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Ralf Bönt : Arithmetik des Daten-Ich

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Ralf Bönt Bild: Friedrich, Brigitte

Unsere Identitäten werden von Datenfirmen und staatlichen Überwachern nach Belieben zerstückelt und zusammengesetzt. Die Integrität der Persönlichkeit ist aber ein viel zu hoher Preis für den Zugang zu Technologien.

          Sicher, bislang ist nicht viel passiert: Wenn beim Online-Flohmarkt die Nachricht zensiert wird, ist dies vielleicht nicht wirklich anders, als sich der Galerist gegenüber seinen Künstlern verhält. Wenn ich im sozialen Netzwerk durch Ermüdung dazu gebracht werde, die Übersicht darüber, was ich zu wem sage, abzugeben, ist dies aber schon anders als die stille Post in einem Dorf, einer Fußballmannschaft oder Partei. Es berührt unangenehm. Letztens brachte es Google dann fertig, meine sauber getrennten E-Mail-Konten durcheinanderzubringen. Ich wurde dauernd wo von wem addiert, ohne zu wissen, wieso, zugestimmt zu haben oder die virtuelle Landschaft, in die ich addiert wurde, zu kennen. Privates und Berufliches kamen durcheinander. Mit dem Löschen aller Konten war leider auch ein Video der Writers’ League weg und frühe Versionen des Romans, an dem ich arbeite. Es hätte Tage gebraucht, das zu sortieren. Umsonst gibt es eben nichts, auch nicht Speicherplatz. Meine Integrität ist als Preis aber undenkbar. Sich selbst zu subtrahieren suggeriert auch noch einen Rest Souveränität. Es wird jedoch der Moment kommen, an dem Menschen aus Situationen subtrahiert und in andere addiert werden, ohne selbst Einfluss darauf nehmen zu können. Daten bergen auch Chancen, es kommt aber darauf an, wer über sie verfügt. Einem Konzern oder Putin möchte ich sie nicht überlassen, auch nicht einem Obama, der vor der CIA kuscht.
           

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