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Suhrkamp-Gesellschafter Barlach Gäbe ich auf, müsste ich Schmerzensgeld kriegen

Was will Hans Barlach, der mit Ulla Unseld-Berkéwicz um die Macht im Suhrkamp Verlag kämpft? Im F.A.Z.-Interview gibt der Hamburger Kaufmann erstmals Auskunft über seine Ziele und die Ursachen des Streits. Und antwortet auf Hans Magnus Enzensberger.

Sie glauben, dass Sie der Richtige sind, den Suhrkamp Verlag zu leiten. Wieso?

Ich bin schon lange im operativen Geschäft von Verlagshäusern tätig. Ich habe die „Hamburger Morgenpost“ geleitet, bei der Fernsehzeitschrift „TVtoday“ war ich Herausgeber, und außerdem habe ich den Nachlass von Ernst Barlach betreut. Da mein Großvater nicht nur ein bildhauerisches, sondern auch ein literarisches Werk hinterlassen hat, hatte ich dabei auch mit Lyrik und Dramen zu tun. Verlagsarbeit ist mir also bekannt. Aber heutige Verlagsarbeit sieht anders aus als früher. Verleger haben weniger repräsentative Aufgaben als vielmehr solche, die mit Finanzmanagement und Risikokapital zu tun haben. Dazu bin ich in der Lage. Es wurde ja verbreitet, dass der Erfolg von Suhrkamp sich so etwas wie der Erbfolge verdanke. Aber auch in Verlagen gilt das Leistungsprinzip.

Und das Berliner Urteil?

Der normale Gang in einer Gesellschaft, in der Gesellschafter und Geschäftsführung unabhängig voneinander sind, wäre nun, nach einer neuen Geschäftsführung zu suchen, die von den Autoren akzeptiert wird. Das passiert aber nicht. Stattdessen behaupten die Anwälte Suhrkamps, der Rechtsstreit ziehe sich mit Revisionen noch mindestens ein Jahr lang hin. Ich kann mir das nicht vorstellen, aber so oder so wird die Entscheidung auf den Verlag zurollen. Daher wäre es jetzt so wichtig, dass sich die Gesellschafter zusammensetzen und verständigen. Dass die jetzige Geschäftsführung nach dem Vorgefallenen das Vertrauen der Medienholding Winterthur nicht hat, ist klar. Es geht ja in der Auseinandersetzung nicht nur darum, dass man bei dem Abschluss des Mietvertrags einen Fehler gemacht hat. Es geht darum, dass uns als Mitgesellschafter dieser Mietvertrag anderthalb Jahre lang verschwiegen wurde, obwohl die Geschäftsführung dazu verpflichtet war, uns darüber zu informieren. Wir haben das zufällig entdeckt. Es wurden Möbelstücke, Küchen und so weiter im Wert von 280.000 Euro gekauft, die jetzt zurückgezahlt werden müssen. Es geht darum, dass in der Villa von Ulla Unseld-Berkéwicz umfangreiche Kosten entstanden sind. Da gibt es Haushälterinnen, Chauffeure, Catering - alles Ausgaben, die mit uns nie abgestimmt wurden und auch nicht unsere Zustimmung finden.

Noch ist das Urteil nicht rechtskräftig. Der Grund, warum Sie prozessiert haben, war, dass Sie als Mitgesellschafter hätten informiert werden müssen?

Wir sehen in dem Vorgang eine Untreue.

Aber dazu fehlt womöglich der Vorsatz, immerhin ist es nur ein geringer Betrag, der da überschritten wurde.

Aber wir leben ja in einem Rechtsstaat. Der Vorsitzende der Gesellschafterversammlung hat mich regelmäßig belehrt, dass ich mir, wenn ich nicht einverstanden bin, einen Richter suchen soll. Das haben wir getan - und jetzt sind die ganz überrascht.

War nicht spätestens nach dem Vergleichsangebot des Berliner Gerichts klar, wohin der Richter tendiert?

Deshalb nehme ich das einem erfahrenen Anwalt wie Peter Raue auch nicht ab, dass er von dem Urteil überrascht war.

Würden Sie sich mit Frau Unseld-Berkéwicz an einen Tisch setzen und gemeinsam versuchen, die Situation zu lösen?

Wir haben immer Gesprächsbereitschaft gezeigt. Aber uns wird ja immer unterstellt, dass wir nur an der Rendite eines Unternehmens Interesse hätten. Das ist nicht der Fall. Wir sind daran interessiert, dass Suhrkamp zukunftsfähig ist. Wir sind daran interessiert, dass man auch in Zukunft ins Programm investieren kann. Das geht aber nur, wenn das Unternehmen Gewinne erwirtschaftet.

Was zuletzt nicht immer der Fall war?

Wenn ich jetzt sage, was Sie hören wollen, dann habe ich morgen wieder eine Klage am Hals, dass ich Geschäftsgeheimnisse verrate. Aber glauben Sie mir: Ich mache mir große Sorgen.

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