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Liao Yiwu : Der schwarze Vorhang der Macht

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Liao Yiwu Bild: dpa

Wenn wir schweigsam bleiben, wird Orwell Realität: Der chinesische Schriftsteller Liao Yiwu sieht beunruhigende Parallelen zwischen westlicher und östlicher Überwachung.

          Im diktatorischen China habe ich mehr als die Hälfte meines Lebens unter Überwachung verbracht. Die staatliche Seite verfügt über Firewall, Spitzel und Internetpolizisten. Mein Schreiben wurde häufig als „Internetverbrechen“ angesehen. Ich habe geglaubt, dass es im Westen keine Überwachung der alltäglichen Worte und Handlungen der Bürger gibt. Aber ich habe mich geirrt. Deswegen unterstütze ich alle mutigen Menschen, die den schwarzen Vorhang der Macht aufreißen. Ich verstehe Edward Snowdens Situation und fühle mit ihm. Deswegen gebe ich meine Unterschrift. Ich selbst reiße an einer anderen Front den schwarzen Vorhang jener Macht auf, die ihre eigenen Interessen allem voranstellt. Wenn wir schweigsam bleiben, wird „1984“ Realität, und das wäre allzu schrecklich.

          Liao Yiwu, Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels 2012, lebt in Berlin. Er veröffentlichte zuletzt „Die Dongdong-Tänzerin und der Sichuan-Koch – Geschichten aus der chinesischen Wirklichkeit“.

          Quelle: FAZ.NET

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