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Heinrich Detering im Gespräch : Werden wir poetisch, weiblich, jung!

Auf zu neuen Ufern: Der Germanist und scheidende Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Bild: dpa

Umringt von 180 Individualisten: Wie sieht die Bilanz des scheidenden Präsidenten der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung aus? Ein Gespräch mit Heinrich Detering.

          Herr Detering, vor sechs Jahren sind Sie zum Präsidenten der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung gewählt worden. Damals gab es Diskussionen um ein Positionspapier der Akademie zu ihrem Selbstverständnis, das auch die Forderung nach einer Aufstockung des Etats von 600.000 Euro enthielt. Was wurde daraus?

          Dieses umstrittene Papier ist unmittelbar vor meiner Amtszeit entstanden. Eine meiner ersten Aufgaben als neugewählter Präsident war es tatsächlich, antichambrieren zu gehen – bei kulturpolitischen Entscheidungsträgern im Land Hessen und im Bund. Das war langwierig und mühsam, hat aber dazu geführt, dass wir nicht nur einzelne Projektzuschüsse bekommen haben, sondern auch eine erste, wenn auch noch zu geringe Erhöhung der Grundausstattung.

          In einem Beitrag für diese Zeitung haben Sie im November 2011 eine Agenda formuliert. Ein Punkt: Sie wollen der Öffentlichkeit besser vermitteln, was die Akademie tut. Ist das gelungen?

          Ziel einer Akademie wie der unseren kann es nicht sein, sich selbst zu präsentieren oder zu feiern. Sie legitimiert sich durch die Dinge, die sie in dem Bereich von Sprache und Dichtung tatsächlich bewirkt. Aber natürlich ist dazu Kommunikation eine unerlässliche Voraussetzung. Wir haben ein neues Corporate Design entwickelt. Wir haben eine ganz neu konzipierte Website. Unsere Publikationen haben ein einheitlicheres Erscheinungsbild bis in die Typographie hinein, dank der großartigen Arbeit von Friedrich Forssman, einem der besten deutschen Buchgestalter. Aber all das kann nur Voraussetzung und Begleitumstand sein, nicht Gegenstand unserer Arbeit.

          Im Raum stand auch ein Wegzug der Akademie aus Darmstadt.

          Gespräche, die wir in Frankfurt und Darmstadt geführt haben, endeten im klaren Entschluss, in Darmstadt zu bleiben, trotz der Verlockungen des Großen Hirschgrabens. Sie haben auch dazu geführt, dass unsere Arbeitsbasis in Darmstadt jetzt erheblich größer wird. Das historische Glückert-Haus wird renoviert, und wir bekommen eine zweite Jugendstilvilla dazu. Unsere Arbeit beruht ja nicht darauf, regelmäßig an einem Ort Veranstaltungen durchzuführen. Wir sind eher eine Akademie, die unterschiedliche Aktivitäten anregt und koordiniert, die dann an vielen verschiedenen Orten stattfinden. Dafür hat Darmstadt sich als ideale Basis erwiesen.

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          Ein weiterer Punkt war die Altersstruktur und das ungleiche Verhältnis der Geschlechter unter den Akademiemitgliedern. Hat sich da etwas bewegt?

          Wir haben gesagt, wir müssen poetischer werden, jünger und weiblicher. In allen drei Hinsichten gibt es positive Veränderungen, wenn auch nicht immer in dem Tempo, das ich mir gewünscht hätte. Das liegt natürlich auch schlicht daran, dass wir es gerade bei der Zuwahl von Mitgliedern oder bei der Vergabe von Auszeichnungen immer mit Individuen zu tun haben und zu Recht nicht nach bloßen Proporz-Kategorien entschieden werden soll.

          Hat dieser dreifache Wunsch denn Ihre Aktivitäten beeinflusst?

          Ja. Wir sind poetischer geworden in dem Sinne, dass das Engagement für die öffentliche Wahrnehmung von Lyrik, lyrischer Produktion, lyrischer Übersetzung ein Stützpfeiler unseres Programms geworden ist. Wir sind weiblicher geworden in unserem literarischen Programm. Wir haben zusammen mit der Wüstenrot Stiftung eine großangelegte Reihe von Werkausgaben von Autorinnen des zwanzigsten Jahrhunderts begonnen. Und wir haben „Verjüngung“ auch programmatisch sichtbar gemacht, indem wir uns verstärkt um Kinder- und Jugendliteratur kümmern. Wir haben mit Andreas Steinhöfel zum ersten Mal einen dezidierten Kinderbuchautor in die Akademie gewählt, das soll fortgesetzt werden.

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