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Suhrkamp-Prozess : Das Urteil

Suhrkamp in Berlin Bild: Pein, Andreas

Suhrkamp muss Hans Barlach zwei Millionen Euro zahlen – womöglich ein vernichtender Schlag für den Verlag. Was will der Anteilseigner mit diesem Sieg erreichen?

          „Ein Autor, der mich in derartiger Form beschimpft, gehört aus dem Verlag geschmissen.“ Diesen Satz ließ Hans Barlach, dem über die Medienholding AG Winterthur 39 Prozent von Suhrkamp gehören, vergangene Woche vor einem Berliner Gericht über seinen Anwalt ausrichten. Diese nach der simplen Rechnung „Geld schlägt Geist“ ausgesprochene Drohung ist nicht schriftlich protokolliert, aber es gibt mehrere Zeugen dafür. Sie lässt nicht nur für die Suhrkamp-Autoren Peter Handke und Rainald Goetz, die es tatsächlich gewagt hatten, Barlach zu kritisieren, Schlimmes befürchten, sondern auch für den Verlag selbst. Was will Hans Barlach eigentlich?

          Sandra  Kegel

          Redakteurin im Feuilleton.

          Edo Reents

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton.

          Diese Frage dürfte nun beantwortet sein: Geist und Intellekt will er offensichtlich nicht, jedenfalls nicht in der Form, wie man sie seit sechzig Jahren mit Suhrkamp verbindet. Was er verlegerisch mit seinem Anteil will, wissen wir nicht, und solange dies der Fall ist, braucht man in ihm auch nicht mehr als einen Investor zu sehen, dem es um eines geht: Rendite. Das ist auch niemandem vorzuwerfen – nur: was muss man über einen Mann denken, der jetzt Anstalten macht, mit seiner Rendite einen Verlag zumindest in seiner jetzigen Form zu zerstören?

          Suhrkamp will in Berufung gehen

          Die Rendite bekommt Barlach jetzt tatsächlich zugesprochen: Am Mittwochmorgen hat das Frankfurter Landgericht die Suhrkamp Verlag GmbH & Co. KG dazu verurteilt, Barlach aus den Gewinnen des Geschäftsjahres 2010 insgesamt 2,18 Millionen Euro zu zahlen. Diese Summe entspricht seinem Anteil an den Verkaufserlösen des Verlagsarchivs an das Marbacher Literaturarchiv und an Immobilienverkäufen im Zusammenhang mit dem Suhrkamp-Umzug nach Berlin.

          Unklar ist derzeit noch, ob Barlach auf sofortiger Vollstreckung besteht, dann müsste das Geld innerhalb von achtundvierzig Stunden überwiesen werden. Zuvor müsste er auf ein Bürgschaftskonto 110 Prozent der Streitsumme, also etwa 2,4 Millionen Euro, hinterlegen, als Garantie, falls das Urteil in der nächsten Instanz aufgehoben werden sollte.

          Das Frankfurter Urteil ist noch nicht rechtskräftig; für eine Stellungnahme stand bei Redaktionsschluss keine der beiden Streitparteien zur Verfügung. Der Verlag aber wird, wie der Anwalt der Familienstiftung, der 61 Prozent am Verlag gehören, Hauke Witthohn, dieser Zeitung bestätigte, „auf jeden Fall“ in Berufung gehen, was innerhalb von vier Wochen zu geschehen hat. Man muss trotzdem das Schlimmste befürchten, denn die Zahlung könnte Suhrkamp schwer treffen. Der Verlag hatte bisher mit drei Punkten argumentiert: Eine entsprechende Regelung zur Gewinnausschüttung gebe es im Gesellschaftervertrag gar nicht; die Gewinne von 2010 seien ins Geschäftsjahr 2011 eingeflossen; und der Verlag könne das Geld ohnehin nicht aufbringen.

          Klipp und klar festgehalten

          Alle drei Argumente haben das Gericht nicht überzeugt. Der Vorsitzende Richter Thomas Kehren sagte in seiner Urteilsbegründung, die Streitparteien hätten in der Gesellschaftervereinbarung sehr wohl und „klipp und klar gemeinsam festgehalten, dass es Hans Barlachs „Ziel“ sei, „von den Suhrkamp-Kommanditgesellschaften möglichst hohe Ausschüttungen zu erhalten“. Notfalls müsse der Verlag dafür eben ein Darlehen aufnehmen.

          Tatsächlich sind der Gesellschaftervertrag und die Gesellschaftervereinbarung aus dem Jahr 2009, auf die der Vorsitzende Richter Kehren schon in der Verhandlung wie jetzt im Urteil zu sprechen kam, maßgeblich für das, was im Machtkampf um Suhrkamp gerade passiert: Denn als vor drei Jahren der Umzug des Verlags von Frankfurt nach Berlin geplant wurde, stellte sich rasch heraus, dass dies nur mit der Zustimmung aller Gesellschafter möglich sein würde. Das waren damals neben Barlachs Medienholding und Ulla Unseld-Berkéwiczs Familienstiftung auch der Verlegersohn Joachim Unseld, der mit zwanzig Prozent beteiligt war. Unseld wollte den Umzug nach Berlin auf keinen Fall. Man musste ihm seine Anteile also abkaufen, wenn man nicht an seinem Veto scheitern wollte. Barlach stimmte dem Erwerb der Unseld-Anteile zu, die zu gleichen Teilen an ihn und die Familienstiftung gingen. Das ließ sich der Hamburger Unternehmer damals ebenso teuer bezahlen wie später seine Zustimmung zum Umzug nach Berlin.

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