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Suhrkamp vor Gericht Nichts ist vorbei am Aschermittwoch

 ·  Der Gerichtstermin an diesem Mittwoch brachte im Streit um den Suhrkamp Verlag keine Entscheidung. Es steht zu befürchten, dass der schwelende Konflikt weiter eskaliert und nur noch Verlierer hinterlässt.

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© dpa Vergrößern Prominenz im Publikum: Die Autoren Andreas Maier und Rainald Goetz, Focus-Herausgeber Helmut Markwort und Verleger Joachim Unseld im Gerichtssaal 122

Die Stimmung im Saal 122 ist aufgekratzt. Schriftsteller, Journalisten, Kameraleute drängen sich in den schmucklosen Raum, sitzen teilweise auf dem Boden, und weil an diesem Aschermittwoch kurz vor neun so gar nichts passiert, filmen sie sich gegenseitig. Da tuschelt das „Focus“-Urgestein Helmut Markwort mit einem Juristen in der ersten Reihe, zwei Sitze weiter zeigt der Justizschreiber Rainald Goetz ein verrätseltes Lächeln, an der Fensterbank lehnen die Suhrkamp-Autoren Andreas Maier und Ulf Erdmann Ziegler, als endlich der Vorsitzende Richter den Saal des Frankfurter Landgerichts betritt. Angesichts der Menge, die er vor seinem Tisch erblickt, schaut Norbert Höhne grimmig wie der hessische Löwe auf dem Wappen über ihm. Und dann geht alles ganz schnell. Keine vierzig Sekunden dauert die Verlesung seines Dreizeilers, wonach es heute keine Entscheidung im Machtkampf um den traditionsreichen Suhrkamp Verlag geben wird. Stattdessen wird ein neuer Verhandlungstermin festlegt, und zwar auf den 25. September. Der von einigen beschworene Untergang des Hauses Unseld ist noch einmal vertagt.

Die Nichtentscheidung in der Sache selbst ist gleichwohl bemerkenswert. Und zwar nicht nur, wenn man bedenkt, was alles hätte verkündet werden können im Streit der beiden verfeindeten Suhrkamp-Gesellschafter, der durch Ulla Unseld-Berkéwicz vertretenen Familienstiftung, die einundsechzig Prozent der Anteile hält, und der von Hans Barlach geführten Medienholding AG Winterthur mit neununddreißig Prozent. Weil die Parteien es unter einem Dach nicht mehr miteinander aushalten, beschäftigt die Causa Suhrkamp inzwischen mehrere Gerichte. In Frankfurt haben sie wechselseitig den Ausschluss der jeweils anderen Seite eingeklagt. Für den Fall, dass Barlach mit seiner Klage nicht durchkommt, hat er die Auflösung des Verlags beantragt. Im Raum stehen die Vorwürfe Veruntreuung von Geldern, Kompetenzüberschreitung, geschäftsschädigendes Verhalten, Missmanagement. Kurz: Es ist ein Kampf ums Ganze.

Die Zeit spielt gegen das Haus

Indem das Gericht auf Zeit spielt, hat es erst einmal Druck aus der Sache genommen. Denn in der mündlichen Verhandlung hatte der Richter die Parteien gewarnt, dass die Auflösung des gesamten Verlags für ihn in Betracht komme. Gut möglich, dass er mit dieser Drohkulisse die Beteiligten in einen Vergleich zwingen wollte. Zumal auch der Richter das Opfer in dieser betriebsinternen Fehde klar benannte: einen der bedeutendsten deutschen Verlage mit einem literarischen Erbe, das nicht verspielt werden dürfe.

Die öffentliche Reaktion hierauf hat das Gericht womöglich unterschätzt. Jedenfalls spielt die Kammer für Handelssachen nunmehr den Ball zu den Parteien zurück, und gibt ihnen viel Zeit, sich doch noch außergerichtlich zu einigen. Denn die eingeräumte Frist ist außergewöhnlich lang. Offensichtlich hält das Gericht angesichts der Komplexität der unterschiedlichsten Streitpunkte eine kurzfristigen Lösung für unwahrscheinlich. Es ist dies wohl die letzte Chance für die Beteiligten, ohne Hilfe der Gerichte einen Burgfrieden herbeizuführen. Zugleich aber bedeutet diese Entscheidung, dass sich der Verlag weiterhin in ungeklärter Lage befindet, was in diesem Fall heißt: Die Zeit spielt gegen das Haus, da Unsicherheit fortbesteht. Und das macht die Lage so prekär. Denn was passiert, wenn Autoren das Hin und Her nicht mehr mitmachen wollen und nunmehr eher bereit sind, Alternativen zu erwägen, die für sie sonst nicht offen wären?

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13.02.2013, 16:50 Uhr

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