und Nacht vier KGB-Mitarbeiter aus der Überwachungsabteilung. Nächtens durchsuchten sie schamlos mein Auto. Ich war jung. Ich war stolz, dass ich diesen Leuten Arbeit gab. Ein Schriftsteller darf kein Freund des Staates sein.

          Aber der Schriftsteller ist eine Sache, die andere ist der Normalbürger. Als Bürger hasse ich die bloße Vorstellung staatlicher Überwachung und finde, das wir den Staat überwachen sollten, weil von ihm alle möglichen Gemeinheiten zu erwarten sind, und nicht umgekehrt.

          Aber ich verstehe auch die fast hysterische Sorge Amerikas und anderer westlicher Staaten angesichts der Unvorhersehbarkeit von Terrorakten. In unserer Zeit, da sich die Hochtechnologie in rasendem Tempo entwickelt, können Terroristen Zugang zu Kernwaffen erlangen oder mit irgendwelchen elektronischen Steinschleudern Passagierflugzeuge abstürzen lassen. Das ist schrecklich. Und wie kann man kontrollieren, wo für diese Staaten die Terrorbedrohung nur ein Vorwand ist und wo sie wirklich unsere Zivilisation schützen wollen? Es gibt keine Antwort darauf, weil Staaten niemals eindeutige Antworten geben.
           

          Viktor Jerofejew, Jahrgang 1947, lebt in Moskau. Er veröffentlichte zuletzt den Roman „Die Akimuden“.

          Quelle: FAZ.NET

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