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Ausstellung in Marbach : Schöne Bescherung!

Was wäre ein Museum ohne Stifter? Die schönsten Stücke kommen als Geschenke ins Marbacher Literaturmuseum, wie eine sehenswerte Ausstellung zeigt.

          Mit dem Schenken ist das so eine Sache. Alle Jahre wieder, wenn in der Adventszeit und in den Geschäften große Umtriebigkeit ausbricht, wird man aufs Neue mit dieser Kulturtechnik konfrontiert. Die Anforderungen sind heikel: Man will nicht zu viel schenken und nicht zu wenig, nicht das Falsche an den Falschen herantragen, und hat man auch alle bedacht? Und natürlich ist die Schenkung immer eine hübsch verpackte Investition in eine Beziehung, selbst wenn Juristen den Akt bloß als „Transfer materieller Güter ohne Erwartung von Gegenleistung“ sehen. Die Bibel war da weiter: „Geben ist seliger denn nehmen“ heißt nichts anderes, als dass Geber und Nehmer zumindest in ambivalentem Verhältnis zueinander stehen. Der Frankfurter Soziologe Ulrich Oevermann spricht von der „Symmetrie der Wechselseitigkeit“.

          Sandra  Kegel

          Redakteurin im Feuilleton.

          Es passt also zur Jahreszeit, wenn das Marbacher Literaturmuseum der Moderne seinen Besuchern eine Ausstellung zum Schenken schenkt: „Die Gabe/The Gift“, von Susanna Brogi und Magdalena Schanz kuratiert, beleuchtet das Verhältnis zwischen Literaturarchiv und Stiftern und hat als Leitmotiv den Apfel gewählt, das Urbild der Gabe schlechthin. Immerhin mündete der Apfel, den Paris einst Aphrodite überreichte, weil die ihm als Gegengeschäft die schöne Helena versprach, in den Trojanischen Krieg. Der ja bekanntlich auch durch ein explosives Geschenk endete: Hätten die Trojaner das Pferd, das ihnen die Griechen überließen, nur einmal genauer in Augenschein genommen. Schon der Autor des „Don Quijote“, Miguel de Cervantes, wusste: „Wan man kauft, bekommt man billiger als ein Geschenk.“

          Die Schenker bleiben unsichtbar

          Die Pomologie gehört aber auch deshalb zu Marbach, weil Friedrich Schiller es mit Äpfeln hatte, man denke nur an seinen „Wilhelm Tell“. Zur Stimulanz soll er stets ein paar angefaulte Äpfel in seinem Schreibtisch aufbewahrt haben. Die Begeisterung dafür lag in der Familie. Schillers Vater betrieb Apfelstudien, die Schwester Christophine Reinwald illustrierte dessen Lehrbücher. Und so spielt die Konzeption der Ausstellung mit den Begrifflichkeiten des Obstes: Die vier Räume sind mit „Kerne“, „Blüten und Blätter“, „Gehäuse“ und „Marbacher Pomologie“ überschrieben. Die Blüten und Blätter sind natürlich die Schätze, all die kostbaren Handschriften, Erinnerungsstücke und Bilder, die als Gabe überreicht im Museum Entfaltung und Sichtbarkeit erfahren. Während die Schenker je nach Wesensart mal mehr, mal weniger unsichtbar bleiben.

          Ein Löffel mit Futteral und Holzspieß als Lagerbesteck von Angela Rohr. Bilderstrecke

          Die Ausstellung, die mit der eindrucksvollen Schillerrede des Germanisten und Mäzen Jan Philipp Reemtsma eröffnet wurde, hat so im Grunde einen Doppelcharakter: Zum einen ist sie Dank an all jene, die wie der Unternehmer Berthold Leibinger, scheidender Vorsitzender des Marbacher Freundeskreises, im Hintergrund wirken. Und sie nutzt zugleich die Gelegenheit, ein wechselvolles Kapitel der Geschichte des Hauses in seinem ganzen historischen Umfang aufzublättern, wie Ulrich Raulff, der Direktor des Literaturarchivs, einleitend sagte.

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