Home
http://www.faz.net/-hnx-750ne
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
Bibliothek

Suhrkamp-Gesellschafter Barlach Gäbe ich auf, müsste ich Schmerzensgeld kriegen

Was will Hans Barlach, der mit Ulla Unseld-Berkéwicz um die Macht im Suhrkamp Verlag kämpft? Im F.A.Z.-Interview gibt der Hamburger Kaufmann erstmals Auskunft über seine Ziele und die Ursachen des Streits. Und antwortet auf Hans Magnus Enzensberger.

Sie glauben, dass Sie der Richtige sind, den Suhrkamp Verlag zu leiten. Wieso?

Ich bin schon lange im operativen Geschäft von Verlagshäusern tätig. Ich habe die „Hamburger Morgenpost“ geleitet, bei der Fernsehzeitschrift „TVtoday“ war ich Herausgeber, und außerdem habe ich den Nachlass von Ernst Barlach betreut. Da mein Großvater nicht nur ein bildhauerisches, sondern auch ein literarisches Werk hinterlassen hat, hatte ich dabei auch mit Lyrik und Dramen zu tun. Verlagsarbeit ist mir also bekannt. Aber heutige Verlagsarbeit sieht anders aus als früher. Verleger haben weniger repräsentative Aufgaben als vielmehr solche, die mit Finanzmanagement und Risikokapital zu tun haben. Dazu bin ich in der Lage. Es wurde ja verbreitet, dass der Erfolg von Suhrkamp sich so etwas wie der Erbfolge verdanke. Aber auch in Verlagen gilt das Leistungsprinzip.

Und das Berliner Urteil?

Der normale Gang in einer Gesellschaft, in der Gesellschafter und Geschäftsführung unabhängig voneinander sind, wäre nun, nach einer neuen Geschäftsführung zu suchen, die von den Autoren akzeptiert wird. Das passiert aber nicht. Stattdessen behaupten die Anwälte Suhrkamps, der Rechtsstreit ziehe sich mit Revisionen noch mindestens ein Jahr lang hin. Ich kann mir das nicht vorstellen, aber so oder so wird die Entscheidung auf den Verlag zurollen. Daher wäre es jetzt so wichtig, dass sich die Gesellschafter zusammensetzen und verständigen. Dass die jetzige Geschäftsführung nach dem Vorgefallenen das Vertrauen der Medienholding Winterthur nicht hat, ist klar. Es geht ja in der Auseinandersetzung nicht nur darum, dass man bei dem Abschluss des Mietvertrags einen Fehler gemacht hat. Es geht darum, dass uns als Mitgesellschafter dieser Mietvertrag anderthalb Jahre lang verschwiegen wurde, obwohl die Geschäftsführung dazu verpflichtet war, uns darüber zu informieren. Wir haben das zufällig entdeckt. Es wurden Möbelstücke, Küchen und so weiter im Wert von 280.000 Euro gekauft, die jetzt zurückgezahlt werden müssen. Es geht darum, dass in der Villa von Ulla Unseld-Berkéwicz umfangreiche Kosten entstanden sind. Da gibt es Haushälterinnen, Chauffeure, Catering - alles Ausgaben, die mit uns nie abgestimmt wurden und auch nicht unsere Zustimmung finden.

Noch ist das Urteil nicht rechtskräftig. Der Grund, warum Sie prozessiert haben, war, dass Sie als Mitgesellschafter hätten informiert werden müssen?

Wir sehen in dem Vorgang eine Untreue.

Aber dazu fehlt womöglich der Vorsatz, immerhin ist es nur ein geringer Betrag, der da überschritten wurde.

Aber wir leben ja in einem Rechtsstaat. Der Vorsitzende der Gesellschafterversammlung hat mich regelmäßig belehrt, dass ich mir, wenn ich nicht einverstanden bin, einen Richter suchen soll. Das haben wir getan - und jetzt sind die ganz überrascht.

War nicht spätestens nach dem Vergleichsangebot des Berliner Gerichts klar, wohin der Richter tendiert?

Deshalb nehme ich das einem erfahrenen Anwalt wie Peter Raue auch nicht ab, dass er von dem Urteil überrascht war.

Würden Sie sich mit Frau Unseld-Berkéwicz an einen Tisch setzen und gemeinsam versuchen, die Situation zu lösen?

Wir haben immer Gesprächsbereitschaft gezeigt. Aber uns wird ja immer unterstellt, dass wir nur an der Rendite eines Unternehmens Interesse hätten. Das ist nicht der Fall. Wir sind daran interessiert, dass Suhrkamp zukunftsfähig ist. Wir sind daran interessiert, dass man auch in Zukunft ins Programm investieren kann. Das geht aber nur, wenn das Unternehmen Gewinne erwirtschaftet.

Was zuletzt nicht immer der Fall war?

Wenn ich jetzt sage, was Sie hören wollen, dann habe ich morgen wieder eine Klage am Hals, dass ich Geschäftsgeheimnisse verrate. Aber glauben Sie mir: Ich mache mir große Sorgen.

1 | 2 | 3 | 4 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Suhrkamp Verlag Genehmigter Sanierungsplan soll Ruhe bringen

Seit acht Jahren liefern sich die beiden Gesellschafter des Suhrkamp Verlags einen erbitterten Machtkampf. Die Umsetzung des jetzt endgültig gebilligten Insolvenzplans soll für Ruhe sorgen. Mehr

24.10.2014, 16:44 Uhr | Rhein-Main
Die Kohl-Protokolle

Der ehemalige Kohl-Biograf Heribert Schwan und sein Co-Autor Tilman Jens haben frühere Gespräche ausgewertet und verstehen die Aufregung um das Buch nicht. Kohl habe immer gewusst, dass alles was er sagt, auch publiziert werde. Mehr

08.10.2014, 10:33 Uhr | Politik
Berliner Landgericht Suhrkamps Insolvenzplan ist rechtens

Das Berliner Landgericht hat Suhrkamps Pläne zur Umwandlung in eine Aktiengesellschaft noch einmal geprüft und bestätigt. In einem Jahr wird damit die Macht des Minderheitengesellschafters Barlach im Haus weitaus weniger groß sein. Mehr Von Andreas Platthaus

24.10.2014, 12:10 Uhr | Feuilleton
Der Hypersetzer

Alain Jadot lebt seit 1967 in Berlin und bezeichnet sich selbst als Hypersetzer. Mit seinem Verlag eigenartiger Bücher war er früher hier, als Messias, ohne den eine Messe ja nicht auskommt. Und jetzt als Leser. Mehr

09.10.2014, 11:34 Uhr | Feuilleton
Martin Walsers Tagebuch Solche wie mich verachte ich - mich aber nicht

Was die Tagebücher der Jahre 1979 bis 1981 über den Beobachtungsexperten Martin Walser, den Literaturbetrieb und Leipziger Fußmatten verraten - und wie sich dieser Autor jeder Belangbarkeit entzieht. Mehr Von Peter Hamm

17.10.2014, 22:45 Uhr | Feuilleton
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 13.12.2012, 15:18 Uhr