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Antje Rávic Strubel : Jeder Schritt, jeder Gedanke ist im Blick

  • Aktualisiert am

Antje Ravic Strubel Bild: picture-alliance/ dpa

Es sind nicht länger am hochgeschlagenen Mantelkragen erkennbare Spitzel, die unten vor dem Haus im Lada saßen und die Flucht über den Hinterhof immerhin als Möglichkeit offenließen; heute sind alle Hinterhöfe ausgeleuchtet.

          Das kapitalistische System, das so gern mit der Freiheit des Individuums in Verbindung gebracht wird, zeigt sich heute perfider als der Kommunismus in seinen Methoden, diese Freiheit zu beschneiden. Es sind nicht länger am hochgeschlagenen Mantelkragen erkennbare Spitzel, die unten vor dem Haus im Lada saßen und die Flucht über den Hinterhof immerhin als Möglichkeit offenließen; heute sind alle Hinterhöfe ausgeleuchtet.

          Ein gesichtsloses, satellitengesteuertes System hat jeden Schritt, jeden Gedanken des Einzelnen im Blick und kann ihn jederzeit zielgerichtet und willkürlich ausschalten. Und doch erhebt sich schon wieder der Chor der Mitläufer, die sich interessanterweise mit demselben Argument unterwerfen, das die Stasi-Offiziere benutzten, um das Volk gefügig zu machen: „Wer nichts zu verbergen hat, braucht nichts zu befürchten.“ Ich aber fürchte mich. Denn diesmal sind die Mittel von todsicherer Effizienz.

          Antje Rávic Strubel, Jahrgang 1974, lebt in Berlin. Sie veröffentlichte zuletzt den Roman „Sturz der Tage in die Nacht“.

          Quelle: F.A.Z.

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